Tränen statt Horror: Weltberühmter Clown und Zirkuslegende Oleg Popow erliegt einem Herzstillstand

Tränen statt Horror: Weltberühmter Clown und Zirkuslegende Oleg Popow erliegt einem Herzstillstand
Oleg Popow bei der Premiere seines neuen Programms "Möge die Sonne immer scheinen" am Rostower Staatszirkus; Rostow, Oktober 2016
Die Welt trauert um einen der bedeutendsten Zirkusartisten der Geschichte. Oleg Popow verstarb im Alter von 86 Jahren friedlich und unvermittelt während einer Tournee im Süden Russlands.

Die Welt trauert um den wohl größten Artisten seiner Zunft, Oleg Popow. Der als Clown berühmt gewordene Popow, mit vollem Namen Oleg Konstantinowitsch Popow, begeisterte weltweit Millionen und fand seine größte Freude darin, auf seine einzigartige Art und Weise Kinder und Erwachsene zum Lachen zu bringen. Nun verstarb der weltweit verehrte Clown während einer Tournee im südrussischen Rostow am Don friedlich beim fernsehen.

„Sonnenclown“ Oleg Popow ist tot

Nach Angaben des Direktors seiner letzten Zirkus-Station, Dmitri Reznitschenko, erlag Popow am Mittwoch, dem 2. November, in seinem Hotel einem Herzstillstand. Reznitschenko zufolge gab es keine Anzeichen für Beschwerden aufseiten des Clowns, er "sah einfach nur fern". Noch heute ist der legendäre Oleg Popow für weite Teile der russischen Bevölkerung ein Idol. In den 1970er-Jahren arbeitete er unter anderem für das sowjetische Fernsehen. Insbesondere die Sendung "Budilnik" war ein sonntäglicher Straßenfeger.

Während dieser Zeit wuchs seine Popularität in derart schwindelerregende Höhen, dass sein Konterfei sogar zu Werbezwecken für eine Schokoladenmarke genutzt wurde. Der russische Kulturminister Wladimir Medinski erwies dem verstorbenen Popow denn auch bereits die letzte Ehre und erklärte in einem Nachruf, dass dessen künstlerische Fertigkeiten "Generationen […] Freude und Güte gebracht haben".

Berühmt wurde Popow mit der Rolle des "Iwanuschka", einem Pendant zum deutschen Hans im Glück. Typisch für seine Rolle: die weiß-schwarz karierte Clownsmütze, die wüste blonde Perücke, die schwarze Samtjacke und die rote Fliege.

Popow wurde am 31. Juli 1930 in Wyrubowo bei Moskau in ärmlichen Verhältnissen als Sohn von Konstantin Popow und dessen Frau Maria Michailowna geboren. Sein Vater war Uhrmacher und bereits einen Monat nach Olegs Geburt zieht die Familie in eine Wohnung nach Moskau. Diese muss sie sich mit zwei anderen Familien teilen und das Essen ist rationiert. Olegs frühe Kindheit ist geprägt von Armut und Hunger.

Nachdem der später von der französischen Journalistin Jacqueline Cartier auch "Sonnenschein-Clown" [Clown Soleil] genannte Popow schließlich eine Lehre als Schlosser bei der Zeitung "Prawda" begonnen und heimlich wieder abgebrochen hat, wird er im Alter von 14 Jahren in der Staatsschule für Zirkuskunst in Moskau aufgenommen. Oleg genießt die Ausbildung und wird dort unter anderem im Jonglieren, Tanzen, Singen, Musizieren, Trapez, Seiltanz, Ballett und der Mimik unterwiesen.

Im Jahre 1952 heiratet Popow Alexandra, eine Geigerin des Zirkusorchesters. Mit ihr bekommt er sein einziges Kind, Tochter Olga. Popows großer Moment kommt schließlich, als er für den bisherigen Star des Zirkus einspringt, Clown Pavel Borovik, der aufgrund eines Rippenbruchs nicht auftreten kann. Diese Fügung ist schließlich der Startschuss für die einzigartige internationale Karriere des legendären "Iwanuschka".

Im Jahr 1969 wird Popow für seinen minimalistischen Stil und seine einzigartige Fähigkeit, die Zuschauer in eine Parallelwelt der Freude und des Lachens zu entführen, schließlich mit dem Titel "Volkskünstler der Sowjetunion" geehrt. Im Laufe seiner mehr als 60 Jahre andauernden Karriere wird die Zirkuslegende mit internationalen Ehrungen überhäuft und erhält unter anderem 1981 in Monte Carlo den Goldenen Clown, den Oscar der Zirkusbranche.

Logo der Kindersendung

Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, einem Ausnahmekünstler vom Format eines Oleg Popow in wenigen Zeilen gerecht zu werden. Genau wie Komiker sind Clowns im wahren Leben oft komplexe, eher ernsthafte und nachdenkliche Menschen, die jedoch erkannt haben, dass Humor eine einzigartige Möglichkeit darstellt, um Menschen - sogar über die gesamte Erde hinweg - zu verbinden.

Im Jahr 2013 sagte Popow in einem Interview gegenüber dem ZEITmagazin:

Ich versuche, gut zu sein, aber man geht das ganze Leben über Dornen, bis man zur Blume kommt. Ich bin noch auf dem Weg. Erst wenn die Blumen auf meinem Grab liegen, bin ich angekommen.

Popow beherrschte die verbindende Sprache des Humors in vollendeter Perfektion und wird daher wohl auf ewig nicht nur in den Herzen der russischen Bevölkerung weiterleben. Nach Angaben des Zirkusdirektors Reznitscheko bat Popows Familie darum, ihn in Deutschland bestatten zu können. Popow hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sein Heimatland 1991 verlassen und lebte mit seiner deutschen Frau Gabriele Lehmann auf einem Bauernhof im fränkischen Egloffstein bei Nürnberg.

Trotz seines neuen Lebensmittelpunkts reiste er immer wieder für Engagements und Gastauftritte in seine russische Heimat, wo er nach wie vor vom Volk geliebt und verehrt wurde.