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Russischer Schriftsteller und Politiker Eduard Limonow mit 77 Jahren in Moskau verstorben

Russischer Schriftsteller und Politiker Eduard Limonow mit 77 Jahren in Moskau verstorben
Aktivisten von Limonows Partei "Anderes Russland" während einer Mai-Demo auf dem Newski-Prospekt in Sankt Petersburg.
Am 17. März starb in Moskau der russische Schriftsteller und Politiker Eduard Limonow. Der ehemalige sowjetische Dissident war berühmt für seine provokative Art. Er hinterließ über 20 verfasste Bücher, unzählige Essays und Gedichte, sowie zwei minderjährige Kinder.

von Bryan MacDonald

Der russische Schriftsteller, Politiker und sowjetische Dissident Eduard Limonow, der in Moskau gestorben ist, war einzigartig. Seine umstrittenen Memoiren "It's me, Eddie" aus den 1970er-Jahren, die erst 1991 in Russland veröffentlicht wurden und sich mehr als eine Million Mal verkauften, waren ein Skandal in Russland.

Sein Tod wurde vom Abgeordneten der Staatsduma und Chefredakteur der Zeitschrift Junost, Sergej Schargunow, bekannt gegeben. Limonows Assistent Dmitri Sidorenko bestätigte dies anschließend gegenüber der Moskauer Tageszeitung RBK. Er nannte keine Todesursache, russische Medien vermuteten jedoch, dass es sich um Komplikationen nach einer Operation handelte.

Schargunow sagte der Nachrichtenagentur TASS, dass Limonow am Dienstagabend in einem Krankenhaus in Moskau gestorben sei und fügte hinzu:

Er war bis zum Ende bei vollem Verstand und sprach. Er blieb bei klarem Verstand.

Limonow wurde 1943 in der russischen Region Nischni Nowgorod als Eduard Sawenko in die Familie eines Militärs geboren und wuchs vor allem in Charkow in der sowjetischen Ukraine auf. In den 1960er-Jahren zog er nach Moskau, wo er Gedichte schrieb und in literarischen Kreisen aktiv wurde. Im Jahr 1973 emigrierten Limonow und seine zweite Ehefrau Elena Schtschapowa aus der UdSSR in die USA. Bald darauf verließ ihn seine Frau und heiratete später einen italienischen Grafen.

Limonow ließ sich in New York nieder, arbeitete für eine russischsprachige Zeitung und tauchte in die radikale Politik und die Punk-Subkultur ein. Er beschwerte sich über Schikanen seitens der US-Behörden und schrieb, dass "das FBI ebenso eifrig dabei ist, US-amerikanische Radikale zu Fall zu bringen, wie der KGB mit seinen eigenen Radikalen und Dissidenten". Die Methoden des FBI seien jedoch moderner, so Limonow.

Später beschrieb er diese Periode in "Fuck Off, Amerika", wo er neben anderen unkonventionellen Verhaltensweisen auch beiläufige sexuelle Begegnungen mit Obdachlosen grafisch darstellte. In Frankreich, wo er zuerst berühmt wurde, trug das Buch den Titel "Der russische Dichter bevorzugt die großen Schwarzen" (Le poète russe préfère les grands nègres).

Von den USA desillusioniert, zog Limonow 1980 nach Paris. Dort kam er in Kontakt mit den Anführern der französischen Kommunistischen Partei.

Frankreich passte besser zu ihm, da seine Arbeit dort auf ein interessiertes Publikum stieß. Auch in den folgenden Jahrzehnten erfreute er sich in Frankreich großer Beliebtheit. Im Jahr 2011 schrieb der französische Filmregisseur und Schriftsteller Emmanuel Carrère einen biografischen Bestseller-Roman über das Leben und die Zeit des Russen, wodurch er ihn einem neuen Publikum nahebrachte.

Als das neu konstituierte Russland aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion hervorging, kehrte Limonow nach Moskau zurück und nahm die russische Staatsbürgerschaft an. Er war von 1974 bis 1987 staatenlos, dann erwarb er einen französischen Pass, den er später wieder aufgeben sollte.

Etwa zu dieser Zeit, als sich Russland öffnete, wurden die meisten seiner Schriften zum ersten Mal in seiner Heimat veröffentlicht. "Fuck Off, Amerika", das im Russischen unter dem Titel "Eto ja, Editschka" (dt.: Ich bin's Eddie) veröffentlich wurde, verblüffte die konservative russische Gesellschaft, die aus der totalitären Isolation der UdSSR-Ära hervorging. Der Erzähler konfrontierte diese einst isolierte Gesellschaft mit seinen Hardcore-Darstellungen von homosexuellen Handlungen, in die er verwickelt war.

In Moskau gründete Limonow die Zeitschrift Limonka und die ultranationalistische politische Partei "Nationalbolschewiken". Sie vertrat die Position, dass Russland ein riesiges Imperium schaffen sollte, das ganz Europa sowie Nord- und Zentralasien beherrschte. Die Bewegung, die von Limonows damaligem Verbündeten, dem umstrittenen Philosophen Alexander Dugin, als Mittelpunkt zwischen Kommunismus und Faschismus angesehen wurde, wurde verboten.

Bereits in den 1990er-Jahren setzte sich Limonow für die Rückgabe der Krim an Russland ein. Er unterstützte auch leidenschaftlich die bosnischen Serben in den Jugoslawien-Kriegen und wurde sogar einmal dabei gefilmt, als er in den Hügeln oberhalb von Sarajevo in Anwesenheit von Radovan Karadžić, der später wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde, eine Waffe abfeuerte. 

Im Jahr 2001 wurde Limonow unter dem Vorwurf des Terrorismus verhaftet. Er wurde beschuldigt, eine Armee zur Invasion Kasachstans aufzustellen und Waffen zu besitzen. Limonow nannte den Prozess lächerlich, verbrachte wegen dieser Affäre jedoch zwei Jahre im Gefängnis.

Limonow, der sich stark gegen Wladimir Putin seit seiner Wahl in den Kreml im Jahr 2000 stellte, wurde in der Moskauer Protestbewegung aktiv und führte, gemeinsam mit der Schachlegende Garry Kasparow und dem Menschenrechtsaktivisten Lew Ponomarjow, die Kampagne "Anderes Russland" an.

Im Jahr 2012 kandidierte er bei den russischen Präsidentschaftswahlen. Die Zentrale Wahlkommission verweigerte ihm jedoch die Registrierung. Ein Jahr später brach er mit seinen liberalen Oppositionsverbündeten, als er die pro-westlichen "Euromaidan"-Proteste in Kiew scharf verurteilte. In der Folge bezeichnete Limonow sie als Verräter, nachdem sie sich gegen die Wiedervereinigung Russlands mit der Krim im Jahr 2014 aussprachen, die er lautstark unterstützte.

Wie bei vielen Russen wurde sein Nationalismus während der Krise in der Ukraine ausgeprägter und seine Rhetorik härter. Er forderte die Schließung vermeintlich feindlicher oppositioneller Medien und schlug vor, pro-westliche Journalisten aus dem Land zu vertreiben. Im Jahr 2016 begann er, eine regelmäßige Kolumne für den russischsprachigen Ableger von RT zu schreiben.

Limonow war viermal verheiratet: mit der Künstlerin Anna Rubinstein, der bereits erwähnten Elena Schtschapowa, der Dichterin und Sängerin Natalia Medwedewa und der Schauspielerin Jekaterina Wolkowa. Mit der letzteren hatte er zwei Kinder, einen Sohn, Bogdan (heute 13 Jahre alt), und eine Tochter, Alexandra (heute 11 Jahre alt). Das Paar trennte sich im Jahr 2008. Laut Wolkowa blieb Limonow jedoch aktiv an der Erziehung seiner Kinder beteiligt.

Auf den Tod seines sowjetischen Dissidenten-Kollegen, den Schriftsteller Alexander Solschenizyn, im Jahr 2008 reagierte Limonow spöttisch und erklärte:

Der ideologische Tod von Solschenizyn fand in der Nacht nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 statt. Was danach kam, war eine Art Leben nach dem Tod.

Ob dies auf Solschenizyn zutraf oder nicht, sei dahingestellt. Dasselbe könnte man jedenfalls nicht über Eduard Limonow sagen.

Eduard Weniaminowitsch Sawenko (besser bekannt als Eduard Limonow) wurde am 22. Februar 1943 in Dserschinsk, in der UdSSR, geboren. Er starb am 17. März 2020 in Moskau, Russland.

Bryan MacDonald ist ein irischer Journalist mit Sitz in Russland. Zuvor arbeitete er in Irland für den Evening Herald, Ireland On Sunday und den Irish Independent.

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