Urlaub in Russland: Die Region Krasnodar

Urlaub in Russland: Die Region Krasnodar
Das Asowsche Meer ist ein Nebenmeer des Schwarzen Meeres und ist mit diesem durch die Straße von Kertsch verbunden. Die Stadt Asow an der Mündung des Don ist Namensgeber für das Binnenmeer.
Russland, so ist geht ein weit verbreitetes Vorurteil ist ein kaltes Land. Kaum einer denkt an ausgedehnte Strände, subtropisches Klima mit langen Zypressenhainen und Weinanbau, lauen Nächten und perfektem Badewetter. Genau das allerdings bietet die in Südrussland gelegene Region Krasnodar.

von Gert Ewen Ungar

Diese Region wollte ich in diesem Jahr besuchen. Ich flog nach Moskau und von da aus fuhren wir zu zweit weiter. Wir hatten als Transportmittel den Zug gewählt. 22 Stunden braucht der Zug für die 1700 Kilometer. Ich reise in Russland gerne mit dem Zug, denn Zugreisen sind dort von einer anderen Qualität als hier in Deutschland. Die Wagen sind breiter, alles ist auf lange Wege eingerichtet, es herrscht ein besonderes Flair. Es gibt viel Personal, dass sich um das Wohlergehen der Fahrgäste sorgt. Eine Zugfahrt in Russland ist ein gesellschaftliches Event. Man kommt in Kontakt, lernt sich kennen, erzählt Geschichten, teilt die mitgebrachte Verpflegung. Wir teilten unsere Abteil mit zwei älteren Damen, deren Fähigkeit über jedes kleine Detail noch eine eigene Geschichte erzählen zu können, ich bewunderte.

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Für die Kunden der Deutschen Bahn mag es erstaunlich klingen, aber unser Zug fuhr zur angekündigten Uhrzeit aus Moskau ab und zur angekündigten Ankunftszeit fuhr er nach über 1700 Kilometern auf die Minute genau im Zielbahnhof Novorossijsk ein.

Die Region Krasnodar grenzt an zwei Meere. Im Norden liegt das Asowsche Meer, im Westen das Schwarze Meer. Für unsere Erkundung der Region haben wir uns als Standort die Hafenstadt Novorossijsk ausgesucht. Die Stadt liegt an den Ausläufern des Kaukasus und ist ein Handelszentrum. Der Hafen ist ein großer Umschlagplatz vor allem für Erdöl und landwirtschaftliche Produkte. Die gesamte Region ist dank Schwarzer Erde ausgesprochen fruchtbar. Russland plant, zum weltweit größten Produzenten gentechnisch nicht veränderter Nahrungsmittel zu werden. Hier in der Region wird deutlich, dass der Plan gelingen kann.

Als erstes besuchten wir die Stadt Gelendschick am Schwarzen Meer. Die Stadt ist neben Sotschi, das ebenfalls in der Region Krasnodar liegt, ein touristisches Zentrum. Seit über einhundert Jahren besucht man die malerische Stadt am Schwarzen Meer, um sich zu erholen. Der weitläufige Sandstrand ist sauber, das Meer klar. Unterhaltungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene machen den Ort zu einem perfekten Ziel für Familien. Eine lange Strandpromenade lädt zum Flanieren ein. Aber auch ein Spaziergang durch die pittoreske Ortschaft ist reizvoll.

Wundervoll gelegen ist das Dorf Abrau-Djurso, das sich im Verwaltungsbezirk von Novorossijsk befindet. Bekannt ist der Ort vor allem für seine Champagner-Produktion. Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts wird hier produziert. Zunächst vor allem für die Zarenfamilie. In der Sowjetzeit wurde der Herstellungsprozess industrialisiert. So wurde aus dem Getränk für Millionäre, das Getränk für die Millionen.

Man kann die Produktion besichtigen. Nach einem Besuch im hauseigenen Museum, in dem die Geschichte der Produktion erzählt wird, wird durch nicht enden wollende Gänge geführt, in denen eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Flaschen aufgereiht sind. Die Exkursion endet mit einer Verkostung mehrerer Sorten. Im angeschlossenen Werksverkauf kann man sich dann eindecken.

Die Kellerei liegt direkt an einem See, der zum Schwimmen einlädt. Umringt ist sie von Weinbergen, in denen die Trauben wachsen aus denen der Sekt produziert wird.

Es war der in Deutschland so hoch geschätzte Michail Gorbatschow, der hier so weit weniger gewürdigt wird, denn strikt gegen Alkohol eingestellt, hatte Gorbatschow in seiner Regierungszeit verfügt, dass alle Weinstöcke in der Sowjetunion abgeholzt werden. Eine wirtschafliche und auch ökologische Katastrophe für die Region.

Zwar kam die Produktion der Kellerei dadurch nicht zum Erliegen, aber die Trauben mussten eingekauft werden. Inzwischen hat sich die Region vom Gorbatschowschen Kahlschlag wieder erholt. Weinstöcke gibt es hier so weit das Auge reicht.

Eine besondere Köstlichkeit ist der in der Region vielfach selbst gebrannte Tschatscha. Ein hochprozentiger Schnaps aus Trauben. Er schmeckt ebenso gut, wie er in der Wirkung gefährlich ist. Ich rate aus eigener Erfahrung zu niedrigen Dosen auch wenn das in geselliger Runde schwer zu bewerkstelligen ist. Die Gläser werden immer wieder nachgefüllt und getrunken wird nach einem Toast immer gemeinsam. Und es gibt so viele Gründe für einen Toast.

wieder erholt vom nächtlichen Umtrunk mieteten wir ein Auto und fuhren in Richtung Asowsches Meer auf die Halbinsel Taman. Die Überlandstraßen sind von guter Qualität und entsprechen nicht dem Klischee, das man von russischen Straßen hat. Man fährt durch eine malerische Hügellandschaft, Weinberge dominieren das Bild. Der Weg führt durch kleine Siedlungen und Dörfer. Am Ziel angekommen öffnet sich ein traumhafter Blick auf das Asowsche Meer. Strahlend blauer Himmel über einem ebenso blauen Meer.

Das Meer ist sehr flach, das Wasser entsprechend warm. Die Strände ziehen sich beinahe endlos hin. Auch hier finden sich in den touristischen Zentren familienfreundliche Angebote.

Eine Besonderheit sind die natürlichen Moorbäder, die hier an mehreren Stellen zu finden sind. Ihnen werden heilende und gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Spaß macht es auf jeden Fall.

Auf dem Rückweg nach Moskau machten wir noch eine Nacht Station in der Bezirkshauptstadt Krasnodar. Gegründet hat die Stadt Katharina die Große. Im Zentrum der Stadt verläuft die Krasnaja Uliza, die rote Straße, in ihrer Mitte ein parkähnlicher Grünstreifen. Hier finden sich zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants, die dazu einladen, Platz zu nehmen, und den Menschen beim Flanieren zuzusehen.

Zurück nach Moskau ging es dann mit dem Flugzeug. In Krasnodar gibt es einen kleinen Regionalflughafen, der die Stadt mit Moskau verbindet. In zwei Stunden ist man in der russischen Hauptstadt.

Alles in Allem ist die Region ein herausragender Ort für einen außergewöhnlichen Urlaub. Insbesondere Familien finden hier in traumhafter Umgebung alles, was nötig ist, um richtig zu entspannen und sich zu erholen. Allerdings sind wohl Russisch-Kenntnisse erforderlich. Allein mit Englisch kommt man hier vermutlich nicht weit, auch wenn der Anteil der Russen, die Englisch sprechen stetig steigt. Zwar wird in den Hotels Englisch gesprochen, allerdings ist der Kauf beispielsweise eines Bustickets dann wohl eine hohe Hürde, die nur schwer zu überwinden sein wird. Aber das kann auch Motivation sein, endlich diese überaus interessante und Reiche Sprache zu lernen.

 

 

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