"Annehmbare Kandidaten wählen": Putin-Kritiker Chodorkowski gegen Boykott der Präsidentenwahl

"Annehmbare Kandidaten wählen": Putin-Kritiker Chodorkowski gegen Boykott der Präsidentenwahl
Michail Chodorkowski, vor seiner Verurteilung wegen Betruges reichster Mann Russlands und heute unerbittlicher Kritiker von Präsident Wladimir Putin, hat die Oppositionskräfte in Russland aufgefordert, an den Präsidentschaftswahlen 2018 teilzunehmen.

Chodorkowski hat auf seiner Facebook-Seite einen Aufruf zu den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen veröffentlicht, in dem er seine Unterstützer dazu auffordert, wählen zu gehen und für jeden "annehmbaren Kandidaten" zu stimmen - den "vorherbestimmten Gewinner" ausgenommen.

Er schrieb auch, dass die Opposition in Russland drei Ziele verfolgen sollte:

  • die Registrierung aller willigen Kandidaten, die möglicherweise Stimmen gewinnen könnten;
  • die Förderung der Behandlung der für die Zukunft Russlands wichtigsten Fragen;
  • die Teilnahme als "Ausdruck des Protestes".

Ex-Magnat möchte "annehmbare Kandidaten" fördern

"Wer für ein stärkeres Parlament, Föderalisierung und wirklich unabhängige Gerichte eintritt, arbeitet für das Gemeinwohl und kann sich auf meine Unterstützung bei der Förderung dieser Ideen verlassen", schrieb Chodorkowski.

Ankunft des russischen Öl-Magnats Michail Chodorkowski zu seiner Pressekonferenz nach seiner Freilassung im Mauermuseum am 22. Dezember 2013.

Allerdings betonte der ehemalige Erdöl-Magnat, dass er mit "Ausdruck des Protestes" nicht bloßes "gegen Putin Stimmen", sondern vielmehr die Unterstützung eines "annehmbaren Kandidaten" oder als letztes Mittel das Ungültigmachen des Stimmzettels meinte. 

Wichtig ist die Tatsache, dass Sie sich weigern, für den vorherbestimmten Gewinner zu stimmen, nicht die Tatsache, dass Sie Ihre Bürgerrechte aufgeben", schrieb der Oligarch, der bei seiner Ausreise aus Russland noch versprochen hatte, sich nie wieder in die russische Politik einzumischen.

Chodorkowski-NGO Open Russia gilt als ausländischer Einflussagent

In seinem Facebook-Post fügte Chodorkowski hinzu, dass jede Abstimmung einen Schritt hin zu einer "stärkeren Zivilgesellschaft" darstelle, während die Verweigerung der Ausübung des Stimmrechts Ausdruck der Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Nation sei.

Derzeit leitet der Oligarch die Nichtregierungsorganisation Open Russia. Dabei handelt es sich um eine Netzwerkstruktur, die sich auf die Hilfe und finanzielle Unterstützung für Politiker aller Ebenen spezialisiert hat.

Die Organisation wurde ursprünglich 2001 gegründet, hatte aber nach der Verurteilung Chodorkowskis wegen schwerer Steuerhinterziehung vorerst ihren Betrieb eingestellt. Im Dezember 2013 wurde sie wiederbelebt, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin Chodorkowski begnadigt hatte. Infolge dieser Entscheidung konnte der Ex-Ölmagnat das Gefängnis und in weiterer Folge Russland verlassen. Aufgrund der politischen Agenda von Open Russia und der ausländischen Sponsoring-Quellen wird die Organisation beim russischen Justizministerium als ein ausländischer Agent gelistet.