Öl-Deal: Wie die USA auf die Ölabsprache zwischen Russland und Saudi-Arabien reagieren

Öl-Deal: Wie die USA auf die Ölabsprache zwischen Russland und Saudi-Arabien reagieren
Einige wichtige Ölförderländer einigen sich, die Produktion einzufrieren. Aber was macht der größte Förderstaat USA? Während alle Finger auf Iran zeigen, titelt Bloomberg: „Es gibt einen Ort, an dem die OPEC keinen Öl-Deal aushandeln kann: Texas“. Die USA sind der neue Swing-Producer.

Der russische Ölminister Alexander Nowak und sein saudischer Kollege Ali al-Naimi vereinbarten am Dienstag in der katarischen Hauptstadt Doha, dass die Förderung von Erdöl auf dem aktuellen Niveau eingefroren wird. Diese Entscheidung tragen die OPEC-Länder mit. Insbesondere Venezuela bemühte sich im Hintergrund seit Wochen um einen Deal, der die aktuelle Abwärtsspirale bei den Ölpreisen stoppen sollte.

Das Treffen erinnert Ölexperten an das legendäre Treffen zwischen den OPEC-Ländern und Russland im Jahr 2001. Die damalige Einigung trug zur Preissteigerung in den folgenden 13 Jahren bei. Alleine die Meldung über das aktuelle Treffen führte am Montag bereits zu einem kleinen Preissprung bei Rohöl an den Börsen. In den vergangenen Wochen zeichnete sich ab, dass zahlreiche Förderländer, wie Nigeria, Aserbaidschan und Venezuela vor dem Konkurs stehen. Auch die internationalen Ölkonzerne klagen über schlechte Bilanzen.

Vor dem Treffen hatte Saudi-Arabien bereits erklärt, dass es nur bereit sei, seine Förderung nicht weiter anzukurbeln, wenn auch Nicht-OPEC-Staaten diese Entscheidung mittragen. Das ging an die Adresse der USA und Russlands. Im Jahr 2014 förderten Firmen in den USA mehr Öl und Erdgas als in allen anderen Ländern der Welt. Die russischen Ölfirmen vertraten bisher den Standpunkt, dass ihre Förderung rentabel bleibt, egal wie tief Saudi-Arabien und die USA die Preise drücken.

In der vergangenen Woche verdichteten sich die Hinweise, dass einige der großen Förderer bereit sind, einen Konsens zu finden. Das Ziel ist ein Produktionsstopp, um das globale Überangebot in den Griff zu bekommen, ohne aber die Versorgung zu senken. Mehrere russische Beamte, darunter auch Ölminister Nowak, signalisierten, dass Russland mit der OPEC zusammenarbeiten könnte. Der Leiter von Rosneft, Igor Setschin, der sich lange gegen Kürzungen ausgesprochen hatte, erklärte nun, es sei für alle Erzeuger sinnvoll, etwa 1 Millionen Barrel pro Tag vom Markt zu nehmen.

Auch der Ölminister Nigerias meinte gegenüber Reuters, dass die Stimmung innerhalb der OPEC sich zu einem Konsens entwickelt, dass die Preise gestützt werden müssen. Der größte Förderstaat Afrikas musste bereits bei Weltbank und IWF um Notkredite betteln. Schließlich gaben die Ölminister von Saudi-Arabien, Russland, Venezuela und Katar gestern die Vereinbarung bekannt: Sie wollen die Ölförderung auf dem aktuellen Pegel einfrieren und fordern die anderen großen Hersteller auf nachzuziehen.

 

Der unbekannte Riese: Was machen die Fracking-Firmen in den USA und Kanada?

Bei einem Blick auf die Ölförderung der vergangenen Jahre wird schnell deutlich, dass es vor allem drei Länder sind, in denen die Ölförderung ausgeweitet wurde: die USA, Kanada und der Irak. Der Preissturz seit Juni 2014 hatte kaum einen Effekt auf die ansteigende Öl- und Gasförderung in den USA. Auch Kanada, das nicht unter den Top-5-Förderern liegt, weitet seine Produktion weiter aus. Der Irak gilt als das unbekannte Ölwunder.

Arbeiter an einer Röhre für die North-Stream-Pipeline in Sassnitz im Mai 2011.

Seit dem Überfall durch die US-Koalition weiteten die internationalen Ölfirmen die Förderung systematisch aus. In der zweiten Hälfte des Jahres 2015 lag die Förderung durchgehend bei über 4 Millionen Fässern am Tag. Mit dieser Menge übernahmen die im Irak aktiven Firmen seit dem Jahr 2011 systematisch die Anteile, welche die unter den Sanktionen leidenden iranischen Firmen verloren. Während die irakische Regierung unter Haider Al-Abadi sich an den neuen Öl-Kompromiss halten will, bleiben die USA die große Unbekannte.

Das Land steht kurz davor, erstmals seit 1975 zurück auf die internationalen Ölmärkte zu kommen. In 2015 förderten die US-Unternehmen durchgehend über 9 Millionen Barrel am Tag, als hätte es nie einen Preissturz gegeben. Gegenüber ihrem historischen Spitzenwert von April 2015 von 9,7 Millionen Barrel pro Tag verloren die USA bis Februar 2016 gerade mal 300.000 Barrel. Das Geheimnis liegt in der extrem zunehmenden Effektivität der Fracking-Förderung.

Während Anfang des Jahres 2010 aus einem Bohrloch im Schnitt gerade 90 Barrel am Tag kamen, sind es jetzt 436 Fässer am Tag. Und so starrten internationale Medien seit dem Preisverfall auf die radikal fallende Anzahl der Bohrlöcher. Allerdings können die Fracking-Firmen inzwischen mit einem kleinen Teil an aktiven Löchern einfach das Gesamtniveau des Ausstoßes halten. Und, da sind sich alle sicher, sobald der Weltmarktpreis für Rohöl wieder steigt, werden auch die weniger rentablen Bohrlöcher wieder aktiviert.

Im vergangenen Monat förderten die USA alleine 5 Millionen Barrel mit der besonders dreckigen Fracking-Methode. Von Pleite keine Spur. Zwar müssen sich einzelne Firmen, die sich nicht gegen fallende Preise abgesichert hatten, Konkurs anmelden. Aber ihre Logistik wird einfach von den kapitalstärkeren Unternehmen übernommen. Das Wirtschaftsportal Bloomberg triumphiert: Es gibt einen Ort, wo die OPEC keinen Öl-Deal aushandeln kann: Texas.

LNG-Tankschiff in einem asiatischen Hafen

„Die Wildcatter von Texas, Oklahoma und North Dakota warten schon, um sich darauf zu stürzen“, schreibt Bloomberg in freudiger Erwartung steigender Preise. „Wildcatter“ sind Ölsucher, die neue Quellen auftun. Ungefähr 4.000 Bohrlöcher sind bereits gebohrt und warten nur auf bessere Preise, um wieder in Betrieb genommen zu werden. Diese so genannten Fracklogs funktionieren in Zukunft wie ein Deckel bei jeder Ölpreis-Rallye. Sobald der Weltmarktpreis ansteigt, fahren die US-Fracker ihre Produktion hoch und drücken den Preis erneut. Die USA sind nach Saudi-Arabien nun der zweite Swing-Producer.

„Diese Hersteller können ihr Öl in 80 Tagen an den Markt bringen“, beschreibt Jeff Currie, Analyst bei Goldman Sachs, den Mechanismus. „Das sorgt dafür, dass jede zukünftige Preisrallye von selbst zusammenbricht.“ Aktuelle Vorhersagen, dass die Ölförderung in dem USA im Jahr 2016 um 740.000 Barrel pro Tag auf 8,69 Millionen zurückgeht, hätten sich sofort erledigt, sobald der Preis steigt.

Und mit den Freihandelsverträgen mit Europa und Asien, TTIP und TPP, können die in den USA aktiven Unternehmen jederzeit in den Export einsteigen. Erste Rohöllieferungen erreichten Europa schon im Januar. Ein Zurück zu hohen Ölpreisen wird es vorerst nicht geben. Dafür müssten die OPEC-Länder und Russland die 6 Millionen Barrel vom Markt nehmen, die der Irak, Kanada und die USA seit dem Jahr 2011 zusätzlich auf den Markt bringen.