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Wirtschaftsethiker zu Epstein als Kunde der Deutschen Bank: "Eine komplexe Frage" (Video)

Wirtschaftsethiker zu Epstein als Kunde der Deutschen Bank: "Eine komplexe Frage" (Video)
Die Schatten unethischer Geschäftsbeziehungen speziell mit Jeffrey Epstein liegen über der Deutschen Bank. (Archivbild)
Ob die Deutsche Bank Epstein nicht als Kunden hätte annehmen dürfen, sei "eine komplexe Frage", meint der Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Christoph Lütge im Interview mit RT hinsichtlich der jüngst verhängten Millionenstrafe gegen das Geldhaus.
Wegen Geschäften mit Jeffrey Epstein: Deutsche Bank muss Millionenstrafe zahlen

Am 7. Juli hat die New Yorker Finanzaufsicht die Deutsche Bank zu einer Strafe von rund 133 Millionen Euro verurteilt, da das Finanzinstitut Jeffrey Epstein zu seinen Kunden zählte. Der US-Geschäftsmann wurde wegen Sexualverbrechen verhaftet und ist unter rätselhaften Umständen in seiner Zelle gestorben.

Der Deutschen Bank wurden erhebliche Regelverstöße im Zusammenhang mit ihren Geschäftsbeziehungen zu Epstein vorgeworfen. Auch ihre Verbindungen zur Danske Bank und zur FBME Bank, die im Zentrum von Geldwäscheskandalen stehen, wurden bestraft.

Die Deutsche Bank gestand ein, dass es "ein Fehler war, Jeffrey Epstein 2013 als Kunden anzunehmen" und "bedauerte" ihre Verbindung zu Epstein "zutiefst".

Damals war der US-Amerikaner schon einmal verurteilt worden – 2008 erhielt er eine 18-monatige Haftstrafe, weil er eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen hatte. Diese Haftstrafe war bereits abgesessen. Zwar gab es Gerüchte, dass Epstein selbst Kinder missbraucht habe, aber zu einer Anklage diesbezüglich kam es nicht gegen ihn.

Ob die Deutsche Bank sich dadurch schuldig gemacht habe, indem sie Epstein als Kunden annahm, sei laut Prof. Dr. Christoph Lütge "eine komplexe Frage". Lütge sagt, dass man "nicht nur aufgrund der Tatsache, dass jemand eine Vergangenheit hat, mit gewissen Verurteilungen, (…) ihn deswegen nicht als Kunden annehmen kann – denn dann könnte man ganz viele Menschen nicht als Kunden annehmen."

Andererseits ist der Inhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsethik der Meinung, dass eine Bank auch verpflichtet sei, "sich bestimmte Hintergrundinformationen über einen Kunden anzusehen, gerade wenn es sich offensichtlich um einen großen Kunden handelt und dabei auch den Hintergrund von Zahlungen zu beleuchten."

Der New Yorker Finanzaufsicht zufolge hätte das deutsche Geldinstitut "verdächtige Transaktionen" in "Millionenhöhe" nicht festgestellt, unter anderem Zahlungen an "verschiedene Frauen mit osteuropäischen Vornamen".

Prof. Dr. Christoph Lütge sagt dazu: "Es muss natürlich mehr Hinweise geben als nur einen Namen oder eine bestimmte kulturelle oder regionale Herkunft von Namen", und fügt hinzu, "Wenn das tatsächlich der Vorwurf ist, auf den sich bestimmte Behörden in den USA wesentlich stützen – also ich glaube, das kann nicht ausreichen. (…) Wir wollen ja gerade nicht, dass so ein Racial Profiling betrieben wird. Das wäre auch eine gewisse Doppelmoral, wenn man das fordern würde an dieser Stelle."

"Dass es hier einen Reputationsverlust für die Deutsche Bank gibt, das glaube ich, kann man nicht bestreiten", so der Unternehmensethiker. Eine Lösung, um in Zukunft solche Vorfälle zu vermeiden, kann die Künstliche Intelligenz sein: "Künstliche Intelligenz kann sehr hilfreich sein, um so etwas flächendeckend zu untersuchen", so Lütge. Sie könne Hinweise geben, um festzustellen: "Wo müssen wir genauer hinsehen bei unseren Zahlungen? Wo ist ein Verdacht? Und dann gehen wir diesem Verdacht nach und könne dann etwas überprüfen." Aber dabei sei darauf zu achten und zu prüfen, "dass man nicht systematisch diskriminiert", beispielsweise "Bevölkerungsteile" oder "aufgrund von Nachnamen", warnt der Ökonom und Philosoph.

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