Ermittlungen zum Absturz der Tu-154 über dem Schwarzen Meer: Menschliches Versagen war schuld

Ermittlungen zum Absturz der Tu-154 über dem Schwarzen Meer: Menschliches Versagen war schuld
Die Tupolew-Maschine sturzte am 25. Dezember 2016 nur einen Kilometer von der Küste ins Meer ab. Auf dem Bild: Die Sucharbeiten nach der Katastrophe.
Das russische Verteidigungsministerium schloss die Ermittlungen zum Flugzeugabsturz mit 92 Toten Ende Dezember über dem Schwarzen Meer bei Sotschi ab. Für die Katastrophe seien der Flugkapitän und seine Fehler bei der Flugsteuerung verantwortlich.

Die Ermittlungen des Absturzes der Passagiermaschine Tu-154 am 25. Dezember 2016 über dem Schwarzen Meer sind abgeschlossen, wie Russlands Verteidigungsministerium bekannt gab. Die Ursache sei möglicherweise ein Fehler des Kapitäns bei der Flugzeugsteuerung.

Nach dem nächtlichen Start am 25. Dezember 2016 vom Flughafen Adler bei Sotschi habe der Pilot "die räumliche Orientierung" verloren und die Tupolew Tu-154 durch falsche Flugmanöver zum Absturz gebracht. Das meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die Passagiermaschine gehörte dem Militär und sollte nach Syrien fliegen.

Wichtigste Tu-154-Blackbox aufgefunden – russisches Verteidigungsministerium

Im Ergebnis der Ermittlung wurde festgestellt, dass die Raumlagestörung – die Informiertheit des Piloten über die Situation – zu seinen falschen Handlungen und als Resultat zu dem Vorfall geführt haben könnte, hieß es aus der Militärbehörde.

Es wurden dem Verteidigungsministerium zufolge „keine Verletzungen der Auftankungsregel im Flughafen in der Stadt Sotschi sowie kein Einfluss von äußeren Faktoren" festgestellt. 

Die russische Zeitung „Kommersant“ verfolgte die Untersuchung von Anfang an. Dabei berief sie sich stets auf die Quellen aus dem Ermittlungsteam. Nach dem Abschluss der Untersuchungen beschrieb sie in einem ausführlichen Artikel den Verlauf des verunglückten Fluges fast im Sekundentakt.

Demnach ist für den Absturz hauptsächlich der Flugkapitän Roman Wolkow verantwortlich. Die Orientierungsprobleme gab es bei ihm schon vor dem Abflug, als er die Flugbahn, von dem die Maschine starten sollte, nicht finden konnte.  

Der Kapitän verlor bereits in der siebten Sekunde die Kontrolle über den Flug, der in der Dunkelheit eines frühen Dezembermorgens stattfand. Er verlangsamte den Steigflug und irritierte Kollegen mit Fragen und Anmerkungen. Bei der Steuerung hatte er sich offenbar nicht auf Geräte verlassen, sondern auf das eigene Empfinden.

Kritisch wurde es nach der 53. Sekunde, als die Besatzung das Kommando gab, die Landeklappen früher als üblich einzuschieben. Ab diesem Moment – in den letzten 20 Sekunden bis zum Fall ins Meer – wurde jeder weitere Steuerungsfehler immer selbstmörderischer. Am Ende zerschellte die Maschine, als der linke Flügel unter dem Winkel von 50 Grad mit der Geschwindigkeit von 540 Kilometern pro Stunde an das Wasser stoß. Bis zum Ufer waren es 1.270 Meter.

Experten schätzen das Verhalten des Flugkapitäns als chaotisch ein und erinnern an „das panische Beiseitestürzen eines Menschen, der sich im Wald verlaufen hat“. Mögliche Ursachen dafür seien „emotional-physische Müdigkeit“ des Kapitäns und seine Unerfahrenheit beim Handeln in einer komplizierten Situation.

Eine Experten-Kommission, die mit der Untersuchung betraut ist, sieht aber nicht nur den Kapitän und seine Besatzung in der Verantwortung. Auch deren Vorgesetzte verstießen mehrmals gegen Regelungen und Anweisungen, die die Vorbereitung und Zusammenstellung der Crew regeln. Die Crew der verunglückten Maschine war beispielsweise aus mehreren Fliegerstaffeln zusammengesetzt und deshalb nicht eingespielt.  

Durch die Katastrophe starben 92 Menschen - acht Besatzungsmitglieder und 84 Passagiere: Unter ihnen waren Sänger, Solisten, Musiker und Tänzer des weltberühmten Alexandrow-Ensembles, drei TV-Filmteams mit insgesamt neun Journalisten sowie die weltweit engagierte Ärztin und Leiterin der Wohltätigkeitsstiftung „Gerechte Hilfe“, Jelisaweta Glinka, auch bekannt als „Doktor Lisa“.