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Häusliche Gewalt in Russland: Bis dass der Tod uns scheidet?

Häusliche Gewalt in Russland:  Bis dass der Tod uns scheidet?
Symbolbild
"Er schlägt dich, also liebt er dich" lautet ein russischer Spruch. Immer wieder berichten russische Medien über Gewaltopfer, deren Hilferufe gar nicht oder erst zu spät gehört werden. Wollen die Frauen einen Hausdespoten anzeigen, drückt die Polizei oft ein Auge zu.

Häusliche Gewalt und die entsprechenden rechtlichen Konsequenzen sind in der russischen Gesellschaft spätestens seit dem Jahr 2017, als die Strafen hierfür gelockert wurden, ein heiß diskutiertes Thema. Damals hatte der russische Präsident Wladimir Putin ein Gesetz unterzeichnet, wonach die Strafen für häusliche Gewalt gemildert werden, wenn es sich um das erste Vergehen handelt und keine schweren Verletzungen entstehen. Wurde ein solches Delikt zuvor als Körperverletzung eingestuft, ist dies nun lediglich ein Fehlverhalten.

In Russland ist es schwierig, die genauen Opferzahlen zu erfassen. Es gibt landesweit keine einheitliche Statistik, aber manches deutet darauf hin, dass häusliche Gewalt in Russland, einem Land mit 145 Millionen Einwohnern, weit verbreitet ist.

Wie unterschiedliche Umfragen zeigen, ist eine von fünf Frauen zumindest einmal im Leben körperlichen Misshandlungen durch ihren Partner beziehungsweise Ehemann ausgesetzt. Der Versuch, alle Fälle statistisch zu dokumentieren, wird auch dadurch erschwert, dass viele Frauen die Fälle erst gar nicht melden. Dies ist einerseits auf die Stigmatisierung häuslicher Gewalt in der Gesellschaft zurückzuführen, andererseits auch auf die Unwissenheit über das Thema bei den Opfern selbst. Mangelndes Vertrauen in die Polizei, Angst vor der Rache des Gewalttäters oder finanzielle Abhängigkeit vom Täter spielen ebenfalls eine Rolle. Die Dunkelziffer dürfte also noch höher liegen.

Wie eine Umfrage des Lewada-Zentrums aus dem Jahr 2019 zeigt, kennt jeder vierte Befragte (24 Prozent) häusliche Gewalt aus seinem Umfeld. Jeder Vierzehnte (7 Prozent) sah, wie ein Elternteil von ihm geschlagen wurde. Jeder Zwanzigste (5 Prozent) gab an, dass er entweder häusliche Gewalt anwendet oder Opfer häuslicher Gewalt ist. Mehr als ein Drittel der befragten Frauen im Alter von 31 bis 54 Jahren gab an, dass solche Fälle unter anderem in ihren eigenen Familien stattfinden. Im Gegensatz dazu sprachen Frauen im Pensionsalter nur selten über häusliche Gewalt (20 Prozent). Die Studienautoren schließen nicht aus, dass solche öffentlichen Geständnisse bei der älteren Generation stärker tabuisiert sind.

Eine der Schwestern, Krestina Chatschaturjan, am 27. September 2018

Der jüngste Fall der Chatschaturjan-Schwestern, die ihren eigenen Vater wahrscheinlich aus Notwehr erstachen, führte in der Gesellschaft zu einem Umdenken. Während einige Stimmen die jungen Frauen beschuldigten, ihren eigenen Vater getötet zu haben, fragte sich der Rest der Gesellschaft, warum der Tyrann trotz mehrerer Vergehen die Mädchen erziehen durfte.

Bei der Vernehmung gestanden die Schwestern die Tat und berichteten von systematischem Missbrauch durch den Vater. Ein Urteil für die im Sommer 2018 begangene Tat steht noch immer aus. Die jungen Frauen wurden gleich nach dem Mord festgenommen. Zwei Monate später wurden sie aus der U-Haft entlassen und befinden sich noch immer unter Hausarrest. Sie dürfen das Haus nicht verlassen und kein Internet benutzen.

Eine Expertengruppe erarbeitete voriges Jahr einen umfassenden Gesetzentwurf, der Opfern durch sogenannte Schutzorder helfen soll. Demnach könnte der Täter dazu verpflichtet werden, auf bestimmte Zeit physischen Abstand zu seinem Opfer zu halten. Außerdem definiert der Gesetzentwurf körperliche, wirtschaftliche, psychische und sexuelle Gewalt.

Der Föderationsrat veröffentlichte daraufhin einen eigenen Gesetzesentwurf in Form einer gekürzten Fassung. Dieser stellt weder die Befürworter noch die Gegner der Gesetzesvorlage zufrieden. Kritik kam vor allem aus den Reihen der Kirche. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche kritisierte den Gesetzentwurf als "westlich inspiriert". Ihm zufolge habe jedes Eindringen von außen in die familiären Beziehungen sehr große negative Folgen.

Die Debatte scheint also erneut auf Eis gelegt zu sein. Dabei halten laut einer im Jahr 2019 durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM 70 Prozent der Russen ein Gesetz gegen häusliche Gewalt für notwendig.

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