Russische Luftfahrt-Messe MAKS startete mit 650 Austellern aus 32 Ländern

Russische Luftfahrt-Messe MAKS startete mit 650 Austellern aus 32 Ländern
Ein Airbus 350 auf der MAKS-Luftfahrtmesse bei Moskau.
Auf einem Flugplatz vor den Toren Moskaus können Kunden und Schaulustige noch bis Sonntag zivile und militärische Luft- und Raumfahrttechnik sowie Flug-Shows bestaunen. Die Veranstaltung findet bereits zum 13. Mal statt.

von Ulrich Heyden, Schukowski

Am Dienstag, dem ersten Tag der 13. Moskauer Luft- und Raumfahrtmesse MAKS, demonstrierten die Manager und Direktoren der großen russischen Technologie- und Luftfahrt-Holdings Selbstbewusstsein und Zuversicht. "Wir haben uns an die Bedingungen der Sanktionen angepasst", sagte der Leiter des Föderalen Dienstes für militärische Zusammenarbeit, Dmitri Schugajew.

Der Direktor der Technologie-Holding Rostec, Sergej Tschemesow, erklärte auf eine entsprechende Frage des Autors dieser Zeilen:

Wir haben bereits 90 Prozent der Teile, die wir aus der Ukraine bezogen haben, durch eigene Fertigung ersetzt. Bis Ende 2018 will man diese Teile komplett selbst herstellen. Was die Ausrüstungen betrifft, die man bisher aus Europa bezogen hat, habe man jetzt Lieferanten in anderen Ländern, so unter anderem in Ostasien gefunden, welche diese Lieferungen ersetzen. Bis Ende 2020 werde man die bisherigen Lieferungen aus Europa komplett durch eigene Fertigung ersetzen.

Unter den Sanktionen leiden vor allem die Ukraine und die westlichen Länder selbst, sagte Tschemesow, denn diese würden einen Markt verlieren. Der russische Rüstungsexport dagegen wachse kontinuierlich. Es habe noch kein Jahr gegeben, in dem dieser Bereich eingebrochen sei. In der Ukraine sei der Rüstungssektor hingegen "faktisch zusammengebrochen".

Putin gibt Eis aus

Der russische Präsident Wladimir Putin war zu der Luftfahrtmesse vor den Toren Moskaus mit einer Iljuschin-96-Passagiermaschine angereist. In seiner Rede zur Eröffnung der Veranstaltung erklärte er:

Ich möchte feststellen, dass wir immer noch eine starke Position beim militärischen Flugzeugbau und in der Raketen- und Weltraumbereich haben.

Das Potenzial in diesen Bereichen werde "weiter gefestigt".  

Putin forderte russische Unternehmen auf, russische Flugzeuge zu kaufen. Insbesondere die Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor kaufen gerne Flugzeuge ausländischer Hersteller. Auch der Anteil der russischen Flugzeuge auf dem Weltmarkt müsse erhöht werden, erklärte der Präsident.

Nachdem Putin einige Ausstellungshallen besichtigt hatte, gab er den ihn begleitenden Gouverneuren und Ministern an einem Stand ein Eis aus. Der Präsident zahlte mit einem 1.000-Rubel-Schein und wollte kein Wechselgeld, wie russische Medien notierten. Ein Eis kostet in Russland etwa 60 Rubel.

Airbus, Boeing und Rolls Royce gehören zu den Ausstellern

Die Messe MAKS findet seit 1993 statt und ist eine Veranstaltung, welche sich mit den Messen in Le Bourget und Farnborough vergleichen lässt, schreibt die Moskauer Nesawisimaja Gaseta. Dass auf der Messe keine amerikanischen F-35, französischen Rafale oder deutsch-französischen Eurofighter vertreten sind, hänge damit zusammen, dass diese Flugzeuge auf der Messe in Moskau keine Käufer finden.

Das neue Mig 35 Kampfflugzeug

Der Generaldirektor von Rostec, Tschemesow, erklärte auf die Frage, welches die wichtigsten Vorzüge russischer Flugzeuge seien, die russischen Flugzeuge seien genauso gut wie oder sogar besser als die westlichen, aber im Preis günstiger.

Doch man kann auch nicht sagen, dass der Westen die diesjährige Messe in Schukowski, südöstlich von Moskau, ignorieren würde. Trotz der westlichen Sanktionen sind auf der diesjährigen MAKS Airbus, Boeing, Pratt and Whitney, Rolls Royce und Honeywell vertreten.

Gigantomanie damals und heute

Der erste Tag der MAKS am Dienstag begann mit einem bunten Programm, mit Shows, Fachgesprächen und Vorträgen. Das Wetter über dem Flughafen Ramenskoje, auf dem sich auch Forschungs- und Testwerkstätten russischer Unternehmen befinden, meinte es gut. Die Sonne schien. Regen gab es nur für ein paar Minuten. In den Pavillons und auf den Open-Air-Flächen tummelten sich Kunden, Experten und Journalisten, welche Fluggerät und Waffen aus aller Welt bestaunten. Für das breite Publikum hat die Luftfahrt-Messe von Freitag bis Sonntag geöffnet.

Gleich am Eingang des Ausstellungsgeländes kann man einen Airbus 350 für 550 Passagiere bestaunen. Nicht weit vom Airbus entfernt gibt es auch einen Stand einer chinesischen Firma. Diese zeigt dort die Kampf-Drohne Wing Long I. China war auf der Messe stark vertreten. Aus Deutschland präsent waren unter anderem die Offshore-Firma Althom und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Wladimir Putin stattete dem Stand der DLR einen Besuch ab.

Gleichsam als Gegenstück zur Airbus-Gigantomanie kann man am anderen Ende des Ausstellungsgeländes sowjetische Großflugzeuge aus den 1980er Jahren sehen, beispielsweise das futuristisch anmutende Transport-Flugzeug Atlant WM-2 mit einem eiförmigen Behälter auf dem Rücken. Das Flugzeug Atlant brachte so in den 1980er Jahren den sowjetischen Raumgleiter Buran und andere Weltraum-Ausrüstung im Huckepack-Verfahren zum Weltraumbahnhof Baikonur. Man kann auch die strategischen Tupolew-Bomber sehen, die in Syrien Stellungen des IS bombardieren.

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Auch zahlreiche russische Rüstungsfirmen stellen auf der Messe ihre Produkte aus. So etwa die neuesten russischen Militärhubschrauber, die auch in Syrien im Einsatz waren, russische Drohnen und die Raketenabwehr-Systeme Buk-M3 und S-400. Über den Kauf eines S 400-Systems verhandelt die Türkei zurzeit mit Russland. Ägypten will mit Russland einen möglichen Ankauf von Ka-52K-Hubschraubern erörtern. Mit den Hubschraubern plant man in Kairo, die Mistral-Schiffe auszustatten, welche Ägypten von Frankreich gekauft hat.

Eine Kampfdrohne aus der Volksrepublik China.

Imitierter Luftkampf zum Ausklang

Am Dienstagmittag gab es auch die erste Flugshow. Man sah Hubschrauber im Formationsflug, darunter den K-52, einen neuen russischen Kampfhubschrauber, den Mi-26, den weltweit größten Hubschrauber, der jemals in Serie hergestellt wurde und den Ansat, einen in der russischen Teilrepublik Tatarstan hergestellten Mehrzweckhubschrauber. Nach den Hubschraubern startete auch das neue russische Mittelstreckenflugzeug Suchoi Superjet 100 zu einem Rundflug. Das Flugzeug mit seinen 100 Sitzplätzen kam nach der Landung außerordentlich schnell zum Stehen.

Das neue Passagierflugzeug MS 21 mit 132 Sitzplätzen hatte erst im Mai seinen ersten Probeflug absolviert und war auf der Luftfahrtmesse nur durch ein Modell, MS-21-Testpiloten und einen MS-21-Flugsimulator vertreten. Das Flugzeug befindet sich aber noch in der Test-Phase am Produktionsort Irkutsk.

Ein neuer russischer Hubschrauber ka-226t

Zum Abschluss der Luft-Show donnerten Staffeln von neuen Kampfflugzeugen der Typen MIG-35 und Suchoi-35 über das Messegelände.

Eine MIG-35 zeigte das atemberaubende Doppel-Manöver aus "Glocke" und "Schraubenzieher". Dabei steigt das Flugzeug zunächst senkrecht nach oben, um dann sekundenlang vertikal in der Luft zu verharren. Dann geht es in seine ursprüngliche horizontale Lage zurück, um sich dann um eine imaginäre Achse in Richtung Erde zu drehen. Dabei entsteht der Eindruck, dass das Flugzeug nach unten geradezu trudelt.

Mit derartigen Manövern verschafft sich der Pilot eine taktische Überlegenheit. Der Verfolger fliegt an seinem Opfer vorbei und kann dann selbst zum Verfolgten werden.

Die MIG-35 ist ein multifunktionales, leichtes Kampfflugzeug der Klasse 4++. Die Maschine, die auch mit Laserwaffen ausgerüstet werden soll, befindet sich noch in der Testphase. Wann die russische Luftwaffe die ersten Maschinen dieses Typs in Dienst stellen wird, steht noch nicht fest.

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Der Höhepunkt der Show war ein imitierter Luftkampf, ausgeführt von zwei Maschinen vom Typ Suchoi T-50. Unter anderem sah man, wie sich die Flugbahnen der beiden Kampfmaschinen in unmittelbarer Nähe kreuzten. Das multifunktionale Kampfflugzeug T-50 ist eine Maschine der fünften Generation. Die Lieferung dieser Flugzeuge an die russische Luftwaffe ist für 2018 geplant.

Hier ein Video mit Eindrücken von der diesjährigen Luft- und Raumfahrtmesse MAKS:

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