Erdöl: Investitionen in Tiefsee fallen, Fracking kommt

Tote Sonnenblumen vor einem Fracking-Feld in Dickinson, North Dakota im Januar 2016.
Tote Sonnenblumen vor einem Fracking-Feld in Dickinson, North Dakota im Januar 2016.
Die amerikanischen Energieunternehmen versuchen ihren Bestand zu sichern, bis der Markt sich wieder erholt. Die US-Firmen geben Tiefwasserprojekte auf und investieren stattdessen in Fracking-Felder. Das große neue Thema wird die Gasförderung und der Flüssiggastransport (LNG).

Die internationalen Energieunternehmen müssen tiefe Einschnitte hinnehmen und sehen sich dem stärksten Abschwung gegenüber, den die Branche seit Jahrzehnten erlebt hat. Die Preise für Rohöl sind in den vergangenen 18 Monaten um 70 Prozent auf aktuell rund 35 Dollar für das Fass gefallen. Alle weltweit führenden Top-Öl-Unternehmen berichten in den letzten Tagen von starken Rückgängen bei ihren Gewinnen.

Ein Arbeiter in einer illegalen Rohölraffinerie in Nigeria's Öl-Bundesstaat Bayelsa, November, 2012.

Das Management der Energieunternehmen steht vor einem schwierigen Balanceakt: Sie müssen die Ausgaben kürzen, um die Firmen finanziell über Wasser zu halten. Aber sie müssen auch die Infrastruktur für die Produktion und Kapazitäten erhalten, die es ihnen ermöglichen, in Zukunft wieder zu wachsen, wenn der Markt sich erholt.

Die Unternehmen haben sich für unterschiedliche Ansätze entschieden, um zukünftiges Wachstum zu sichern. Häufig konzentrieren sie sich auf die Gebiete, in denen ihr wichtigstes Know-how liegt, und auf die wichtigsten Förderregionen. Die Firmen Chevron, ConocoPhillips und Hess Corp ziehen sich gegenwärtig aus der teuren Tiefseeförderung zurück. Sie konzentrieren sich stattdessen auf Fracking-Projekte in den Schieferölfeldern.

Die britische BP setzt auf neue Offshore-Gasvorkommen in Ägypten, während die Royal Dutch Shell die Situation für die äußerst kostspielige Übernahme der BG Group nutzt. Für dieses wichtige Gasunternehmen gibt die Shell gut 50 Milliarden Dollar aus.

In den Zeiten der steigenden Ölpreise von 2011 bis 2014 hatten die großen Unternehmen ihre Produktionskapazitäten ausgebaut. Dazu gehörten zahlreiche große und kostspielige Felder, auf denen manchmal Tausende von Metern unter der Wasseroberfläche oder auf riesigen Flächen gefördert wurde.

Proteste gegen Fracking in Balcombe, Südengland im August 2013

Im vergangenen Jahr korrigierten die Unternehmen jedoch ihre Gesamtkosten bei Investitionen und warfen Pläne für Großprojekte über Bord, die Milliarden gekostet hätten, um im nächsten Jahrzehnt Gewinne einzubringen. „Die Unternehmen wollen ein Gleichgewicht zwischen lang- und kurzfristigen Investitionen finden, um zunächst eine solide Bilanz vorzulegen, die es ihnen erlaubt, die Abschwungphase zu finanzieren“, meint etwa der Analyst von BMO Capital, Brendan Warn.

Fracking geht weiter

Chevron, nach Marktwert die zweitgrößte US-Ölfirma nach Exxon-Mobil, verkündete letzte Woche, man werde sich gezielt auf die Schiefer-Ölfelder im Permian-Becken konzentrieren. Hingegen wird das Unternehmen seine Ausgaben für Tiefsee-Projekte im Jahr 2016 um 24 Prozent zurückfahren.

Obwohl bei den Fracking-Projekten ähnlich hohe Kosten benötigt werden wie bei Tiefsee-Projekten, ist der Entwicklungszyklus kürzer und die Risiken entsprechend niedriger.

Fracking-Gebiete in den USA - Quelle: rebellion.org

Auch kleinere Firmen wie ConocoPhillips und Hess verschieben ihre Investitionen weg von Tiefsee-Projekten, hin zu Schiefer-Förderung mithilfe von Fracking, etwa in der Bakken-Shale-Region in Nord-Dakota.

Eine andere Anlagestrategie verfolgt beispielsweise BP. Das Unternehmen nutzt die Zeit um riesige Aufkäufe zu machen. So baut das Unternehmen gerade die längste Pipeline für Flüssiggas (LNG) auf den Gorgon- und Wheatstone-Feldern in Australien. BP war eines der wenigen Unternehmen, die im vergangenen Jahr große Projekte begannen, etwa mit der Entscheidung, über 12 Milliarden Dollar in das West-Nil-Delta Gas-Projekt in Ägypten zu investieren.

Auch die Shell entschied sich bereits in einem frühen Stadium des Abschwungs für einen riesigen Zukauf. Shell übernahm Großbritanniens wichtigsten Gasförderer BG. Damit will das Unternehmen zum führenden Unternehmen im Bereich Flüssiggas (LNG) werden.