Trump-Wetten werden in Russland gerne ausbezahlt - Wie "Russia Insider" Trumps Sieg voraussagte

Trump-Wetten werden in Russland gerne ausbezahlt - Wie "Russia Insider" Trumps Sieg voraussagte
US-Journalist Max Blumenthal (links) und Charles Bausman, der Chefredakteur von Russia Insider, auf der RT-Konferenz "Information, Botschaften, Politik: Die Kräfte der Veränderung in der heutigen Welt"; Moskau, am 15. Oktober 2015.
Der russische Präsident hat Donald Trump die Hand ausgestreckt, einige Duma-Abgeordnete applaudierten zum Ergebnis der US-Wahl. Andere Stimmen mahnen, Trump könnte unberechenbar sein. Wirklich enttäuscht ist in der russischen Politik aber niemand.

In Russland wagten es nicht wirklich viele, in der Öffentlichkeit den Ausgang der US-Wahlen vorherzusagen. Unter dem Eindruck des breit angelegten Trump-Bashings in den westlichen Leitmedien waren die meisten Beobachter der Überzeugung, Trump wäre für Russland ein besserer Präsident, aber das Establishment würde seinen Sieg schon irgendwie verhindern können. Auf jeden Fall hielt man Donald Trump den Umstand zugute, dass er in seinem Wahlkampf nicht auf antirussische Rhetorik gesetzt hat.

Russia Insider wird zum Amerika-Insider und gewinnt eine Kiste Kwas  

Der in Russland und den USA lebende Deutsch-Amerikaner Charles Bausman, der als Gründer des Nachrichtenportals "Russia Insider" Bekanntheit erlangte (RT berichtete), machte aus seiner Unterstützung für Trump keinen Hehl. Er hat zudem auch dessen Sieg prognostiziert. Zu groß sei der Wunsch in der amerikanischen Gesellschaft nach Veränderungen. Und Trump sei alles andere als blöd, auch sein Team sei kompetent genug.

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Mit solchen Aussagen trat er auch in russischen Medien auf, wie z. B. auf Radiovesti am 5. September in der Sendung von Dmitri Kulikow. Der Skepsis seiner Gesprächspartner begegnete Charles Bausman mit Argumenten wie jenem, dass Trump sich in seinem Wahlkampf zum ersten Mal explizit an das traditionelle weiße, so genannte "normative Amerika" wende. Dieses empfindet er als schützenswert und das sei "präzedenzlos".

Auch das Argument, Trump sei ein Rassist, habe sich nicht bewährt. Der Milliardär wandte sich auch persönlich an die Schwarzen und trat in einer Kirche vor Afroamerikanern auf. Nachdem er die Errichtung einer hohen Mauer an der 3.200 Kilometer langen Grenze zu Mexico versprochen hatte, reiste er nach Mexiko und sprach mit dem dortigen Präsidenten Enrique Peña Nieto. Im Endeffekt stimmte 30 Prozent der Menschen mit lateinamerikanischen Wurzeln, der so genannten Hispanics, für ihn. Das waren mehr als noch vier Jahre zuvor Mitt Romney ihre Stimme gegeben hatten.

Damit habe Trump zwar seinen Wahlkampf tatsächlich ganz rechts angefangen, dann aber zunehmend die Mitte der Gesellschaft für sich gewonnen:  

Der Präsidentschaftskandidat Donald Trump ist ein Kehrer, der am Rand anfängt zu kehren und dann arbeitet er sich in die Mitte vor", sagte Bausman im damaligen Radiointerview.

In diesem Moment stand auch schon die Wette, die er Monate zuvor mit dem Moderator der Radiosendung, dem Politologen Dmitri Kulikow, abgeschlossen hatte. Eine Kiste Kwas, eines erfrischenden traditionellen Brotgetränks aus Russland, sollte derjenige "stellen", der die Wette verliert. Dmitri Kulikow glaubte an den Sieg von Hillary Clinton und damit auch an die Macht der westlichen Medien, die Trump am Ende doch noch "wegarbeiten" würden.

Am 11. November suchte der Verlierer während seiner Live-Sendung Charles Bausman in New York auf und gratulierte ihm zum Sieg bei der Wette.

Den Gewinn werde ich absolut gerne übergeben, wenn du zurück in Moskau bist", sagte er.

Aufatmen - ja, Entspannen - nein: Russland ordnet Trump ein

In seiner Einschätzung der Chancen auf eine Beilegung der gegenwärtigen geopolitischen Krisen mit dem neuen Präsidenten ist Dmitri Kulikow trotzdem vorsichtig. Der Hauptunterschied zwischen Clinton und Trump bestehe nur darin, dass Clinton meine, es gebe keine Probleme und ein selbstgefälliges Gefühl des "Wir sind großartig" verbreite. Amerika sei allen überlegen und man brauche nichts an dem System zu ändern, um weiter voranzukommen - zumal, wenn etwas schiefgeht, ohnehin die Russen die Schuld an allem hätten. Trump dagegen sei der Ansicht, es gebe Probleme. Mit ihm bekomme sein Land und damit auch die Welt die Chance, über sich selbst nachzudenken und damit der Lösung der Probleme näher zu kommen.  

Die Expertenmeinungen bezüglich der Perspektiven, die Amerika, Russland und die Welt nun hätten, gehen in Russland weit auseinander. Zudem wird über die politische Einordnung der amerikanischen Wahl aus innenpolitischer Sicht diskutiert.

Der deutsche Mainstream lässt keine Zweifel daran, was von Trump zu halten ist.

Einschlägig ist dabei die Ansicht, man habe es hier mit einer "konservativen Revolution" zu tun. Durchgesetzt hätten sich diejenigen, denen die Schaffung von Arbeitsplätzen in ihrer Kleinstadt wichtiger ist als die Eindämmung des weit entfernten Russlands und die den Erhalt der traditionellen Familie für wichtiger halten als die Rechte von Homosexuellen irgendwo in Kiew.

Gewählt hätten diejenigen, die weiterhin "normal" bleiben und keine von der neoliberalen Elite propagierten Gesellschaftsexperimente hinsichtlich der menschlichen Physiologie und Identität über sich ergehen lassen wollen. Die hysterische Reaktion vonseiten amerikanischer Sportlerinnen, die in dieser Hinsicht als besonders "fortschrittlich" gelten, auf den Trump-Sieg zeigten, welchen Nerv seine Wahl tatsächlich getroffen habe, meint Star-Moderator Wladimir Solovjew, einer der bedeutenden Meinungsmacher des Landes.

Andere, wie der Amerikanist Andrej Besrukow, der als Langzeitspion zwei Jahrzehnte lang in den USA gelebt hatte und dem so genannten Agentenring um Anna Chapman angehört hatte, meinen, die USA durchlaufen eine Wende, wie sie die amerikanische Geschichte alle 40 bis 50 Jahre unter unterschiedlichen Vorzeichen erlebe. In diesem Fall konkurrierte die im Inland verankerte Groß- und Ölindustrie, deren Kandidat eher Trump war, mit transnational ausgerichteten Bankeliten, die Hillary Clinton vertrat. Eine Verbesserung für Russland würde Trumps Sieg daher kaum bringen.

Denkt in geschichtlichen Großbildern: Der Filmregisseur Karen Schachnasarow.

Der berühmte Filmregisseur und Leiter des traditionsreichen Studios "Mosfilm", Karen Schachnasarow, ist seit Jahren ein gern gesehener Talk-Gast. Zum Verhältnis zwischen Russland und dem Westen hat er eine eigene, spezielle Meinung, die eher auf die geschichtliche Metaebene abzielt. Der bekennende "Sowjetapologet" sieht für sein Land in der Gegnerschaft zum Westen eine Art Schicksal, die es dazu zwingt, immer stark zu sein.

Deutsche Zeitungen auf einem Verkaufsständer, Berlin, Deutschland, 16. April 2014.

Es sei für ihn entsprechend auch konsequent, dass das westliche System mit dem Kommen von Donald Trump direkt an seiner Spitze eine Korrektur erfährt. Dies sei aber für Russland kein Anlass zur Entspannung. Es sei eher so, dass Amerika als Imperium nun mal in seiner Geschichte ähnlich wie das Alte Rom den Wechsel von der Republik zum Kaiserherrschaft erlebt. Es könne also durchaus sein, dass das Gerede von der "Demokratie" eines Tages über den Haufen geworfen wird, sollte sich dies als geschichtlich erforderlich erweisen. Bis sich das System im Westen neu ordnet, hätte Russland ein paar Jahre Zeit, seine Hausaufgaben zu machen, bis sich der Wettlauf aufs Neue entflammen würde.

Solcherart Skepsis bezüglich des Sieges "seines" Kandidaten dürfte dem Medienmacher Charles Bausman doch etwas die Stimmung trüben. Es herrsche ein großes "Missverständnis", so Bausman. Wenn er zurück in Russland sei, werde er den Russen noch einmal ausführlich den Präsidenten Donald Trump erklären müssen.

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