Monsantos Kampf gegen die WHO: "Objektive" Konzernstudie soll Unbedenklichkeit von Glyphosat belegen

Selbst von Hobbygärtnern wird Monsantos Roundup eingesetzt
Selbst von Hobbygärtnern wird Monsantos Roundup eingesetzt
Um seine weltweiten Konsumenten zu beruhigen hat der Chemiegigant Monsanto ein Team zusammengestellt, das die Einstufung seitens der Weltgesundheitsorganisation WHO von Monsantos Verkaufsschlager Roundup, welches die Chemikalie Glyphosat enthält, als für Menschen "vermutlich krebserregend" in Frage stellen soll. Auffällig: Ein Großteil der eingekauften Forscher war vorher als Monsanto-Berater tätig.

Im März dieses Jahres veröffentlichte die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO eine Studie, die zu dem Schluss kommt, dass das Monsanto-Herbizid Roundup, das weltweit im großen Stil in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt wird, bei Menschen zu Krebs führen könnte. Besondere Sorge bereitet den Krebsforschern dabei die chemische Verbindung Glyphosat, einem der Hauptbestandteile von Roundup.

Monsanto antworte auf die Vorwürfe mit dem Aufbau eines 16-köpfigen Expertenteams, bereitgestellt von dem Beratungsunternehmen Intertek Scientific & Regulatory Consultancy Services, welches das erklärte Ziel hat, die WHO-Erkenntnisse ihrer Glaubwürdigkeit zu berauben und nun erste Ergebnisse vorlegt.

Am Montag verkündete das eingekaufte Team von Wissenschaftlern, die Beurteilung der WHO sei falsch und betont, es gäbe keine evidenten Belege dafür, das Glyphosat krebserregend sei. Im Report der Gruppe heißt es:

"Keines der Ergebnisse auf Grundlage großer Datenerhebungen belegt einen potentiellen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs bei Menschen, selbst bei unterschiedlichen Untersuchungsmethoden."

Trotz der eindeutigen Festlegung betont Monsanto, das Forscherteam würde vollkommen unabhängig und transparent arbeiten. Man unterziehe die Forschungsergebnisse der WHO lediglich einer Peer-Review.

Etwaige Interessenkonflikte könnten jedoch dadurch bestehen, dass zehn der sechzehn Wissenschaftler zuvor gut bezahlte Berater-Posten bei Monsanto innehatten, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Zwei weitere waren sogar direkte Monsanto-Angestellte.

Das Team der Konzern-Experten begann seine Forschungsarbeit zum Thema bereits im Juli. Der WHO-Studie werfen sie eine selektive Fallauswahl und die Missachtung anderer möglicher Faktoren beim Entstehen von Krebs vor. Berufen wird sich auch auf einen kanadischen Bericht sowie eine Studie der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die beide behaupten, Glyphosat sei für Menschen völlig unbedenklich.

Quelle: Dominik Bartsch/CC BY 2.0

Die Chemikalie wurde in den 1970er Jahren entwickelt und wird seit Mitte der 1990er in steigendem Maße in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor allem die Entwicklung genetisch veränderten Saatgutes - ebenfalls aus dem Hause Monsanto - , welches den heftigen Nebenwirkungen der Chemikalie standhält, befeuerte den Boom von Gylphosat, welches unter dem Markennamen Roundup vertrieben wird. Monsantos Wettbewerber Dow Chemical und Syngenta vermarkten das Herbizid zudem unter den Namen "Accord" und "Touchdown".

Der wissenschaftliche Streit darüber, ob Glyphosat möglicherweise ernsthafte Gesundheitsrisiken für Menschen mit sich bring, hat offenbar auch negative geschäftliche Auswirkungen für Monsanto. Zuletzt sank der Quartalsgewinn des agrochemischen Geschäftsbereichs, in dem auch Roundup produziert wird, um 12 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar.

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