Russischer Metropolit Hilarion beklagt Zensur in westlichen Medien und erklärt Zuspruch zu Putin

Russischer Metropolit Hilarion beklagt Zensur in westlichen Medien und erklärt Zuspruch zu Putin
Russischer Geistlicher Metropolit Hilarion während einer Messe in der Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau.
In einem Gespräch mit dem russischen Sender Rossija 24 warf der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion der britischen BBC vor, seine Antwort auf die Frage nach der Angemessenheit der Regierungsdauer Wladimir Putins zensiert zu haben.

Eine Woche vor dem Weihnachtsfest der westlichen christlichen Kirchen ist der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats der Russisch-Orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, in der Religionssendung "Kirche und Welt" des russischen Fernsehsenders Rossija 24 aufgetreten. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete darüber.  

In der Sendung warf er der britischen BBC vor, ihm gegenüber Zensur im Zusammenhang mit einer Frage nach der Regierungszeit des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, geübt zu haben. Dies, so Hilarion, sei kennzeichnend für eine zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit im Westen.

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Das unabhängige katholische Nachrichtenportal kath.net zitiert den Metropoliten unter Bezugnahme auf die Agentur Kathpress mit der Aussage:

Die BBC hat mir die Frage nach der langen Herrschaft einer Person gestellt. Ich antwortete, dass Königin Elizabeth schon 60 Jahre regiert. Dann ging mein Interview auf Sendung, aber dieses Stück, die Frage und die Antwort, wurde herausgeschnitten. Das verweist auch auf die Realität der Redefreiheit in westeuropäischen Ländern.

Bezüglich des Vergleichs mit der britischen Königin ist zu berücksichtigen, dass diese als Erbmonarchin nicht vom Volk gewählt wird, aber auch keine gesetzgeberischen Funktionen ausübt. Dennoch sind auch lange Regierungszeiten tatsächlicher Regierungschefs in westlichen Ländern nicht unüblich.

Lange Regierungszeiten auch im Westen nicht unüblich

So wiesen beispielsweise auch die deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel eine zweistellige Anzahl an Regierungsjahren auf, ebenso die britische Premierministerin Margaret Thatcher, der US-Amerikaner F. D. Roosevelt, der Grieche Andreas Papandreou (mit Unterbrechung), die Österreicher Bruno Kreisky und Franz Vranitzky, die Schweden Tage Erlander und Olof Palme und erst recht der nordzyprische Altpräsident Rauf Denktasch.  

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Im Gespräch mit dem russischen Staatssender erklärt Hilarion die anhaltende Beliebtheit Wladimir Putins, der seit 2000 entweder als Präsident oder als Premierminister die Geschicke der Russischen Föderation gestaltet und 2018 für eine voraussichtliche letzte weitere Amtszeit als Staatsoberhaupt kandidieren wird, mit den traumatischen Erfahrungen des Russlands der 1990er Jahre. Gegenüber dieser Zeit habe Putin weitreichende Veränderungen bewirkt.

Kath.net zitiert Metropolit Hilarion dazu wie folgt:

Wir erinnern uns, wie das Land in den 1990er Jahren war, welches Ausmaß an Korruption, welche Kriminalität wir hatten, wie wenig Geld die Menschen verdient haben. Und wir haben gesehen, wie 17 Jahre Wladimir Putins Führung als Präsident oder Ministerpräsident das Wohlergehen der Menschen zum Wachsen gebracht haben. Ich glaube, das ist das Geheimnis der so hohen Zustimmungsrate, die er jetzt schon für so lange Zeit halten kann.

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