Ratingagentur bescheinigt Iran gute Ausgangsposition für Wirtschaftswachstum und Strukturreformen

Baukräne errichten Hochhäuser für neues Geschäftsviertel in Nord-Teheran
Baukräne errichten Hochhäuser für neues Geschäftsviertel in Nord-Teheran
Die international tätige Rating-Agentur Moody’s prognostiziert für die iranische Wirtschaft in den kommenden Jahren ein ausgeprägtes Wirtschaftswachstum. Die Hochrechnung steht ganz im Zeichen des erfolgreich abgeschlossenen Atomdeals und der Aufhebung internationaler Wirtschaftssanktionen. Zudem verweist Moody's darauf, dass sich der Iran früher als andere Öl-Exporteure an die neue Realitäten der niedrigen Öleinnahmen anpassen und Strukturreformen einleiten konnte.

In einer Wirtschaftsmeldung vom Montag stellte die in den USA ansässige Rating-Agentur der Islamischen Republik zwischen 2016 und 2017 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von mindestens fünf Prozent in Aussicht. Das ist nach Jahren der Isolation ein massiver Wachstumssprung für das ölreiche Land am Persischen Golf.

Laut dem Finanznachrichtenportal Bloomberg, das Moody’s Investorenservice zitierte, bildet die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen einen signifikanten Faktor für die Erholung der iranischen Wirtschaft. Zudem würden die Jahre der wirtschaftlichen Restriktionen Teheran heute zentrale Vorteile gegenüber der Konkurrenz in Aussicht stellen. Iran ist demnach an niedrige Gewinne im Ölsektor gewöhnt, anders als die arabische Konkurrenz am Golf. Das Land sei unter den aktuellen Umständen fähig zu operieren, während Experten seit Monaten wegen des freien Falls des internationalen Ölpreises auf globaler Ebene von einer existenziellen Rohstoffkrise sprechen. Während Iran auf blühende Wachstumszahlen hoffen darf, mussten zahlreiche Ölförderstaaten inzwischen zahlreiche Sozial- und Wirtschaftsprogramme wegen finanzieller Engpässe im Haushaltsbudget kürzen.

Nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen hat Iran nach Jahrzehnten wieder den Zugriff auf seinerzeit vom Westen eingefrorene Devisen erhalten. Diese belaufen sich laut Moody’s auf nicht weniger als 150 Milliarden US-Dollar, die ihren Weg zurück nach Teheran finden werden und vermutlich als Subventionsmittel für die Ankurbelung der Binnenwirtschaft und der lange brachliegenden Infrastruktur dienen könnten.

Besonders interessant für westliche Unternehmen und Finanzakteure ist jedoch, dass Iran wieder an das internationale Zahlungssystem angeschlossen wird. Dies garantiert, dass anstehende Handels- und Finanzkosten gesenkt werden.

„Internationale Sanktionen haben dazu geführt, dass sich der Iran früher als andere Öl-Exporteure an die neue Realität der niedrigen Öleinnahmen anpassen und Strukturreformen einleiten konnte“, schrieb Atsi Sheth, Associate Managing Director bei Moody’s. In seiner Erklärung ergänzte er:

„Die meisten anderen ölabhängigen Staaten beginnen gerade erst, strukturelle Fiskalreformen in Erwägung zu ziehen.“