Sergej wer? Russen unwissend oder skeptisch über politische Pläne des Linksaktivisten Udalzow

Sergej wer? Russen unwissend oder skeptisch über politische Pläne des Linksaktivisten Udalzow
Eine jüngste veröffentlichte Meinungsumfrage hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Russen bis dato noch nichts von Sergej Udalzow und dessen Plänen gehört haben, alle oppositionellen linken Bewegungen zu einer einzigen Koalition zu vereinen.

Die möglicherweise noch schlechtere Nachricht für Udalzow: Über die Hälfte jener Befragten, die die Pläne kennen, glauben, dass sie von Anfang an dem Tode geweiht sind.

Laut einer Studie des staatlichen Allrussischen Zentrums zur Erforschung der öffentlichen Meinung (WZIOM) kennen nur 39 Prozent Russen Udalzow. Ganze 34 Prozent räumten in diesem Zusammenhang ein, dass ihr Wissen über den Politiker nur oberflächlich sei.

Allerdings war der Prozentsatz derer, denen Udalzow ein Begriff ist, unter Jugendlichen, Bewohnern der Großstädte und Mitgliedern linker Parteien und Gruppen, darunter auch der größten Oppositionspartei Russlands, der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF), deutlich höher.

Unter jenen, die angaben, den Aktivisten und seine politische Plattform zu kennen, haben sich 67 Prozent skeptisch hinsichtlich seiner Pläne geäußert, die linke Opposition zu vereinen.

Unbekannt, aber nicht unbeliebt

Dreizehn Prozent meinen, dass Udalzows politische Karriere ihren Zenit bereits überschritten habe und sie somit von ihm auch in der Zukunft keine Durchbrüche erwarten. Nur vier Prozent billigen ihm noch ein erhebliches politisches Potenzial zu.

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Über ihre persönliche Einstellung zu Udalzow und dessen Plänen befragt, antworteten 52 Prozent der für die Umfrage ausgewählten Bürger, dass sie den Oppositionspolitiker zwar kannten, ihre Einstellung ihm gegenüber aber nicht seriös definieren könnten. Über ein Drittel (37 Prozent) der Befragten sagten, dass ihre Haltung gegenüber dem Linksaktivisten positiv sei. Immerhin gaben nur elf Prozent an, ihm gegenüber negative Gefühle zu haben.

WZIOM-Chef Waleri Fjodorow geht davon aus, dass der Aktivist trotz seines bislang geringen Bekanntheits- und Unterstützungsgrades in der Bevölkerung künftig noch eine bedeutende Anzahl von Unterstützern anziehen könnte. Immerhin gehöre er zu den fähigsten und am meisten strategisch denkenden Köpfen im linken Lager.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Nachfrage nach Veränderungen und einer sinkenden Popularität der KPRF und ihres Parteichefs Gennadi Sjuganow könnte Udalzow die Gelegenheit bekommen, unter einem zündenden Slogan eine neue, potenziell mächtige Linke zu schaffen", schrieb Fjodorow in den Kommentaren zu der Studie.

Schwäche der KPRF ist Chance für Udalzow

Sergej Udalzow ist ein verhältnismäßig erfahrener russischer Politiker. Seine bisherigen Bestrebungen waren aber alle mit randständigen und relativ unbeliebten Bewegungen verbunden wie dem "Stalinistischen Block für die UdSSR" oder der "Avantgarde der Roten Jugend". Im Jahr 2014 wurde Udalzow für das Organisieren von Massenaufständen in Moskau im Mai 2012 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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Anfang des Monats wurde er aus der Haft entlassen und hielt umgehend nach seiner Freilassung eine Pressekonferenz ab, bei der er andere linke Politiker aufforderte, sich bei den bevorstehenden russischen Präsidentschaftswahl 2018 hinter einem einzigen Kandidaten zu vereinen.

Der Aktivist versprach, in naher Zukunft, mehr Menschen in seine linke Front-Koalition zu holen, Gespräche mit linken Bewegungen aus Europa und den Vereinigten Staaten zu führen und neue Protestaktionen zu starten.