Trump-Straße statt Gottlose Straße: Skurille Petition wirbt in Rjasan für neue Toponymen

Trump-Straße statt Gottlose Straße: Skurille Petition wirbt in Rjasan für neue Toponymen
Ausschnitt aus yandex.maps. Verzeichnet ist die Gottlose Straße.
Die Einwohner der russischen Stadt Rjasan wollen nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentenwahlen eine Straße nach ihm benennen. Die Petition sei aber zum Scheitern verurteilt, sagt der Leiter der gesellschaftlichen Umbenennungskommision.

Die Erste und Zweite Gottlose (Безбожная) Straße sind seit langem ein Dorn im Auge vieler Einwohner der russischen Großstadt Rjasan, circa 200 km südöstlich von Moskau mit 550.000 Einwohnern. Sie sind im Zuge der Religionsbekämpfung in den 1920er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei einer groß angelegten Umbenennungkampagne entstanden. Früher hießen sie die Erste und die Zweite Bannaja Straßen.

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Die Straßennamen sollten zur Zeiten der Sowjetunion die Aufgaben der politischen Erziehung erfüllen. In jeder Stadt gab es eine Kommunistische, Sowjetische oder Arbeiterstraße, dann folgten obligatorische Lenin-, Marx- und Engelsstraßen und Plätze, dann abertausende andere Straßen und Ortsnamen, benannt nach Revolutionsanführern, Kriegshelden oder lokalen Funktionären.

Seit Ende der 1980er schwenkte diese Tendenz um und die Toponymik begann zunehmend vorsowjetische Namen zu bekommen. Zu einem radikalen Kulturkampf wie in der Ukraine, dem nun im Zuge der „Entkommunisierung“ alle sowjetischen und viele russische Spuren aus der Topographie zum Opfer fallen sollen, ist es jedoch nicht gekommen. Dennoch gibt es noch genug Straßennamen, die viele Russen auf ihren Stadtplänen lieber anders sehen wollen. Genauso seltsam ist auch eine Straße der Enthusiasten, die in Rjasan zum Friedhof führt.

Seit 28 Jahren tagt in Rjasan die sogenannte topografische Kommission, die bereits 27 Umbenennungen durchgeführt hat. Die beiden Gottlosen-Straßen stehen seit langem zur Disposition. Zumal dort mehrere alte Holzhäuschen stehen, in denen meist alte fromme Kirchengängerinnen leben. Nun aber wollen bereits 170 Einwohner auf dem Portal change.org per Petition eine Skurrilität durch eine andere ersetzen und der Straße den Namen des frisch gewählten amerikanischen Präsidenten geben.

Allein an sich widerspricht der Name „Gottlose Straße“ russischen Werten und verletzt die Gefühle der Gläubigen. Und der vor kurzem gewählte Präsident der USA Donald Trump ist großer Freund Russlands und der Verteidiger der traditionellen Werte“, heißt in der Begründung.

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Wenn die Petition 200 Stimmen erreichen soll, muss der Stadtrat sich der Sache annehmen. Doch der langjährige Chef der Kommission, Nikolai Bulytchew, mahnt die Aktivisten schon im Vorfeld, die Anfrage könne nur abgelehnt werden:

Zwar ist dieser Vorschlag nicht ohne Humor, ich muss aber vorwarnen, dass er unseren normativen Dokumenten widerspricht. Die Namensverleihung darf erst fünf Jahre nach dem Todestag der jeweiligen Personen erfolgen. Donald Trump ist zum Glück noch am Leben. Zum zweiten, wir vergeben den Straßen keine neuen Namen, sondern stellen die alten Namen wieder. Den alten Namen Bannaja Uliza wollten die Einwohner auch nicht haben. Die Straßen werden später einfach aufgelöst und die Häuser auf andere Straßen umgelegt."

Doch das kann noch dauern. Die Straßen dienen in erster Linie dem Zweck der Geoidentifizierung. Für Wirtschaft und Behörden sei es aufwendig und kostspielig sich an die neue Toponymik anzupassen, warnen die Stadtökonomen.