Russland plant Einschränkungen bei Internet-Knoten wegen Sorge um Abhörung durch US-Geheimdienste

Russland plant Einschränkungen bei Internet-Knoten wegen Sorge um Abhörung durch US-Geheimdienste
Die russische Regierung plant, Maßnahmen zu ergreifen, um den Fluss des Internetverkehrs durch fremdbasierte Internet-Knoten zu minimieren. Das soll verhindern, dass sensible Daten in die Hände von US-Geheimdiensten fallen, berichtet die Zeitung Wedomosti.

Wedomosti führt ungenannte Quellen in der russischen Regierung und der Präsidentschaftsverwaltung an, die behaupten, es gebe Pläne, Internetdienstleister und Kommunikationsunternehmen davon abzuhalten, den Webverkehr aus Russland durch fremde Internet-Knoten (IXPs) zu übermitteln.

Laut der Quellen ist der Hauptgrund die Gefahr, dass sensible Daten von US-Geheimdiensten wie der National Security Administration (NSA), die mehrere Zentren für elektronische Überwachung in ganz Europa hat, dekodiert und studiert werden könnten.

Obwohl die US-Geheimdienste darauf hinweisen, dass das Ziel der Überwachung die Bekämpfung des Terrorismus und anderer Formen des Extremismus ist, sei es immer noch möglich, dass sie in diesem Prozess auch Informationen über Banküberweisungen, amtliche Korrespondenzen und andere sensible Daten von russischen Beamten erhalten.

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Vertreter der großen russischen Telekom-Unternehmen teilten mit, dass nur etwa 20 Prozent des Internet-Verkehrs in Russland durch ausländische IXPs durchgeführt werden, und erklärten, der Hauptgrund sei eher die Kostensenkung.

Zu Zeiten der Sowjetunion waren es Arbeiter und Bauern, die den Staat stützten. Künftig sollen es Programmierer sein. Auf dem Bild: Eine Foto-Drohne überfliegt das Gelände der Ausstellung zu den Errungenschaften der Wirtschaft, das heute ein beliebter Freizeitpark ist.

Der Wedomosti-Artikel erschien, nachdem das russische Kommunikationsministerium Mitte August einen Gesetzentwurf veröffentlichte, den es nach dem Gespräch mit Regierungsexperten an die Duma weiterleiten wollte. Wenn der Entwurf verabschiedet wird, müssten die Internet-Betreiber den russischen Web-Verkehr durch russisch-basierte IXPs leiten, die in einem Sonderregister eingetragen sind. Das Gesetz würde außerdem eine 20-prozentige Grenze für ausländische Aktien in Unternehmen festlegen, die russische IXPs besitzen, sowie die IXPs dazu verpflichten, Datenlogs für mindestens drei Jahre zu speichern. Wenn es verabschiedet wird, würde es am 1. Juli 2018 in Kraft treten.

Der Gesetzentwurf steht auch im Einklang mit einem breiteren Paket von Internetgesetzen. Diese Gesetze, die der russische Präsident Wladimir Putin im Juli 2016 unterzeichnete, enthält Bestimmungen, die Kommunikationsunternehmen, einschließlich der Internetanbieter, verpflichten, die Daten ihrer Kunden für drei Jahre (bei  Messengern und sozialen Netzwerken nur ein Jahr) und auch Aufzeichnungen von Telefonanrufen, Nachrichten und übertragene Dateien für sechs Monate zu speichern. Kommunikationsfirmen sind außerdem verpflichtet, Verschlüsselungscodes auf Anfrage der Sicherheitsbehörden bereitzustellen und es ihnen zu ermöglichen, verschlüsselte Daten zu lesen. Bei nicht Befolgung müssen sie große Geldstrafen zahlen.

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Nachdem der Gesetzentwurf als Gesetz unterzeichnet worden war, sagte MP Yarovaya Reportern, dass es entwickelt worden war, um die persönlichen Daten der russischen Bürger vor fremder Einmischung zu schützen, einschließlich der "globalen digitalen Herrschaft der Vereinigten Staaten". Sie sagte auch, das Gesetz würde es Russen und Unternehmen erlauben, ihre eigene Technologie zu schaffen, um Informationen vor ausländischem Zugriff zu schützen.