"Energiesicherheit" - Russland, Griechenland und Italien etablieren neuen Gaskorridor nach Südeuropa

Röhren auf dem Deck des S-Master-Röhrenlegers aus dem Schwarzen Meer: Hier wird die Dzhubga-Lazarevskoye-Sochi-Pipeline verlegt.
Röhren auf dem Deck des S-Master-Röhrenlegers aus dem Schwarzen Meer: Hier wird die Dzhubga-Lazarevskoye-Sochi-Pipeline verlegt.
Russland, Griechenland und Italien haben das Projekt „Poseidon“ wiederbelebt. Eine Offshore-Pipeline soll russisches Gas über Drittländer nach Griechenland und von dort nach Italien leiten. Technische Unklarheiten bestehen noch über das Anschlussstück nach Griechenland. Die Vertreter der drei Länder betonen die "Stärkung der Energiesicherheit Europas" durch das Projekt.

Russische, griechische und italienische Firmen werden den südlichen Gaskorridor in die Europäische Union wiederbeleben. Am Mittwoch unterzeichneten die Vorstände von Gazprom, Alexei Miller, der Firma Edison, Marc Benayoun, sowie der Vorstandsvorsitzende von DEPA, Theodoros Kitsakos, eine entsprechende Absichtserklärung. Bei dem Treffen war auch der Generalsekretär für Internationale Wirtschaftsbeziehungen Griechenlands, George Tsipras, anwesend. Danach traf sich Alexei Miller mit der Wirtschaftsministerin Italiens, Federica Guidi.

Der griechische Präsident Alexis Tsipras im Gespräch mit Gazprom-Chef Alexei Miller in Athen, April 2015.

Laut Gazprom soll mit dieser Route die Versorgung von russischem Erdgas nach Südeuropa ermöglicht werden. „Dieser neue Versorgungskorridor wird eine sichere Energieversorgung von Italien ermöglichen. Damit wird die Rolle Italiens als ein wichtiger südeuropäischer Gasversorger gefördert“, erläuterte Benayoun von Edison. Seiner Ansicht nach steht das Projekt im Einklang mit den Zielen der nationalen Energiestrategie.

Als Grundlage sollen Vorarbeiten genutzt werden, die Edison und DEPA bereits im Rahmen des Projektes „Interconnector Turkey–Greece–Italy“ (ITGI) mit dem Namen „Poseidon-Projekt“ verrichtet hatten. Der ITGI war als Verbindungsleitung zwischen der Türkei, Griechenland und Italien gedacht. Damit sollte Gas aus dem aserbaidschanischen Shah Deniz Gasfeld nach Südeuropa transportiert werden.

Schon im Jahre 2003 wurde dafür von der Europäischen Kommission eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie sollte den möglichen Bau einer Pipeline zwischen Griechenland und Italien (Poseidon-Pipeline) untersuchen. Als das aserbaidschanische Schah-Denis-Konsortium bekannt gab, dass es stattdessen die Trans-Adria-Pipeline (TAP) bauen würde, legte man Poseidon auf Eis. Die TAP-Pipeline wurde damals auch von Deutschlands Energiekommissar Günther Oettinger unterstützt und nahm im Juni 2013 konkrete Formen an. Sie soll bis 2020 fertig gestellt werden.

DEPA-Vorstand Kitsakos sieht in der Wiederaufnahme des Poseidon-Projektes einen großen Fortschritt für die Region:

„Die Wiederbelebung des ITGI-Poseidon-Projekt stärkt die Energiesicherheit Europas durch einen zusätzlichen Versorgungskorridor und verbessert Griechenlands Rolle als wichtiges Tor für Gas aus den unterschiedlichsten Quellen und Routen.“

Das russische Unternehmen Gazprom hatte in den vergangenen Jahren die Pipeline-Projekte South-Stream und Turkish-Stream begonnen. Das South-Stream-Projekt wurde jedoch aus Brüssel blockiert. In Konkurrenz entwickelte die EU ihre Vision einer Energy-Union, die vor allem auf Importe von Flüssiggas im Rahmen transatlantischer Kooperation setzt.

Im vergangenen Herbst berichteten bulgarische Medien, dass auch die Verhandlungen zwischen Bulgarien und Russland wieder aufgenommen wurden. Der russische Energieminister Alexander Nowak erklärte allerdings Anfang dieses Jahres, das Projekt ruhe auf Initiative der russischen Seite weiterhin. Ein ähnliches Schicksal war dem Projekt Turkish-Stream beschieden. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch türkische Truppen endeten auch die diesbezüglichen Verhandlungen.

Arbeiter an einer Röhre für die North-Stream-Pipeline in Sassnitz im Mai 2011.

In den vergangenen Monaten zeichnete sich jedoch überraschend ab, dass BASF, EON, Engie, OMV und Shell gemeinsam mit Gazprom eine Erweiterung der Northstream-Pipeline planen. Zahlreiche osteuropäische EU-Staaten, die stark auf Kooperationen mit den USA setzen, kritisieren gegenwärtig auch dieses Projekt. Insbesondere Italien, dass zugunsten der EU Energy Union auf eine mögliche Pipeline-Verbindung mit Russland verzichtet hatte, zeigte sich sehr verärgert darüber, dass Deutschland nun seine Beziehungen mit russischen Energieunternehmen wiederaufnimmt.

Laut Alexei Griwach, dem stellvertretenden Generaldirektor von Russia's National Energy Security Fund, soll die am Mittwoch geschlossene Absichtserklärung auch ein Signal an die südeuropäischen Länder sein, dass Gazprom trotz der politischen Unsicherheiten in den vergangenen Jahren offen für den Dialog mit allen europäischen Partnern ist. Man sei weiterhin bereit, verschiedene Pipelines zu realisieren. Die Frage bleibe, welche der möglichen Routen ökonomisch sinnvoll sei.