"Präventivschlag im Sinn": Russland zu NATO-Statisten in Bayern

"Präventivschlag im Sinn": Russland zu NATO-Statisten in Bayern
Ein US-amerikanischer Militärangehöriger während der NATO-Übung Agile Spirit 2016 auf dem Übungsplatz "Orfolo" in Georgien, 9. September 2016.
Eine auch auf Behördenseiten veröffentlichte Stellenanzeige sorgt weiter für scharfe Kritik in Russland. Für eine Militärübung sucht die NATO russischsprachige Statisten. Anlass für Witze gibt der Vorstoß der Amerikaner allerdings auch.

Es hat nicht lange gedauert, bis sich die parlamentarischen Schwergewichte der Russischen Föderation zum geplanten Einsatz vermeintlicher russischer "Viehzüchter" beim US-Militär in Deutschland zu Wort meldeten. Reihum kritisierten sie die Einsatzpläne.

Mit diesen Übungen bestätigen die NATO und die USA, dass unsere Besorgnis hinsichtlich des Aufstellens der schnellen Einsatzgruppen in Polen und der Technikbewegungen in Richtung baltischer Länder begründet ist", erklärte Alexej Puschkow, der Vorsitzende des Komitees für Informationspolitik im Föderationsrat.

Das Vorhaben sage viel über die Pläne aus, irgendwann Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ostukraine und Russlands zu führen, fügte der Politiker hinzu. Die NATO stütze ihre Existenzbereichtigung einzig auf den Mythos einer vermeintlichen russischen Bedrohung und auf der Grundlage dieses Mythos setze sie ihre Expansion fort.  

Diese Meinung teilte auch der Vorsitzende des Komitees für internationale Fragen in der Staatsduma, Leonid Slutzki.

Es ist ganz offensichtlich, dass dabei eventuelle Kampfhandlungen gegen den potenziellen Gegner Russland trainiert werden", so Slutzki gegenüber RIA Nowosti.

Der stellvertretende Vorsitzende des Komitees für Verteidigung und Sicherheit im Föderationsrat, Franz Klinzewitsch, will aus dem Statisteneinsatz Konsequenzen ziehen:

Diese Übungen werden auf jeden Fall die Möglichkeiten für einen zivilisierten Dialog zwischen NATO und Russland verengen. Sie sind sehr provokativ aufgeladen.

Einige Experte sehen in den Übungen Anzeichen für weitreichende Pläne. Der langjährige Berater des Verteidigungsministeriums, Konstantin Siwkow, mutmaßt, das angekündigte Üben mit Zivilisten offenbare, dass die US-Amerikaner ernsthaft über die Möglichkeit eines präzisen atomaren Präventivschlags nachdenken.

Pentagon: NATO-Übung mit

Seiner Meinung nach hat die atomare Abrüstung dazu geführt, dass die beiden Nuklearmächte USA und Russland einander im Falle eines atomaren Krieges nicht mehr mehrfach vernichten können. Das macht einen zwar opferreichen, aber für die eigene Seite nicht mehr vernichtenden Schlag in der Tendenz wahrscheinlicher, sollten gewisse Kräfte in die Versuchung kommen, den militärischen Rivalen doch per Nuklearschlag ausschalten zu wollen.

Für die Situation "danach" werde nun offenbar auch geübt – und ein Auftreten als Besatzungsmacht. Mit konventionellen Waffen würden USA und NATO demnach keinen Krieg mit Russland wagen, per Präventivschlag schon.

Bei aller Entsetzlichkeit dieser Verschwörungstheorie bleibt allerdings festzuhalten, dass den USA in der Tat das Konzept eines Präventivschlages nicht fremd ist.

Der Experte des Deutsch-Russischen Forums, Alexander Rahr, ein sowohl in Deutschland als auch in Russland gefragter Autor, hält die Geschichte mit den Statisten für äußerst unangenehm. Er erwartet eine Reaktion vonseiten der deutschen Öffentlichkeit.

Ein Stadteinwohner betrachtet die US-Militärtechnik, die im Laufe der Operation Dragoon Ride II in Riga, Lettland ausgestellt wurde. Die Technik war unterwegs zu Kriegsübungen auf dem Territorium baltischer Staaten unter der Bezeichnung Saber Strike 2016; Datum: 13. Juni 2016.

Diese blieb aber bis jetzt aus. Das deutsche Verteidigungsministerium wich der russischen Anfrage aus und verwies auf die "ausländischen Kräfte, die in Deutschland stationiert sind". Einige Zeitungen versuchen die Dreistigkeit des Statisteneinsatzes durch den Vergleich mit dem spielerischen Üben an der historischen Reichstagsruine in einem russischen patriotischen Freizeitpark zu relativieren.

Dieser Vergleich greift jedoch keineswegs. Während es beim Statisteneinsatz um eine echte Militärübung in einer Hochsicherheitszone ausländischer Streitkräfte geht, betrifft der russische Fall nur ein Spiel in einem thematisch auf das Militärische ausgerichteten Vergnügungspark.

Trotz aller Brisanz sorgte die Nachricht aus Deutschland aber auch für Späße. In einer der Talkshows hielt einer der eingeladenen Politiker es für realitätsfern, dass die eingestellten Russen im Falle eines absoluten Alkoholverbots tatsächlich erscheinen würden. Auch Karikaturisten reagierten prompt: