Chef der russischen Nationalgarde: Russen "nicht bereit" für massenhaften Besitz von Feuerwaffen

Chef der russischen Nationalgarde: Russen "nicht bereit" für massenhaften Besitz von Feuerwaffen
Der Leiter der russischen Nationalgarde, zuständig auch für Waffenkontrolle, hat erklärt, dass die russische Gesellschaft nicht bereit für einen massenhaften Besitz von Schusswaffen sei. Die Kontrolle privaten Waffenbesitzes soll deshalb schärfer werden.

"Wir sind gegen jede Verbreitung von Schusswaffen. Unsere Gesellschaft ist dafür auf Grund von wirtschaftlichen und psychologischen Faktoren nicht bereit", sagte General Wiktor Solotow in einer Rede vor dem russischen Föderationsrat am Mittwoch. Er fügte hinzu:

Alle Situationen und alle häuslichen Konflikte können den Waffeneinsatz beeinflussen. Wenn eine Person unter starker emotionaler Belastung steht, könnte sie oder er mit oder ohne einen triftigen Grund eine Schusswaffe einsetzen.

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In der gleichen Rede versprach der Chef der Nationalgarde, die Kontrollen bezüglich des Besitzes und Umschlages von Waffen zu verschärfen, einschließlich derjenigen, die Reizstoffe und nicht tödliche Gummigeschosse abfeuern. Insbesondere erwähnte Solotow den jüngst vorgestellten Gesetzentwurf über das Verbot des Besitzes von Schusswaffen für alle Personen, die der Begehung einer Straftat unter Alkoholeinfluss sowie schwerer und besonders schwerer Straftaten wegen verurteilt wurden. Damit sind Personen gemeint, die Straftaten begangen haben, die mit fünf bis zehn beziehungsweise mehr als zehn Jahren Gefängnis geahndet werden können.

Waffengesetze in Russland nicht außergewöhnlich streng

In seiner Ansprache vor den Senatoren berichtete Solotow, dass die russische Nationalgarde in den letzten sechs Monaten über 124.000 Verstöße gegen die geltenden Waffengesetze aufgedeckt und fast 40.000 Waffenlizenzen annulliert habe. Ungefähr 30.000 von ihnen waren Bürgern und 10.000 Unternehmen erteilt worden. Er fügte hinzu, dass die Sicherheitsbehörde etwa 120.000 von insgesamt 6,5 Millionen Waffen, die sich derzeit offiziell im Besitz von russischen Bürgern befinden, konfisziert habe.

Die russischen Waffengesetze sind nicht außergewöhnlich streng, aber sie verbieten Bürgern unter anderem auch das verborgene Tragen von Schusswaffen zur Selbstverteidigung. Die meisten der Waffen, die sich im Besitz russischer Bürger befinden, sind Jagdschrotflinten und -gewehre. Nur ein kleiner Bruchteil davon sind Pistolen, die fürs Zielschießen verwendet werden. Die Einschränkungen umfassen auch Waffen, die in Russland als "traumatische Pistolen" bekannt sind. Das sind solche, die modifiziert wurden, um keine tödlichen überkalibrigen Gummigeschosse abfeuern zu können.

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Gesetz aus dem Jahr 2014 sollte Selbstverteidigungsfähigkeit erhöhen

Solotow erwähnte Letztere in seiner Rede und erklärte, dass er persönlich auch die Notwendigkeit einer strengeren Kontrolle über nicht-tödliche Waffen sieht, da es Fälle gab, in denen Menschen mit dieser Art von Waffen getötet oder schwer verletzt wurden.

Im Jahr 2014 verabschiedete das russische Parlament eine Gesetzesänderung, die es den Bürgern erlaubt, lizenzierte Waffen "zur Selbstverteidigung" mit sich zu führen. Das Innenministerium ergänzte jedoch wenig später in einer Verordnung, dass dies nur nicht-tödliche Waffen betreffe. Jagd- oder Kampfversionen sind davon ausgeschlossen.