Alarmierende AIDS-Statistiken in Russland - Drogenkonsum als primärer Risikofaktor

Alarmierende AIDS-Statistiken in Russland - Drogenkonsum als primärer Risikofaktor
In der Russischen Föderation ist es vor allem der in einigen Regionen und Bevölkerungsgruppen alarmierende Drogenkonsum, der dazu führt, dass sich auch das HIV-Virus rapide ausbreiten kann.
Im Jahr 2015 wurden bereits 95.000 neue Fälle registriert. Diese Zahl steigerte sich 2016 erneut. Das bedeutet, dass sich täglich mehr als 250 Menschen mit HIV ansteckten. Die Verbreitung verläuft ungebremst. Seit den späten 1980er Jahren sind in Russland etwa 220.000 Menschen an AIDS gestorben.

Schätzungen zufolge ist etwa eine halbe Million Russen mit HIV infiziert, wobei eine Erkrankung an AIDS aber noch nicht diagnostiziert ist. In absoluten Fallzahlen lag Russland demnach im vergangenen Jahr sogar auf dem dritten Platz in der weltweiten Nationenliste mit den meisten Fällen von Neuansteckungen. Das behauptet jedenfals Vinay Saldana, der Regionaldirektor für Osteuropa und Zentralasien des UN-Programms UNAIDS.

Im Jahr 2016 wurde die Situation nicht besser. Von Januar bis September 2016 registrierten die Behörden bereits um 1,9 Prozent mehr neue HIV-Infektionen als im Vorjahr.

Eines der Motive aus der neuen AIDES-Kampagne.

Man darf die Menschen nicht beruhigen und ihnen sagen, dass bei uns alles wunderbar ist, sagt Wadim Pokrowski, Leiter des Föderalen Aids-Zentrums. Die Menschen müssen verstehen, dass das Risiko mit jedem Tag steigt.

Das Land befinde sich im Übergang zu einer "allgemeinen Epidemie", bei der mehr als ein Prozent der Bevölkerung infiziert ist, erklärt Pokrowski. In 15 russischen Regionen wurde diese Grenze überschritten. Dort sind mehr als ein Prozent aller schwangeren Frauen erkrankt.

An der Spitze der gefährdeten Gebiete stehen die Ural-Region um Jekaterinburg, die sibirischen Regionen Irkutsk und Kemerowo sowie das Gebiet Samara an der Wolga: "Wenn wir jetzt nicht beginnen, gegen HIV zu kämpfen", warnt der Experte, "können wir in fünf Jahren die Länder Afrikas einholen."

In den 1990er Jahren verbreitete sich das Virus in Russland vor allem unter Drogenabhängigen. Auch jetzt erfolgt die Neuansteckung in mehr als der Hälfte der Fälle beim intravenösen Drogenkonsum. Über heterosexuellen Geschlechtsverkehr infizierten sich im vergangenen Jahr 47 Prozent, 1,5 Prozent bei homosexuellem Sex.

Doch das Virus verbreitet sich immer schneller auch außerhalb der bekannten Risikogruppen wie Drogenkonsumenten, Prostituierten oder homosexuellen Männern. Im Jahr 2015 wurden zudem zwölf Fälle registriert, in denen ein Verdacht auf Neuansteckung in Krankenhäusern bestand.

In einigen Gegenden des Landes sind bis zu fünf Prozent der Männer zwischen 20 und 40 mit HIV infiziert. Die russische Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa warnt, dass die Epidemie bis 2020 außer Kontrolle geraten und die Zahl der Infizierten bis dahin um 250 Prozent wachsen könnte.

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Die überwiegende Mehrheit der HIV-Neuinfektionen geht auf die Nutzung schmutziger Nadeln zurück. Obwohl Russland mit 146 Millionen Menschen nur etwa 1,9 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, starben dort im Jahr 2010 rund ein Drittel aller weltweiten Heroinopfer. Laut der Föderalen Agentur zur Drogenkontrolle sterben jährlich rund 90.000 junge Menschen zwischen 15 und 34 Jahren an Überdosen.

Insgesamt sind nach staatlichen Angaben zwischen acht und neun Millionen Menschen von verschiedenen Drogen abhängig. Hinzukommt ein hochgiftiges Heroin-Substrat, das sich seit den frühen 2000er Jahren in Russland verbreitet. Das sogenannte "Krokodil" kann billig auf der Basis von einfachen Substanzen aus der Apotheke hergestellt werden. Nach Schätzungen sind in Russland seit 2002 zwischen einer und drei Millionen Menschen von Krokodil abhängig geworden. Die durchschnittliche Rest-Lebenserwartung der von dieser Droge Abhängigen beträgt nur ein Jahr. Die Droge zersetzt die Organe von innen heraus und führt zu einem qualvollen Tod.

Die russische Regierung hat die Substanzen, aus denen Krokodil hergestellt wird, im Jahr 2012 verboten, seitdem sind die Zahlen wieder leicht rückläufig. Die mörderische Droge hat sich inzwischen jedoch auch in Westeuropa, Lateinamerika und vor allem in den USA verbreitet. 

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