Ölpreis: Spekulationen über bevorstehende Absprache zwischen Moskau und Riad

Ölpreis: Spekulationen über bevorstehende Absprache zwischen Moskau und Riad
Die russische Währung hat in einer Woche mehr als zehn Prozent an Wert gewonnen, nachdem Spekulationen laut geworden waren, wonach zwei der weltweit größten Ölproduzenten – Russland und Saudi Arabien – ihre Fördermengen drosseln wollten. Offiziell werden die Gerüchte von beiden Staaten dementiert.

Am vergangenen Freitag kursierte die russische Geldwährung gegenüber dem US-Dollar bei 75 Rubel und gegenüber dem Euro bei 82 Rubel. Vor zwei Wochen erreichte die Währung sein Rekordtief von 85 Rubel gegenüber dem US-Dollar und 93 Rubel gegenüber dem Euro.

Niemand dreht den Ölhahn zu. Eine Pipeline in Saskatchewan,  August 2015.

Grund für die Stabilisierung des Rubelkurses ist die Erholung der internationalen Ölpreise, nachdem sie vor zwei Wochen auf ein Zwölf-Jahres-Tief von 26 US-Dollar pro Barrel gefallen waren. Am vergangenen Freitag kursierte die Ölsorte Brent wieder bei rund 34 US-Dollar, auch das Fass der US-amerikanischen Sorte WTI zog auf über 33 US-Dollar an.

Nicht zuletzt stiegen die Rohölpreise unter dem Eindruck eines mutmaßlich anstehenden Treffens zwischen Russland und dem von Saudi Arabien angeführten Ölkartell OPEC. Ganz oben auf der Agenda des Treffens sollen die niedrigen Ölpreise, die zahlreiche Ölförderstaaten vor enormen finanzielle Probleme stellt, und die Drosselung von Ölfördermengen stehen, räumte der russische Energieminister Alexander Nowak zuvor ein.

Im Ergebnis könnten sich Russland und Saudi Arabien darauf einigen, ihre Produktion künftig um fünf Prozent zurückzufahren, vermuten Rohstoff-Analysten. Das Finanznachrichtenportal Bloomberg berichtete jedoch, dass OPEC-Delegierte erklärt hätten, die Organisation habe kein Treffen mit Vertretern der Russischen Föderation geplant. Ein Delegierter soll mitgeteilt haben, dass Riad auch nicht darüber nachdenken würde, seine Fördermenge zu drosseln.

„Es ist möglich, dass Russland erst einmal nur austestet, wie OPEC-Mitglieder auf die Idee, die Fördermenge zu senken, reagieren“, sagte Jason Bordoff gegenüber Bloomberg, Direktor des Zentrums für Globale Energiepolitik der Columbia-Universität und ehemaliger Berater zu Energiefragen im Weißen Haus.

Russlands größtes Ölunternehmen spielte die Aussichten über eine koordinierte Drosselung der internationalen Ölfördermenge mit der OPEC ebenfalls herunter. Ein Rosneft-Pressesprecher beschrieb diese Spekulationen im Angesicht des harten Kampfes um Absatzpreise im Ölsektor als „idiotisch“.

Gegenüber den Financial Times sagte Pressesprecher Michail Leontiew, dass „sich bisher nichts geändert“ habe an der prekären Lage des Ölmarktes. Er kritisierte:

„Konsultationen mit der OPEC gibt es immer. Jeder kennt die Position des anderen, sie haben jedenfalls ihre Position nicht geändert.“

Saudi-Arabien instrumentalisiert laut Politik-Analysten seine zentrale Stellung als größter Ölförderer der Welt, um unter anderem politisches Gewicht gegenüber Widersachern zu entfalten. Dazu zählt neben Iran auch Russland. Riad liefert sich mit der Islamischen Republik im Jemen und in Syrien einen Stellvertreterkrieg. Auch Russland unterstützt die al-Assad-Regierung in Damaskus. Zudem versuchen die Saudis Irans noch unterentwickelte, aber mittlerweile des Atomdeals wegen von Sanktionen befreite Ölwirtschaft mit billigen Ölpreisen und Rabatten aus dem lukrativen europäischen Märkten herauszuhalten.

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