"Er trank Sumpfwasser und aß Gras" – Vierjähriger Junge nach 4 Tagen im Wald lebend gefunden

"Er trank Sumpfwasser und aß Gras" – Vierjähriger Junge nach 4 Tagen im Wald lebend gefunden
Ein vierjähriger russischer Junge namens Dima Peskow hatte seine Familie während eines Familienpicknicks außerhalb der Stadt Ekaterinburg am 10. Juni verloren. Er wurde zwar dehydriert und von Zecken und Mückenstichen übersäht, jedoch lebendig von einer 2.000 Mann starken Suchmannschaft gefunden.

"Dima war kalt und nass, seine gesamte Kleidung war zerrissen. Er wurde von Mücken und Zecken am ganzen Körper gestochen. Wir haben ihn eingewickelt, und als er langsam ins Leben zurückkehrte, fing er an, uns zu erzählen, was passiert war -, dass er Gras gegessen und schmutziges Wasser aus einem Sumpf getrunken hat." 

Dies erzählte Pavel Karpenko, Soldat einer Spezialeinheit, der sich für die Suche freiwillig gemeldet hatte und den Jungen fand, in einem Interview mit der Tageszeitung Komsomolskaya Prawda (KP). Das Verschwinden des Jungen ist in den letzten vier Tagen zu einem nationalen Drama in Russland geworden.

Während des Campings nahm ihn Peskows Vater Andrej mit, um Holz zu hacken, aber seinem Vater zufolge war das Kind schnell gelangweilt und ging zurück zu seiner Mutter, die "etwa 50 Meter entfernt" war.

Ich war unglaublich dumm", sagte Andrej der KP. "Ich hätte nie gedacht, dass er vom Weg abkommen würde."

Aber der Vierjährige, der als ein introvertiertes Kind beschrieben wird, tauchte nicht mehr in der Nähe des Lagers auf.

Sobald sie den Vorfall gemeldet hatten, gerieten Dimas Eltern selbst unmittelbar in den Fokus der Polizei. Diese führte einen Lügendetektortest durch, um sicherzustellen, dass sie das Verschwinden nicht inszeniert hatten. Dazu kam eine große Medienöffentlichkeit. Die Journalisten stellten sowohl ihre Motive als auch ihre Erziehungsfähigkeiten in Frage.

Der Vorfall löste im ganzen Land eine Welle der Besorgnis und der Teilnahme aus, sowohl bei Profis als auch unter freiwilligen Such- und Rettungsorganisationen, die in Russland in den letzten zehn Jahren an Bedeutung gewonnen haben.

Fährtensucher fanden am nächsten Morgen Dimas Fußspuren in der Nähe des Zeltes, aber sowohl Taucher als auch Dronenpiloten fanden nichts. Die Lage verschlechterte sich weiter, als der Beweis für die Anwesenheit eines Bären in derselben Gegend gefunden wurde, in der Dima verschwand. In der Nähe befanden sich zudem Elchspuren.

Am Montag erzählte eine Gruppe von Fischern den Rettungskräften, dass sie ein Kind gesehen hatten, das auf Dimas Beschreibung passte. Es wanderte offenbar unbekümmert in die entgegengesetzte Richtung des Zeltlagers.

Am selben Tag brach ein Sturm über dem dichten Wald los und zwang die Suchenden zu einer vorübergehenden Pause. Gegenüber den Medien gaben einige der Helfer an, sie hätten die Hoffnung schon beinahe verloren, Dima zu finden. 

Eine Vermutung rettete Dima das Leben

Sergey Schirokobokow, der Chef von Sokol, einer lokalen freiwilligen Such- und Rettungsgruppe, sagte der KP, dass er von dem Tag an, an dem Dimas Abdrücke entdeckt wurden, vermutet hatte, wohin der Junge gelaufen war. Der Junge bewegte sich nach Süden, in Richtung der Sümpfe. Der örtliche Ranger meinte hingegen, dass sich der Junge  instinktiv vom Sumpf fernhalten würde, aus Angst stecken zu bleiben.

Die gesamte Suchmannschaft ging nach Osten und durchsuchte in dieser Richtung erfolglos eine Fläche von circa 200 Quadratkilometern. Am Mittwochmorgen versammelte Schirokobokow eine kleine Gruppe, darunter Karpenko, und machte sich auf nach Süden. Innerhalb einer Stunde kam der erste Fund - "eine Reihe von frischen Abdrücken von kleinen Schuhen".

Ich bin auf die Wurzel eines umgefallenen Baumes geklettert", erklärte Karpenko. "Dann sah ich in das Loch hinab, das der Baum hinterlassen hatte und da lag er – der Junge. Wir machten ihm eine Trage aus Kleidung und trugen dort weg."

Die Nachricht verbreitete sich schnell, und die Rettungskräfte eilten an die Stelle, die etwa sieben Kilometer von dem Ort entfernt liegt, an dem Dima verloren ging. Ein Rettungshubschrauber wurde hinzugezogen, aber am Ende war es ein gewöhnlicher Krankenwagen, der das Kind in ein Krankenhaus in der nahe gelegenen Stadt Asbest brachte.

Die physische Zerreißprobe ist für den kleinen Dima jedoch noch immer nicht vorbei, ganz zu schweigen von einem potentiellen psychologischen Trauma.

Dima erreichte uns hier in einem mäßig ernsten Zustand", erklärte Igor Bragin, der Chef des Kinderkrankenhauses in Asbest. "Er ist dehydriert, verbrannt und leidet unter Hypothermie. Er hatte etwa 20 Zeckenbisse, und die Insekten selbst haben wir in das Labor geschickt, um festzustellen, ob sie mit Enzephalitis infiziert sind. Er hat Antikörper erhalten, als Vorsichtsmaßnahme. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Situation entwickeln wird – wir vermuten, dass er eine Lungenentzündung haben könnte."

Obwohl nicht alle unter solchen dramatischen Umständen verschwinden, gehen nach offiziellen Statistiken jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder in Russland verloren.