Russischer Sicherheitschef: Anstieg von Cyberattacken auf Russland inmitten von US-Hacking-Hysterie

Russischer Sicherheitschef: Anstieg von Cyberattacken auf Russland inmitten von US-Hacking-Hysterie
Symbolbild
Während die USA weiterhin öffentlich Russland diverse Hacker-Angriffe vorwerfen ohne dafür Beweise vorzulegen, nutzen sie tatsächlich aktiv ihre eigenen Vorsprung im Netz für Überwachungs- und Geheimdienstzwecke, so Russlands Sicherheitschef Nikolai Patruschew.

„Obamas Regierung wirft Russland Hackerangriffe vor ohne irgendwelche Beweise vorzulegen, aber ignoriert dabei absichtlich den Fakt, dass alle großen Server sich auf US-Territorium befinden und von Washington für Geheimdienstzwecke und andere Ziele genutzt werden, um die US-Dominanz in der Welt zu erhalten“, sagte der Vorsitzende von Russlands Sicherheitsrat, Nikolai Patruschew, in einem Interview mit Rossiskaja Gaseta.

Er betonte auch, dass Moskau „eine wachsende Zahl von Versuchen sah, die russischen Informationssysteme aus dem Ausland zu beschädigen.“ Diese Versuche beinhalteten „Hacker-Angriffe und nicht-sanktionierte Sammlung persönlicher Daten“, wozu globale Internet-Operatoren und Provider verwendet wurden. Die Methoden dieser Cyberattacken würden sich konstant „entwickeln“.

Der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper

Patruschew fuhr fort mit der Aussage, dass Russland das Ziel eines internationalen Systems anstrebe, welches auf gemeinsamen Regeln verantwortlichen Verhaltens im Cyberspace basiere und auf jedes Land anwendbar sei. Er fügte hinzu, dass Russland außerdem konstant sein System zur Abwehr von Bedrohungen der Cybersicherheit verbessere.

Zuvor hatte der Sprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, in einem Interview gegenüber NBC News gesagt, dass Russland den US-Verantwortlichen den Vorwurf macht, sie würden versuchen in seine Regierungsserver einzubrechen, trotz vieler Attacken auf die Webseite der Kreml-Verwaltung aus dem Territorium der USA.

Die offizielle Webseite des russischen Präsidenten „ist jeden Tag hunderten und manchmal sogar tausenden Angriffen ausgesetzt“, sagte Peskow und fügte hinzu: „manche Hacker greifen diese Seite vom US-Territorium an“, während andere dies „aus China, Indien oder europäischen Staaten“ täten.

„Jedoch führt dies nicht zu einer Situation in der wir sagen, dass Präsident Obama dies angeordnet hätte und dass das Weiße Haus dahinterstecke“, sagte er und fügte hinzu, dass solche Anschuldigungen als Unsinn betrachtet werden würden.

Im November berichtete NBC, dass es dem US-Militär gelungen sei, in die Server des Kreml sowie in die Kommandosysteme der russischen Energieversorger und Telekommunikationssysteme einzudringen. Dabei drohten sie an, eine „Cyberwaffe“ zu nutzen, wenn es zu einem größeren Hackerangriff auf die USA kommen sollte.

Peskow antwortete damals, dass Moskau über ausreichende Cybersicherheit verfüge, um solche Angriffe abzuwehren.

Die USA haben Russland wiederholt vorgeworfen, für Hackerangriffe und Einmischung in die US-Wahlen des letzten Jahres verantwortlich zu sein. Am 6. Januar veröffentlichten die US-Sicherheitsdienste die öffentlichen Ergebnisse ihrer Ermittlung in vermeintliche Einmischung Russlands in die Präsidentschaftswahlen 2016.

Der Bericht beinhaltete keine Beweise für russische Einmischung und stützte sich stattdessen auf Analysen der CIA, des FBI und der der NSA, die sich auf Geheimdiensterkenntnisse dieser drei bezogen. Die CIA und das FBI haben „großes Vertrauen“ in die Ergebnisse des Berichts, während die NSA nur „moderates Vertrauen“ hat.

Die ehemaligen Staatsoberhäupter Russlands und der USA Boris Jelzin (L) und Bill Clinton (R)

Die Schlussfolgerungen in diesem Dokument basieren auf „dem Verhalten von Kreml-loyalen politischen Figuren, Staatsmedien und pro-Kreml Social-Media Nutzern, diese alle benutzt der Kreml entweder direkt, um seine Inhalte zu transportieren oder sie sind dem geneigt.“

Obama macht Russland zum Sündenbock für verfehlte Innenpolitik

Der Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates kritisierte Obama auch dafür, die Beziehungen beider Länder auf einen historischen Tiefststand gebracht zu haben. Außerdem hätte er die Beziehungen Russlands zur NATO und EU geschädigt, um von seinen eigenen innenpolitischen Fehlern abzulenken.

Patruschew sagte der Rossiskaja Gaseta, dass er den Eindruck hatte, „dass die Demokratische Partei [der USA] Russland für ihre eigenen Fehler verantwortlich macht“. Gleichzeitig sagte er, dass es das Versagen der Regierung Obamas in der Innenpolitik sei und nicht imaginäre russische Einflussnahme, die zu Trumps Wahlsieg geführt hätte.

Er betonte auch, dass Barack Obamas Außenpolitik die US-russischen Beziehungen auf ein Minimum reduziert habe und zu den wachsenden Spannungen zwischen Russland, NATO und EU beiträgt. Die Handlungen der USA resultierten in einer aggressiveren NATO-Politik, fügte er hinzu.

Patruschew hob besonders hervor, dass NATO Kriegsschiffe ihre Präsenz im Schwarzen Meer verdreifacht hätten. Die Intensität der NATO Aufklärungsflüge in der Nähe der russischen Grenze hat sich verdoppelt, während die Zahl der Flüge mit Flugwarnsystemen sich in dieser Gegend verneunfacht hat, sagte er.

Er fuhr fort, dass die USA weiterhin ihr Raketenabwehrschild in Europa aufbauen, indem sie ABM-Systeme (Flugabwehrraketen) in zwei osteuropäischen NATO-Ländern - Rumänien und Polen – sowie in Südkorea stationieren:

Gemeinsame Bemühungen des Westens richten sich insbesondere an die Unterbrechung des Integrationsprozesses in Russland und die Idee eines 'russischen Raums'. Dadurch wird die Sicherheit Russlands und einer Anzahl anderer Staaten bedroht.

Er kritisierte auch Obamas Regierung für ihren Widerwillen, mit Russland effektiv zusammenzuarbeiten beim Kampf gegen Terrorgruppen: „Unglücklicherweise, verkündete Obamas Regierung mehr als sie tat bei der Kooperation mit uns. Es reduzierte schließlich die Anti-Terror Kooperation in Syrien bis auf null“.

Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass Russland „konstruktivere Beziehungen“ zu der neuen Regierung aufbauen könne:

„Ich glaube, dass einige Gelegenheiten für konstruktive Kooperation mit den USA sich auftun werden in den Bereichen des Anti-Terror-Kampfs, Cybersicherheit und einigen anderen Gebieten.“

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