Putin: Kommunistische Ideologie ähnelt Christentum - Lenins Körper heiliger Reliquie

Putin: Kommunistische Ideologie ähnelt Christentum - Lenins Körper heiliger Reliquie
Der einbalsamierte Körper von Wladimir Iljitsch Lenin im Mausoleum auf dem Roten Platz, Moskau
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Kommunismus mit dem Christentum und das Mausoleum von Wladimir Lenin auf dem Roten Platz in Moskau mit der Verehrung der Reliquien von Heiligen verglichen. Russlands Kommunistische Partei reagierte euphorisch.

"Vielleicht sage ich jetzt etwas, das nicht allen gefallen wird, aber so sehe ich es", sagte Putin in einem Interview für den Dokumentarfilm "Walaam", welcher am Sonntag in Ausschnitten auf Rossija 1 ausgestrahlt wurde:

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Erstens: Der Glaube hat uns immer begleitet und ist jedes Mal stärker geworden, wenn unser Land, unser Volk, schwere Zeiten durchgemacht hat. Es gab jene Jahre des militanten Atheismus, in denen Priester ausgerottet, Kirchen zerstört und gleichzeitig eine neue Religion geschaffen wurden. Die kommunistische Ideologie ist dem Christentum sehr ähnlich: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit - alles ist in der Heiligen Schrift niedergelegt, es ist alles da. Und der Kodex des Erbauers des Kommunismus? Das ist Sublimation, es ist de facto nur ein Auszug aus der Bibel, es wurde nichts Neues erfunden.

Ein Arbeiter wäscht die Lenin-Statue des Bildhauers Anikuschin am Moskauer-Platz in Sankt Petersburg vor den Feierlichkeiten anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution, 28.09.2017

Leninkult als säkulare Form der Heiligenverehrung

Putin ging noch einen Schritt weiter, indem er die Haltung der Kommunisten gegenüber dem Anführer der Bolschewiken mit der Verehrung von Heiligen im Christentum verglich:

Lenin wurde in ein Mausoleum gesteckt. Inwiefern unterscheidet sich das von den Reliquien der Heiligen für orthodoxe Christen? Wenn sie sagen, dass es im Christentum keine solche Tradition gibt, gehen Sie doch mal nach Athos und schauen Sie sich um, es gibt Reliquien der Heiligen dort, und wir haben heilige Reliquien hier", schloss Putin seine Überlegung ab.

Nachdem Lenin 1924 gestorben war, wurde sein Körper einbalsamiert und in einem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau ausgestellt. Der Leninkult war fester Teil der sowjetischen Ideologie. Die öffentliche Debatte über die Möglichkeit, Lenins sterbliche Überreste zu bestatten, begann in den frühen Tagen der Perestroika in den 1980er Jahren.

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Putins Aussagen haben die Mitglieder der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation sehr positiv aufgenommen.

Putin für Achtung der Totenruhe auf dem Roten Platz

"Ich denke, die Worte des Präsidenten glätten sehr effektiv und vernünftig die Wogen rund um das Thema Mausoleum", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma, Iwan Melnikow, gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax und betonte zudem:

Kommunisten und alle linken patriotischen Kräfte  in Russland verstehen, dass der Kommunismus dem Christentum so nahe ist wie die Form des Kapitalismus, die in unserem Land und unserer heutigen Wirtschaft existiert, weit entfernt vom Christentum ist.

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Anfang dieses Jahres erklärte Gennadi Andrejewitsch Sjuganow, Chef der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, Putin habe ihm versprochen, dass Lenins Körper, solange er Präsident ist, im Mausoleum auf dem Roten Platz verbleiben werde.

"Solange ich hier sitze, wird es auf dem Roten Platz keine Barbarei geben", zitierte der KP-Chef die Worte Putins.