Kriegszustand im Süden Russlands: 3 radikal-islamistische Angriffe auf Sicherheitskräfte in 2 Wochen

Beerdigung zweier Polizisten in Astrachan
Beerdigungszeremonie für zwei getötete Polizisten in Astrachan am 6. April.
Am 24. März griffen sechs Terroristen russische Nationalgardisten in Tschetschenien an. Am 4. und 5. April gab es zwei Angriffe im Gebiet Astrachan. In beiden Fällen stehen die Angreifer in Verbindung mit der terroristischen Vereinigung IS.

Ein erneuter Übergriff auf die Sicherheitskräfte ereignete sich gestern Nacht in der südrussischen Stadt Astrachan. Diesmal endete er für die Angreifer weniger erfolgreich als in der Nacht zuvor. Bei mehreren Schießereien ist es nach Angaben der Sicherheitskräfte gelungen, vier Männer zu neutralisieren, die des Mordes an zwei Polizisten und des Angriffs auf einen Wachposten der Nationalgarde in der Nacht auf Donnerstag verdächtigt werden.

Die Täter, die am 4. April zwei Verkehrspolizisten und heute Nacht Nationalgardisten angegriffen hatten, sind eliminiert worden", sagte Andrej Hegaj vom örtlichen Ermittlungskomitee. "Sie wurden im Rahmen eines Sondereinsatzes getötet."

IS bekennt sich zur Erschießung von Polizisten in Astrachan

In der Nacht auf Dienstag hatten die mutmaßlichen radikalen Islamisten in Astrachan zwei Polizisten erschossen. RIA Nowosti berichtet mit Verweis auf Quellen in den Sicherheitsorganen, dass die Terroristen einen Unfall vorgetäuscht hatten, um die Verkehrspolizisten anzulocken. Einer der vermeintlichen Unfallteilnehmer sollte die Polizei rufen.

Die Angreifer erschossen zwei Polizisten, was auf einem Dashcam-Video auch dokumentiert ist. Die Tatverdächtigen flohen mit ihren Waffen und einem Kleinbus. Zehn Kilometer von Astrachan entfernt konnten Einsatzkräfte diesen am Straßenrand sicherstellen.  

Die getöteten Terrorverdächtigen am frühen Morgen des 6. April. Zunächst hatten die Extremisten auf das Fahndungskommando gefeuert. Drei von ihnen konnten vorerst entkommen. Wenig später konnten die Einsatzkräfte sie im Schlif aufspüren. Alle drei kamen dann bei der Schießerei um.

Am darauffolgenden Tag fahndeten Spezialkommandos mithilfe eines Hunschraubers nach den Verdächtigen. Als Sicherheitsbeamte ein verdächtiges Auto anhalten wollten, eröffneten die mutmaßlichen Terroristen das Feuer auf die Einsatzkräfte, die daraufhin ihrerseits von ihren Schusswaffen Gebrauch machten. Bilanz: Ein Nationalgardist wurde verletzt, einer der Angreifer starb. Die übrigen drei Terrorverdächtigen, die geflüchtet waren, konnten später Hunde im Schilf aufspüren. In der anschließenden Schießerei gelang es den Einsatzkräften, die Angreifer zu liquidieren.

Die Namen der Terroristen sind inzwischen bekannt. Alle vier stammen aus zentralasiatischen früheren Sowjetrepubliken. Es wird noch nach weiteren Personen gefahndet. Vor zwei Wochen hatte es bereits einen ähnlichen Vorfall auf dem Territorium der Tschetschenischen Republik gegeben.

Die Aufnahmen der getöteten Angreifer vom 23. März im russischen Fernsehen:  

Angriff in Tschetschenien am 23. März

In der Nacht zum 23. März griffen sechs Bewaffnete einen Stützpunkt der russischen Nationalgarde in der Siedlung Naurskaja an. Bei dem Angriff starben sechs Soldaten und ebenso viele Angreifer. Drei weitere Soldaten wurden verletzt. Dem russischen Nachrichtenportal RBC zufolge konnten zwei der Kämpfer fliehen.

Bewaffnete hatten in den frühen Morgenstunden einen Stützpunkt der russischen Nationalgarde in der Kaukasus-Republik Tschetschenien angegriffen, vermutlich um Waffen in ihren Besitz zu bringen. Die Soldaten hätten den Angriff zurückgeschlagen, hieß es vonseiten der Behörden.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat einem Agenturbericht zufolge die Verantwortung für den Angriff auf den Stützpunkt in der Kaukasus-Republik übernommen. Weitere Einzelheiten sind bislang nicht bekannt.

Das Bild von einer Überwachungskamera in Sankt Petersburger Metro.

Krieg gegen den terroristischen Untergrund 

In der Region Nordkaukasus tobt seit Jahren ein unterschwelliger Krieg gegen terroristischen Untergrundkämpfer. In den letzten Jahren haben viele Extremisten der Terrormiliz IS ihre Treue geschworen. Allein in Januar meldeten die Rechtsschutzorgane in diesem Zusammenhang insgesamt 60 Festnahmen.

Im Zuge eines Sondereinsatzes haben die Mitarbeiter des republikanischen Innenministeriums und der Verwaltung des Föderalen Dienstes der Truppen der Russischen Garde ein verzweigtes Netz von Extremisten aufgedeckt und neutralisiert. Die Verdächtigen hatten Waffen eingekauft und gelagert, Terroranschläge auf dem Territorium des Nordkaukasischen Föderalen Bezirkes vorbereitet und junge Leute für den IS angeworben", meldete damals ein Sprecher der Sicherheitsorgane.

Vier Extremisten hätten in diesem Zusammenhang bewaffneten Widerstand geleistet und seien der Quelle zufolge getötet worden. Wie sie ergänzte, hatte das in Tschetschenien zerschlagene IS-Netzwerk mehrere größere Verbrechen im Nordkaukaus vorbereitet.

Dass sich in den letzten Wochen tatsächlich eine Reihe von Terroranschlägen ereigneten, konnte also niemanden überraschen. Es unterstreicht eher, dass die Nationalgarde gut daran tut, sich dem eigenen Selbstverständnis zufolge "an der vordersten Front des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus" zu begreifen.