Schwurgericht fällt Urteil zu Mord an Boris Nemzow: Alle Angeklagten schuldig

Schwurgericht fällt Urteil zu Mord an Boris Nemzow: Alle Angeklagten schuldig
Schwurgericht fällt Urteil zu Boris Nemzows Mord
Am 29. Juni hat ein Schwurgericht in Moskau das Urteil im Fall des erschossenen Politikers Boris Nemzow gefällt. Auf der Anklagebank saßen fünf Männer, die den mutmaßlichen Auftragsmord verübt haben sollen. Saur Dadajew wurde für schuldig befunden.

Am Donnerstag hatten die Geschworenen des Bezirksmilitärgerichts Moskau 26 Fragen zu beantworten. Die wichtigste davon lautete, ob Saur Dadajew und seine vier mutmaßlichen Komplizen – Ansor und Schadid Gubaschew, Tamerlan Eskerchanow und Chamsat Bachajew – an der Ermordung des oppositionellen Politikers Boris Nemzow in der Nacht zum 28. Februar 2015 schuldig seien.

Am Dienstag, einige Stunden vor der geplanten Verkündung des Urteils durch das Schwurgericht, mussten zwei der Geschworenen den Prozess frühzeitig verlassen. Somit bestand die Jury nun aus 13 Mitgliedern bei notwendigen zwölf. Bevor die Geschworenen mit der Beratung in einem speziellen Raum begannen, mahnte der Richter Juri Schitnikow die Jury in einem dreistündigen Geleitwort daran, unvoreingenommen zu sein. "Die Schlussfolgerungen dürfen nicht auf Mutmaßungen basieren", sagte der Richter. Die Geschworenen verhandelten von 16 bis 18 Uhr und konnten zu keinem Konsens kommen. Sie nahmen eine Auszeit bis zum nächsten Tag.

Wir haben bislang keinen Konsens gefunden. Wir bitten daher um eine Unterbrechung bis morgen", sagte die Jury-Vorsitzende.    

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Am Mittwoch beriet die Jury weiter und konnte sich wiederum nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen. Die Entscheidung musste deswegen per Abstimmung getroffen werden. Die Geschworenen berieten im speziellen Verhandlungsraum ungefähr acht Stunden lang. Später beschossen sie, die Urteilsverkündung auf den folgenden Tag zu verschieben. Nach einer mehrstündigen Abstimmung überreichte die Jury ihre Entscheidung an den Richter. Er verkündete sie nicht gleich, sondern forderte eine gewisse Zeit, um den Text zu studieren.  

Die Geschworenen befanden Saur Dadajew und Ansor Gubaschew sowie den bei der Festnahme in Grosny getöteten Beslan Schawanow für schuldig an der unmittelbaren Ermordung des oppositionellen Politikers. Ihre Komplizen Schadid Gubaschew, Temirlan Eskerchanow und Chamsat Bachajew hatten sich demzufolge an der Vorbereitung des Mordes beteiligt. Sie hatten auch den unmittelbaren Mördern geholfen, der Polizei nach der Tat zu entkommen.    

Die Angeklagten hatten zwar kurz nach ihrer Festnahme Geständnisse abgelegt. Im Verlauf des Prozesses beteuerten sie jedoch ihre Unschuld. Russlands Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass den Mord an Boris Nemzow der Ex-Offizier des tschetschenischen Bataillons "Sewer", Ruslan Muchudinow, in Auftrag gegeben haben soll.

Im November 2015 ist der Mann zur internationalen Fahndung ausgeschrieben worden. Die Ermittlung gegen ihn erfolgt im Rahmen eines anderen Verfahrens. Boris Nemzow war in den 1990er Jahren ein ranghoher Beamter in der russischen Regierung. In den 2000er Jahren wechselte er ins Lager der Opposition. Zum Zeitpunkt des Mordes war er Abgeordneter der Gebietsduma von Jaroslawl. (TASS/Interfax/RIA Nowosti)

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