Koran-Vorleser machen Moskau zum Zentrum der islamischen Welt

Koran-Vorleser machen Moskau zum Zentrum der islamischen Welt
Der Teilnehmer des Wettbewerbs aus Egypten.
Auch wenn es nur für wenige Tage im Jahr ist: Viele arabische Länder blicken neidisch auf das Engagement gläubiger Muslime in Russland. Ein internationaler Koran-Rezitationswettbewerb verbindet Russlands Islam durch eine alte Tradition mit dem Weltislam.

Es hat vor 18 Jahren in der Moskauer Hauptmoschee angefangen: Erstmals fand dort ein Wettbewerb zur melodischen Rezitation des Korans unter Koran-Schülern statt. Die mündliche Koranüberlieferung ist eine der ältesten Islam-Traditionen. Um diese zu pflegen, gibt es einen gesamten geistlichen Stand der "Beschützer" - oder auf Arabisch: Hafizen.

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Bald kamen zum Moskauer Wettbewerb auch Hafizen aus anderen Regionen Russlands. Vor zehn Jahren beschloss der russische Muftirat dann auch, ausländische Teilnehmer nach Moskau einzuladen. In diesem Jahr fand der bislang größte Wettbewerb dieser Art im ausverkauften Konzert-Komplex "Krokus" statt. Im Laufe von drei Tagen traten 32 Vorleser aus 32 Ländern dort gegeneinander an, indem sie sowohl auswendig als auch aus dem Buch rezitierten.

Der Teilnehmer des Hafiz-Wettbewerbs in Moskau aus Bahrain.

"Mit schöner Stimme lesen"

Der Koran wird dabei nicht einfach vorgelesen, er wird singend deklamiert. Und um Zweideutigkeiten und Verzerrungen zu vermeiden, gibt es – wegen der Besonderheiten der arabischen Sprache – eine besondere Reihenfolge beim Koran-Lesen. Die komplizierte Kombination der entsprechenden Regeln muss der Hafiz im Kopf behalten, schreibt die Nachrichtenagentur RIA-Nowosti in ihrem Beitrag zum Wettbewerb.

Der Prophet Muhammed sagte: 'Lesen Sie den Koran mit einer schönen Stimme.' Wenn ein Mensch den Koran mit einer schönen Stimme liest, wird es angenehm für die Seele und die Herzen der Menschen erfüllen sich mit Glauben", sagte Chuhadar Jaschar, der türkische Teilnehmer.

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Mit 17 hat Chuhadar angefangen, den Koran zu studieren. Nach einem Jahr kannte er ihn auswendig. Seit vier Jahren erlernt er die Tadjwid – die Kunst der richtigen Koran-Rezitation. In diesem Jahr wurde er zum besten Hafiz der Türkei erkoren.

Doch in Moskau musste er anderen Teilnehmern den Vortritt lassen. Den Wettbewerb gewann Laal Amir, der Hafiz aus dem Iran. Zweiter wurde der Koran-Rezitator aus Bahrain, gefolgt von dessen Mitstreiter aus Syrien.

Gläubige organisieren die Veranstaltung selbst

Bild: Kul-Scharif-Moschee in Kasan 

© Sputnik/Nik Pavlov

In diesem Jahr wurden die Tickets für den Event zum ersten Mal über soziale Netzwerke vertrieben. Darüber hinaus warben Videoclips für den Besuch und für Freiwilligendienste beim Wettbewerb, was viele junge Familien anzog. Rund 100 Volontäre betreuten die Veranstaltung. Fast die Hälfte von ihnen seien Nicht-Muslime, insbesondere die anwesenden Arabistik- und Orientalistik-Studenten, berichteten die Veranstalter.

In Russland leben 25 Millionen Muslime. Nach der schweren Zeit des Kommunismus werden im Land nicht nur Moscheen erbaut, sondern auch Hafize ausgebildet", sagte Ruschan Abbjassow, Vizevorsitzender des Russischen Muftirats.

Seinen Worten zufolge waren Gäste aus arabischen Ländern "regelrecht schockiert": Denn in ihren Ländern werden solche Veranstaltungen von Behörden organisiert, der Moskauer Wettbewerb hingegen von den Gläubigen selbst. Das zeige, wie stark die muslimische Gemeinde Russlands sei. Der Moskauer Koran-Wettbewerb sei der einzige, der ganz Eurasien umfasse:

Damit wird die russische Hauptstadt zum Mittelpunkt der islamischen Welt.

Autor: Der Gewinner des Wettbewerbs im Jahr 2014