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Amazon suchte per Stellenanzeigen Geheimdienst-Analysten

Amazon suchte per Stellenanzeigen Geheimdienst-Analysten
Na, wo laufen beziehungsweise wo organisieren sie sich denn? (Symbolbild)
Der Online-Händler Amazon bekämpft die gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten, wo er kann – doch dass das Unternehmen dafür extra Geheimdienst-Analysten per Stellenanzeigen suchte, ist sogar für Amazon-Verhältnisse extrem.

Der Online-Händler Amazon suchte in den USA per Stellenanzeigen "Geheimdienst-Analysten" – ihre Kompetenz sollte laut der Ausschreibung unter anderem darin bestehen, "Bedrohungen" durch die organisierte Arbeitnehmerschaft aufzuspüren. Mit anderen Worten: "Union Busting", wie der Kampf gegen gewerkschaftliche Organisation in den USA plakativ genannt wird.

(Symbolbild). Neben normalen Videokameras kommen bei Amazon auch Wärmebildkameras zum Einsatz.

In den beiden Stellenausschreibungen hieß es, das Unternehmen suche neue Geheimdienstanalytiker für sein Global Intelligence Program, die beide im Raum Phoenix, Arizona, angesiedelt werden sollten. Einer der Mitarbeiter sollte damit beauftragt werden, "heikle Themen zu verfolgen, die streng vertraulich sind, einschließlich arbeitsorganisatorischer Bedrohungen gegen das Unternehmen" sowie "Finanzierung und Aktivitäten im Zusammenhang mit (internen und externen) Kampagnen des Unternehmens gegen Amazon" und andere "dynamische Situationen" wie Proteste und geopolitische Krisen.

"Einzelne Analysten werden direkt mit dem leitenden Unternehmensjuristen zusammenarbeiten, um Einschätzungen für Gerichtsakten zusammenzustellen und bereitzustellen bis hin zu einstweiligen Verfügungen gegen Aktivistengruppen; Geheimdienstbewertungen werden von der Rechtsabteilung verwendet, um [einem] Gericht nachzuweisen, dass Aktivistengruppen die Absicht haben, ihre illegalen Aktivitäten gegenüber Amazon fortzusetzen", hieß es in den Anzeigen weiter.

Die zweite Auflistung, die keine Erwähnung des Aufspürens von "Bedrohungen" enthält, bezieht sich ebenfalls auf Gewerkschaftsorganisatoren und besagt, dass Analysten sich gut mit Themen wie "organisierte Arbeiterschaft, Aktivistengruppen, feindliche politische Führer" sowie "Hass-Gruppen, politische Initiativen, geopolitische Fragen, Terrorismus [und] Strafverfolgung" auskennen sollten.

Die Stellenangebote, die offenbar zuerst vom Cyber-Sicherheitsanalysten Joe Slowik entdeckt wurden, waren seit Januar online, doch Amazon löschte sie diese Woche, nachdem es Kritik gehagelt hatte. "Die Stellenausschreibung war keine genaue Beschreibung der Rolle – sie war ein Fehler und wurde inzwischen korrigiert", sagte Unternehmenssprecherin Maria Boschetti in einer Erklärung, die per E-Mail an die Medien verschickt wurde.

Ein Angestellter geht durch ein Drehkreuztor in einem Amazon-Zentrum am Stadtrand von Bengaluru, Indien.

Angesichts der Tatsache, dass Amazons "Korrektur" der angeblich fehlerhaften Seiten etwa acht Monate brauchte und erst nach zunehmender Kritik erfolgte, kam auch die Rücknahme der Stellenanzeigen bei den Kritikern nicht besonders gut an. Unter anderem der Senator von Vermont, Bernie Sanders, verurteilte auf Twitter das Vorgehen des Unternehmens deutlich. Er schrieb: "Ekelhaft. Jeff Bezos wurde zum reichsten Mann der Welt, während er seine Arbeiter ausspionierte, unterbezahlte und misshandelte. Wir müssen eine mächtige Gewerkschaftsbewegung aufbauen, um der Milliardärsklasse die Stirn zu bieten und endlich sagen zu können: Schluss damit! Man kann nicht alles haben."

Es ist bekannt, dass Amazon im Kampf gegen eine gewerkschaftliche Organisation seiner Mitarbeiter auch vor drastischen Überwachungsmaßnahmen, so unter anderem mit Wärmebildkameras, nicht zurückschreckt. Zudem geriet das Unternehmen in den letzten Monaten zusätzlich unter Beschuss, als sich die Beschäftigten über unsichere Arbeitsbedingungen inmitten der Coronavirus-Pandemie beschwerten. Einige Mitarbeiter behaupteten, entlassen worden zu sein, weil sie die mangelnde Schutzausrüstung kritisiert hätten.

Auch die Rücknahme einer Gehaltserhöhung von zwei US-Dollar, die während der Corona-Krise eingeführt worden war, sorgte für Negativschlagzeilen.

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