Russlands Regierung bereitet Stress-Test für die Wirtschaft vor

Passanten vor Tafeln mit aktuellen Wechselkursen für den Euro und den US-Dollar in Moscau am 14. Januar 2016.
Passanten vor Tafeln mit aktuellen Wechselkursen für den Euro und den US-Dollar in Moscau am 14. Januar 2016.
Die Russische Föderation unterzieht ihre Wirtschaft einer Generalinventur, um die Auswirkungen der fallenden Preise für Rohstoffe abzuschätzen. Bis April soll ein neuer Haushaltsplan erstellt werden.

Die Regierung in Russland möchte die Auswirkung des fallenden Ölpreises auf die heimische Wirtschaft analysieren. Am Dienstag hat der Erste Stellvertreter des Ministerpräsidenten, Igor Schuwalow, der Regierung den Auftrag erteilt, Szenarien durchzuspielen, um die Konsequenzen von Ölpreisen in der Höhe von 25 US-Dollar, 35 US-Dollar und 45 US-Dollar abzuschätzen. Die russische Zeitung Wedomosti zitierte Natalya Timakova, die Sprecherin von Ministerpräsident Dimitri Medwedew mit den Worten: „Geplant sind verschiedene Stress-Szenarien, welche von Experten und Regierungsmitgliedern beurteilt werden.“

Am Dienstag wurde Ural-Öl mit 27,4 US-Dollar gehandelt, was das niedrigste Preisniveau seit Februar 2004 darstellt. Bei der Berechnung des Haushaltes für das Jahr 2016 wurde hingegen ein durchschnittlicher Ölpreis von 50 US-Dollar zugrunde gelegt. Aber nicht nur die Ölpreise sinken. Laut dem Bloomberg Commodity Index, sanken am Dienstag auch die Preise für Rohstoffe auf das Niveau von 1991. „Die Preise für Öl und Metalle sind nicht einfach nur um zwei Drittel ihres bisherigen Höchstpreises gesunken. Die Faktoren Nachfrage und Angebot sprechen dafür, dass sie vermutlich über eine lange Periode so niedrig bleiben“, prognostiziert Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des IWF.

Ölraffinerie an der Drushba-Trasse, die Erdöl aus Russland nach Europa transportiert in der Nähe von Mozyr / Minsk, im September 2013.

Schon jetzt verzeichnet das Budget für 2016 in den ersten beiden Monate des Jahres aufgrund der sinkenden Energiepreise ein Minus von 300 Milliarden Rubel. Ein aktualisierter Haushalt, beruhend auf aktuellen makroökonomischen Prognosen, soll nach Angaben des Ministers für Wirtschaftliche Entwicklung, Alexei Uljukajew, noch bis Ende des ersten Quartals vorgelegt werden.

Die Zentralbank der Russischen Föderation geht momentan von 35 US-Dollar für ein Barrel Öl aus, bei gleichzeitigem Absinken des BIP um 2-3 Prozent und einer Inflation von 7 Prozent. Sberbank, die größte Finanzinstitution Russlands, rechnet inzwischen mit einem Ölpreis in Höhe von 25 Dollar. „Wir gingen von 30 Dollar aus. Aber nun sind 30 Dollar nicht mehr aktuell. In unserem Businessplan war es das pessimistischste Szenarium, aber nun ist es Realität“, sagte der Präsident der Sberbank Herman Gref.

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