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Moskauer Studentin, die wegen Terrorverdacht zwei Jahre absaß: "Frauen sollen mehr an sich glauben"

Moskauer Studentin, die wegen Terrorverdacht zwei Jahre absaß: "Frauen sollen mehr an sich glauben"
Warwara Karaulowa bei ihrer Pressekonferenz
Die Moskauer Studentin Warwara Karaulowa wurde Ende 2016 wegen versuchten Beitritts zur Terrormiliz "Islamischer Staat" zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihr Umfeld wusste nichts von ihrem Doppelleben. Ende April wurde die 23-Jährige vorzeitig entlassen.

Erstmals berichteten russische Medien über Karaulowa im Frühjahr 2015, als die damals 19-jährige Studentin verschwunden war. Nachdem sie am 27. Mai nicht nach Hause kam, startete ihr Vater eine großangelegte Suchaktion. Im Zuge dessen wurde klar, dass Karaulowa sich heimlich einen Reisepass besorgt hatte und in Richtung Syrien gereist war. Ihre Angehörigen hatten von ihrem Doppelleben und vom Briefwechsel mit einem IS-Mitglied nichts gewusst.

IS-Kämpfer schwenken Flaggen als Teil einer Militärparade, Rakka, Syrien, 30. Juni 2014.

Die türkischen Behörden begannen eine Fahndung. Am 4. Juni wurde sie von Grenzbeamten entdeckt, als sie gerade dabei war, die Grenze zu Syrien überqueren zu wollen. Schon damals gab die junge Frau zu, einen Fehler begangen zu haben. Ihr Vater holte sie ab, und die beiden reisten wieder nach Russland zurück. Die Frau änderte ihren Namen, um von öffentlicher Aufmerksamkeit verschont zu bleiben – umsonst, wie sich nun zeigt. Ihr Name tauchte trotzdem immer wieder in den Schlagzeilen auf.

Am 22. Dezember wurde die Studentin zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. In der Gerichtsverhandlung bestand Karaulowa darauf, dass sie sich niemals dem IS anschließen, sondern lediglich zu ihrem Verlobten fahren wollte. Wie sie selbst erzählte, habe sie in einem sozialen Netzwerk einen Mann kennengelernt, in den sie sich verliebte. Ihr Vater vermutet, dass das Profil des Mannes von mehreren IS-Anwerbern erfunden und geführt worden war.

Dieser Fall der Warwara Karaulowa ist für Russland eher ungewöhnlich: Die junge Frau wuchs in einer relativ wohlhabenden Familie auf. Sie glänzte mit guten Schulnoten und studierte Philosophie an der Moskauer Lomonossow-Universität. Sie sprach Englisch, Französisch und hat angefangen, auch noch Arabisch zu lernen. 

Nach ihrer vorzeitigen Entlassung erzählt Karaulowa in einem Interview mit RT, wie sich ihre Sichtweise im Gefängnis geändert hat. Sie habe dort in einer Nähwerkstatt gearbeitet. Schon ganz kleine Dinge wie Schmetterlinge oder Maikäfer seien im Gefängnis eine Freude – da es dort sonst nichts Erfreuliches gäbe. Auch auf den Besuch ihrer Mutter habe sie immer gewartet – unter anderem, weil sie Bücher mitgebracht bekam. Karaulowa riet allen Eltern, Verständnis für ihre Kinder zu zeigen und sie zu lieben, was auch immer mit ihnen passiert. Auch wenn jemand im Gefängnis lande, bedeute dies nicht, dass das Leben vorbei sei, so Karaulowa.

Auch über die Rolle der Frauen habe sie lange nachgedacht. Als Grund, warum Mädchen und Frauen oft zu Opfern von IS-Anwerbern werden und sich auf ein komplett anderes Leben einlassen, nennt Karaulowa unter anderem die patriarchalische Gesellschaft, in der Frauen noch immer an Männern orientiert seien. Die Idee, den Männern nachzureisen, entstehe, weil alleinstehende Frauen nicht immer als vollständige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert werden:

Eine alleinstehende Frau kann eine tolle Karriere und sogar Kinder haben. Aber wenn sie keinen Mann – wenigstens irgendeinen Mann – hat, dann wird ihr Leben nicht als 'komplett' angesehen.

Karaulowa gibt zu, dass auch in ihrem Fall ein mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel zu diesen Ereignissen führte. Gleichzeitig stellt sie fest, dass sie sich sehr verändert hat, und riet allen Frauen, an sich selbst zu glauben.

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