Türkisch-russischer Konflikt erreicht die Energieversorgung: Gazprom drosselt massiv Lieferumfang

Türkisch-russischer Konflikt erreicht die Energieversorgung: Gazprom drosselt massiv Lieferumfang
Die ohnehin angespannten russisch-türkischen Beziehungen haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der russische Energieriese Gazprom hat seine Erdgaslieferungen in die Türkei um fast ein Viertel reduziert, nachdem sich Ankara und Moskau über ein Abkommen hinsichtlich möglicher Importrabatte nicht einig werden konnten.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dadurch die Lieferung russischen Erdgases in die Türkei um 23 Prozent eingebrochen, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den bulgarischen Erdgas-Versorger Bulgartransgaz, welcher rund 50 Prozent des russischen Erdgases für den türkischen Markt verarbeitet.

Im vergangenen Jahr einigten sich Russland und die Türkei auf eine Kaufpreis-Vergünstigung für russisches Erdgas von 10,25 Prozent. Diese wurde angesichts des Ölpreisverfalls hinfällig.

Die russische Tageszeitung Kommersant hat nun Quellen zitiert, wonach Gazprom die Gewährung des Rabatts Anfang dieses Jahr eingestellt habe. Für Erdgaslieferungen aus dem Januar haben türkische Unternehmen demnach den höheren Preis bezahlt. Am 21. Februar sollen die Unternehmen jedoch nur den im vergangenen Jahr ausgemachten Rabatt-Preis überwiesen haben. Moskau stellte daraufhin die weitere Energielieferung entsprechend der unbezahlten Energiemenge ein.

Zu den betroffenen Unternehmen zählen Enerco Enerji, Bosphorus Gaz, Avrasya Gaz, Shell Bati Hatti und Kibar Enerji. Zusammen importieren die Unternehmen rund zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland. Kommersant berichtete, die von den Kürzungen betroffenen Unternehmen befürchteten, dass die Entwicklung ihrem Geschäft schaden würde, da Handelsverträge auf der Grundlage des Rabatt-Abkommens mit Gazprom abgeschlossen worden seien.

Zwischen dem 1. und dem 24. Februar lieferte Gazprom 117 Millionen Kubikmeter Erdgas. Die Menge entspricht einem Gegenwert von 30 Millionen US-Dollar. Kommersant fügte hinzu, dass die Türkei den russischen Gasriesen im Gegenzug mit einer Forderung von 2,5 Millionen US-Dollar wegen der Nicht-Erfüllung seiner Verpflichtungen verklagen könnte.

Eine Quelle bei Gazprom informierte, dass die Lieferreduktion den türkischen Konsumentenmarkt nicht beeinflussen werde, „insbesondere, weil Botaş seine vertraglich vereinbarten Volumina nicht erreicht“.

Das staatlich türkische Energieunternehmen Botaş importiert jährlich 17 Milliarden Kubikmeter Erdgas. 2015 erhielt Botaş keinen Rabatt von Gazprom, da die Verhandlungen um das Turkish-Stream-Pipelineprojekt gescheitert waren.