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Frühjahrsprognose aus Brüssel: EU vor Rezession historischen Ausmaßes

Frühjahrsprognose aus Brüssel: EU vor Rezession historischen Ausmaßes
Vor dem Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel, wehen Flaggen der Europäischen Union.
Die Corona-Pandemie hat die EU-Wirtschaft zur Vollbremsung gezwungen. Der Schock sei so groß wie nie zuvor seit der großen Depression in den 1930er Jahren, so die EU-Kommission. Die Schuldenstände der Staaten dürfte in diesem Jahr deutlich steigen.

Die Wirtschaft der Eurozone könnte laut der EU-Frühjahrsprognose wegen der Corona-Krise dieses Jahr um 7,75 Prozent schrumpfen und sich auch im nächsten Jahr nicht vollständig erholen. Die EU-Kommission sprach am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage ihrer Prognose von einer Rezession historischen Ausmaßes. Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni sagte:

Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat.

Menschen in Barcelona warten vor der Pfarrkirche Santa Anna in Barcelona auf kostenlose Essenspakete,

Im Einzelnen erwartet die Kommission nach dem diesjährigen drastischen Einbruch in den 19 Ländern der Eurozone für 2021 wieder ein neues Wachstum um 6,25 Prozent. Für die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union insgesamt sagt die Prognose für 2020 ein Minus von 7,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt voraus und für 2021 ein Wachstum um etwa 6 Prozent.

Minus bei Wirtschaftsleistung unterschiedlich – für Griechenland höchster Einbruch erwartet

Der Schock der Pandemie treffe zwar alle EU-Staaten, aber das Minus bei der Wirtschaftsleistung sei unterschiedlich – von 4,25 Prozent in Polen bis zu 9,75 Prozent in Griechenland. Die Erholung 2021 werde ebenfalls verschieden ausfallen und die Verluste unter dem Strich nicht wettmachen, erklärte Gentiloni.

Wichtige Faktoren seien das jeweilige Tempo bei der Aufhebung der Corona-Auflagen, die Abhängigkeiten der Volkswirtschaften vom Tourismus und die finanziellen Spielräume im jeweiligen Haushalt. Diese Ungleichheit bedrohe die Einheit des Binnenmarkts und der Eurozone. "Wir müssen diese Herausforderung bewältigen", meinte Gentiloni.

Die Arbeitslosenrate in der Eurozone werde der Prognose zufolge von 7,5 Prozent 2019 auf 9,5 Prozent in diesem Jahr steigen. Für nächstes Jahr werde wieder ein Rückgang auf 8,5 Prozent erwartet. Für die gesamte EU wird ein Anstieg von den 6,7 Prozent des vergangenen Jahres auf 9 Prozent in diesem vorhergesagt. 2021 soll die Rate bei 8 Prozent liegen. Vor allem junge Leute dürften es nun viel schwerer haben, einen ersten Job zu finden, erklärt die Kommission.

Gabenzaun mit Spenden für Bedürftige und Obdachlose an einer geschlossenen Kneipe in Berlin-Prenzlauer Berg während der Corona-Krise, 3. Mai 20220

Schuldenstände der Staaten dürften deutlich steigen

Die Inflation wird dieser Prognose zufolge stark zurückgehen. Die Teuerungsrate in der Eurozone, die mit dem sogenannten Harmonisierten Index der Verbraucherpreise gemessen wird, werde für 2020 auf 0,2 Prozent geschätzt und für 2021 dann mit 1,1 Prozent erwartet. Für die EU insgesamt sind die entsprechenden Werte auf 0,6 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr geschätzt.

Weil die Mitgliedsstaaten zur Krisenbewältigung Milliarden ausgeben, werden die Defizite nach Erwartung der EU-Kommission stark steigen. Der aggregierte Wert für das Staatsdefizit aller Mitgliedsstaaten, der 2019 nur noch bei 0,6 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes lag, werde demnach 2020 auf 8,5 Prozent in die Höhe schnellen. Für 2021 wird dann ein Wert von 3,5 Prozent erwartet.

Der Schuldenstand der Staaten der Eurozone insgesamt wird damit laut Prognose von 86 Prozent 2019 auf 102,75 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts steigen. Erlaubt sind in der EU eigentlich nur 60 Prozent des BIP, doch wurden die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts quasi außer Kraft gesetzt.

Die EU-Kommission weist darauf hin, dass die Prognose mit außergewöhnlich großen Unsicherheiten behaftet ist. Grundlage sei die Erwartung, dass die Corona-Beschränkungen ab Mai schrittweise gelockert werden können. Wenn die Pandemie noch schwerwiegender ist und daher noch länger andauert, könne dies zu einem noch größeren Einbruch der Wirtschaftsleistung führen, heißt es weiter.

Mehr zum Thema - Binnenmarkt vor Zusammenbruch: Die EU braucht nach Pandemie 1,5 Billionen Euro für Wiederaufbau

(dpa/rt)

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