Medwedew: IOC will Russland politischen Schaden zufügen

Medwedew: IOC will Russland politischen Schaden zufügen
Auch nachdem der Sportgerichtshof CAS die Sperren gegen 13 russische Sportler und zwei Trainer aufgehoben hat, lehnt das IOC deren nachträgliche Olympia-Einladung ab. Russlands Premier Dmitri Medwedew kritisiert diese Entscheidung als extrem parteiisch.

Auf seiner Facebook-Seite wurde Medwedew am Montag deutlich:

Die IOC-Kommission hat eine beschämende, ungerechte, unrechtmäßige, amoralische und politisierte Entscheidung getroffen. Dadurch, dass die Kommission unsere Sportler nicht zu den Spielen zuließ, die vom Sportgerichtshof, der speziell für die Beilegung von solchen Streitigkeiten gegründet worden war, wieder in ihre Rechte eingesetzt worden waren,  zertrampelte sie die Olympische Charta und grundlegende Rechtsprinzipien. Man ist unschuldig, solange die Schuld nicht bewiesen ist.

Unter anderem wurde auch die Sperre von Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow aufgehoben.

Mehr zum Thema -  IOC lehnt nachträgliche Olympia-Einladung für 15 Russen ab

Will IOC nur genehme Sportgerichtsurteile akzeptieren?

Der russische Ministerpräsident betonte, dass gerade der Gerichtshof die endgültige Entscheidung treffe. Nun habe das IOC eine Entscheidung über eine Gruppe von Menschen getroffen, die sich über die Autorität des Gerichts sowie über die Sportler und Fans hinwegsetzt.

Das Ziel dieser Entscheidung ist sehr weit vom Sport entfernt. Dieses Ziel besteht darin, unserem Land politischen Schaden zuzufügen", unterstrich Medwedew.

Er betonte, die Tatsache, dass das IOC die Sportler, deren Schuld vor Gericht nicht bewiesen werden konnte, nicht zu den Olympischen Spielen einlade, widerspreche den grundlegenden Rechtsstaatsprinzipien und vernichte die Existenz von Menschen, die ihr ganzes Leben dem Sport gewidmet hätten.

Und Doping hat damit nichts zu tun, es ist lächerlich, darüber zu sprechen. Man könnte die parteiische Ermittlung zum Doping, die gegen einen Staat, und zwar gegen Russland, geführt wird, ja noch irgendwie dulden. Aber die Entscheidung der Kommission, auch das Verdikt des Sportgerichtshofes nicht umzusetzen, steht jenseits jedweden Menschenverstandes", so Medwedew.

Mehr zum Thema -  Russland ohne eigenen Fahnenträger bei Olympia in Pyeongchang

Zuvor hatte das Internationale Olympische Komitee in einer offiziellen Erklärung die Einladung von 13 russischen Sportlern und zwei Trainern zu den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang abgelehnt.

Am Donnerstag hatte der internationale Sportgerichtshof CAS zuvor die vom IOC verhängten lebenslangen Olympiasperren gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben. Das Olympische Komitee Russlands (OKR) bat vor diesem Hintergrund das IOC, nachträglich individuelle Einladungen für 15 russische Vertreter, eben die 13 Sportler und zwei Trainer, auszusprechen.

Thomas Bach: Enttäuscht über das CAS

IOC-Präsident Thomas Bach zeigte sich seinerseits "extrem enttäuscht" über das Gerichtsurteil und äußerte den Wunsch, das System der Sportschiedsgerichte reformieren zu wollen. Er erklärte, eine positive Entscheidung über die Klage der russischen Athleten gegen die lebenslange Olympia-Sperre reiche jedenfalls nicht aus, um eine Einladung vom IOC zu erhalten.

Das Privileg, eine Einladung zur Olympia zu bekommen, verlangt mehr als nur das Fehlen von Sanktionen, deswegen haben wir diese Sportler nicht eingeladen", sagte Bach bei der Eröffnung der 132. IOC-Session im Olympia-Austragungsort Pyeongchang.

Er betonte, dass der Weg nur für individuell geprüfte, saubere Sportler aus Russland frei sein solle und diese sollten auf strengste Weise kontrolliert werden. Im Schnitt werden die Russen allerdings bereits jetzt doppelt so oft auf Doping kontrolliert wie ihre Kollegen aus anderen Ländern, berichten russischen Sportjournalisten. Das Ignorieren des Urteils internationalen Schiedsgerichts CAS vonseiten des IOC löste in Russland eine regelrechte Empörungswelle aus. Das IOC setze sich über die elementare rechtsstaatliche Prinzipien hinweg und widerspreche sich selbst, wenn es nun nachweislich unbescholtenen Sportlern die Teilnahme an den Spielen verweigere, so Tenor der meisten Kritiker. 

Doch eine weitreichende Folge hatte das CAS-Urteil doch: Durch die Wiederanerkennung zuvor durch das IOC aberkannter Medaillen zu Gunsten sanktionierter russischer Sotschi-Medaillenträger rückt die russische Mannschaft im Medaillenspiegel für die Spiele in Sotschi wieder auf den ersten Platz.

Mehr zum Thema -  IOC annulliert Resultate fünf weiterer russischer Sportler - bereits 19 Athleten lebenslang gesperrt