Putin: Russland wird auf NATO-Expansion reagieren, um strategisches Gleichgewicht zu halten

Putin: Russland wird auf NATO-Expansion reagieren, um strategisches Gleichgewicht zu halten
Durch das Umringen Russlands mit Raketenabwehrsystemen untergräbt die NATO das strategische Gleichgewicht und treibt ein neues Wettrüsten voran, sagte Präsident Wladimir Putin gegenüber Oliver Stone und nannte die NATO-Aufrüstung einen "groben, großen Fehler".

Im zweiten Teil von Oliver Stones Showtime-Serie "The Putin Interviews", die am Dienstagabend ausgestrahlt wurde, bezeichnete der russische Präsident die NATO-Aktivitäten vor Russlands Haustür als feindselig sowie als eine große Sicherheits-Herausforderung. Er fügte hinzu, dass Moskau nicht untätig bleiben würde.

Für uns, für Russland gibt es nur zwei Bedrohungen: Die erste besteht in der Stationierung dieser Abfangraketen in osteuropäischen Staaten in unmittelbarer Nähe unserer Grenzen. Die zweite Bedrohung ist, dass die Startrampen für Abfangraketen in wenigen Stunden in solche für Angriffsraketen umgerüstet werden können", sagte Russlands Präsident Wladimir Putin.

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Putin stellte fest, dass die NATO-Aufrüstung keine Anzeichen einer Verlangsamung zeigt. Das deuten Pläne an, die vorsehen, Raketenabwehr-Startrampen auf Kriegsschiffen zu installieren und diese in Meeren einzusetzen, die an Russland angrenzen oder nahe bei Alaska liegen.

In der Tat ist das ein weiterer grober, großer strategischer Fehler unserer Partner, weil Russland auf all diese Handlungen angemessen antworten wird. Und das wird nichts anderes bedeuten als eine weitere Spirale des Wettrüstens. Dabei wird unsere Antwort viel billiger sein. Sie [die Technik] kann in gewisser Hinsicht gröber sein, aber sie wird effizient sein. Und wir werden die so genannte strategische Balance beibehalten. Diese Balance ist eine sehr wichtige Sache", erklärte Putin weiter.

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In einer Vorschau, die vor der Ausstrahlung am Montag gezeigt wurde, warnte Putin auch vor einem nuklearen Krieg und deutete darauf hin, dass in einem heißen Krieg zwischen den USA und Russland beide am Ende verlieren würden, und dass kaum jemand überleben würde.

Putin erklärte, dass die Forderungen der US-Regierung aus dem Vertrag zur Beschränkung Ballistischer Raketen (AMB) von 1972 nach einem Abwehrschild, der gegen den Iran gerichtet sein sollte, unbegründet sind, da das Atomabkommen zwischen dem Iran, den USA und fünf weiteren Weltmächten immer noch in Kraft ist, während sich hingegen die Entwicklung des NATO-Raketenprogramms nicht zu verlangsamen scheint.

Im Jahr 2002 waren die USA aus dem Vertrag ausgetreten, der garantierte, dass weder die USA noch Russland einen Vorteil aus der nuklearen Abrüstung des anderen ziehen würden, und gaben dafür Bedrohungen der nationalen Sicherheit aus Nordkorea und dem Iran an.

Putin verurteilte die USA wiederholt für deren Entscheidung, sich einseitig aus dem AMB-Vertrag zurückzuziehen und argumentierte, dass dies die Welt an den Rand eines neuen Kalten Krieges brächte.

Der Iran hat auf alle militärischen Atomprogramme verzichtet. Die USA haben dem zugestimmt und ein entsprechendes Dokument unterzeichnet. Allerdings läuft das Programm zur Entwicklung des Raketenabwehrsystems mit dessen Elementen in Europa weiterhin auf Hochtouren. Gegen wen ist es ausgelegt?", Fragte Putin rhetorisch und fügte hinzu, dass er nach dem Untergang der Sowjetunion und mit dem derzeit gültigen Iran-Deal keine Berechtigung für eine NATO-Expansion sieht.

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In einer Vorschau auf das Interview argumentiert Putin, dass, sobald ein Land der US-geführten Allianz beitritt, dieses einen bedeutenden Teil seiner Souveränität aufgibt und sich selbst im Wesentlichen zu einem "Vasallen" macht.

Heute ist das ein außenpolitisches Instrument der USA. Dort gibt es keine Verbündeten, sondern nur Vasallen. Wenn ein Land zum NATO-Mitglied wird, fällt es ihm sehr schwer, sich dem Druck eines solch starken Landes wie der USA, des Spitzenreiters der NATO, zu widersetzen. Und dort kann einfach alles Mögliche auftauchen: ein Raketenabwehrsystem, neue Stützpunkte und bei Bedarf sogar neue Angriffskomplexe", sagte Wladimir Putin gegenüber Stone.

In einem ihrer Gespräche offenbarte Putin, dass er einmal dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton vorgeschlagen habe, dass Russland ein Teil der NATO wird. Als Clinton daraufhin sagte, dass er "nichts dagegen" hätte, reagierte die amerikanische Delegation angeblich geschockt auf diese Idee.

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