Wende in Doping-Affäre: WADA stellt Ermittlungen gegen 95 russische Sportler ein

Wende in Doping-Affäre: WADA stellt Ermittlungen gegen 95 russische Sportler ein
Der WADA-Chef Olivier Niggli
Ein nicht abgesendeter Brief des Chefs der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) legt offen, dass die Verfahren gegen 95 russische Sportler eingestellt werden. Sie wurden im Bericht des Ermittlers Richard McLaren des Dopings bezichtigt.

Die US-Zeitung New York Times ist in Besitz eines internen Reports des WADA-Chefs Olivier Niggli. Der Report - in einer 3.0 Version und datiert mit dem 24. September - wendet sich an die internationalen Sportföderationen.

Die verfügbaren Beweise waren unzureichend, um zu behaupten, dass diese 95 Athleten gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen hätten", zitiert die NYT Niggli in ihrem Artikel.

IOC-Präsident Thomas Bach und der IOC-Generaldirektor Christophe de Kepper auf der 126. Tagung des Internationalen Olympischen Komitees am 5. Februar 2014 in Sotschi.

Die Rede ist von 95 Athleten gegen die WADA aufgrund des McLaren-Reports aus den Jahren 2015 und 2016 in Fällen des Doping-Verdachts ermittelt. Angaben zu den Identitäten der Sportler wurden in Niggli-Bericht nicht gemacht. McLaren warf in seinem Report Russland vor, das System staatlichen Dopings installiert zu haben. Vor kurzem hat er seine Aussagen korrigiert und sprach von einem „institutionellen System“.

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Trotz der ersten Freisprechung besteht die WADA nach wie vor darauf, dass Russland den McLaren-Report anerkennt. Dies ist die Bedingung dafür, dass Russland wieder erlaubt wird, die eigene Anti-Doping-Agentur RUSADA zu installieren. Auch die Amnestie für sanktionierte russische olympische und paralympische Athleten ist an die Anerkennung des McLaren-Berichts gekoppelt.

Der Bericht hat aber nach wie vor keinen bindenden Charakter, keine der Sportbehörden haben ihn bis jetzt als rechtsbindend anerkannt. Die Freisprechung des ersten von 95 Sportlern vom Doping-Verdacht kann den Streit zwischen Russland und der WADA weiter verschärfen.

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Zuletzt hat der Vize-Premierminister Witali Mutko der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erneut eine Mitschuld an dem mutmaßlichen systematischen Dopingbetrug in Russland gegeben. Mutko verwies auf die Personalie Grigorij Rodtschenkow, der als Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors hinter den systematischen Dopingpraktiken in Russland steckte.

Sie hatten die Kontrolle über ihn, sie haben ihm die Arbeitserlaubnis erteilt. Aber jetzt wird Russland dafür verantwortlich gemacht", sagte der frühere Sportminister.