Aufruf zum Ölboykott gegen Saudi-Arabien

Aufruf zum Ölboykott gegen Saudi-Arabien
Der Präsident der Energy Watch Group (EWG), Hans-Josef Fell, hat zu einem Boykott gegen Erdöl aus Saudi-Arabien aufgerufen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Partei Die Grünen fordert, die Bundesregierung solle nicht nur die Waffenverkäufe an die Golfmonarchie stoppen, sondern auch ein Importverbot für saudisches Erdöl erlassen.

Nur so könne ein Zeichen gesetzt werden, um die Finanzquellen "des Unrechtsregimes" einzudämmen, wie es in dem gestern auf Telepolis veröffentlichten Papier heißt. Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Hermann Scheer verfasste Hans-Josef Fell das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Mit Blick auf die aktuelle Situation im Mittleren Osten verweist Hans-Josef Fell auf die brutalen Massenhinrichtungen durch das saudische Königshaus. Dessen Politik "gießt Öl ins Feuer der Kriegsregionen des Nahen Ostens". Der Energiepolitiker wirft den Scheichs vor, den "Weltfrieden in höchstem Maße" zu gefährden. Es könne nicht mehr hingenommen werden, dass das saudische Königsregime mit Erdölgeld zig Tausenden Ölprinzen die Machtbasis finanziert. Zudem verweist er auf die Unterdrückung von Frauen, Schiiten und Andersgläubigen im Land selbst.

Übersicht über den Propaganda-Apparat des saudischen Königreiches in den USA, erstellt von The Intercept im Dezember 2015.

"Der obszöne Reichtum der Erdöleliten und des Königshauses ist die finanzielle Macht für diese menschenverachtende und den Weltfrieden destabilisierende Politik."

Hans-Josef Fell sieht hier auch die westlichen Gesellschaften in der Verantwortung: "Finanziert wird dieser Machtapparat durch unseren westlichen Erdölkonsum." Die Ölscheichs haben "den IS groß" gemacht, wirft er den Herrschern auf der Golfhalbinsel vor. Das Geld dafür stamme jedoch aus dem Betrieb "unserer Erdölautos und unsere Erdölheizungen".

In diesem Zusammenhang verweist Fell, der sich jahrzehntelang für erneuerbare Energien einsetzte, darauf, dass die großen Heizungshersteller in Deutschland die Politik stärker zur Erdöl- und Gasbrennwerttechnik gedrängt haben. Die großen Automobilhersteller hätten lieber kriminelle Softwaremanipulationen vorgenommen, als kostengünstige emissionsfreie und erdölfreie Autos auf den Markt zu bringen.

"Die ganze Bevölkerung schaut immer ängstlicher in den Nahen Osten und befürchtet zu Recht, dass Krieg und Terror immer schlimmer auch nach Europa kommen. Wann endlich begreifen wir alle, dass wir mit unserem Erdölkonsum genau diese Terror- und Kriegsentwicklung sogar noch selbst fördern."

In der aktuellen Situation sei ein Boykott der saudischen Erdölimporte möglich, da die Erdölpreise niedrig sind, argumentiert Fell. Ob ein solcher Boykott allerdings einen Effekt auf die saudische Exporte hätte, bleibt dahingestellt. Nach Angaben der amerikanischen Energiebehörde EIA importierten europaische Staaten nur zehn Prozent des in Saudi-Arabien geförderten Rohöls. Den überweigenden Teil seiner Produktion verschifft die Golf-Monarchie nach Asien. Nordamerika nimmt immerhin 20 Prozent des saudischen Öls ab.

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