Kulturforum der Weltstädte 2016: Teilnehmer weisen antirussische Politik zurück

Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin (Mitte) mit den Teilnehmern des Kulturforums der Weltstädte in Moskau.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin (Mitte) mit den Teilnehmern des Kulturforums der Weltstädte in Moskau.
Kultur muss apolitisch bleiben, um ihre Aufgabe der Pflege des Gemeinsamen erfüllen zu können: So lautete der Tenor unter den Teilnehmern des jährlichen Kulturforums der Weltstädte, das diesmal vom 5. bis zum 7. Oktober in Moskau gastierte.

Hochrangige Vertreter der Kulturverwaltung aus New York, London, Madrid, Amsterdam, Seoul und zahlreichen anderen Metropolen haben im Rahmen des Kulturforums der Weltstädte vom 5. bis 7. Oktober Moskau besucht.

Das Kulturforum bot auch in diesem Jahr  Spitzenbeamten der Kulturabteilungen von mehr als 35 Großstädten aus aller Welt eine gemeinsame Austauschplattform. Ziel der Veranstaltung war es, die zentrale Rolle der Kultur für den Erfolg moderner Städte hervorzuheben und die im gemeinsamen Austausch erlangten Erkenntnisse in die Arbeit vor Ort einfließen zu lassen.

Justine Simons, die Leiterin des Kulturbereiches der Stadt London und Vorsitzende des Kulturforums, wies in ihrer Ansprache darauf hin, dass sie bezüglich möglicher Probleme infolge einer Reise nach Russland vorgewarnt wurde. Nichtsdestotrotz hielt sie die Wiederherstellung der kulturellen Beziehungen für wichtiger als die politischen Meinungsverschiedenheiten:    

Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich wegen meiner Reise nach Russland anlässlich des Kulturforums in Anbetracht der wegen Syrien zugespitzten Situation in der Weltpolitik Probleme bekommen werde. Ich antworte darauf, dass sowohl die Städte als auch ihre Bewohner viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Wir sind alle durch gemeinsame Ideen und Interessen vereint und diese kulturellen Beziehungen sind wichtiger als die Meinungsunterschiede der Politiker.

Ihrer Meinung nach sollte man zwischen den politischen Debatten und Diskussionen die menschlichen Werte nicht vergessen:

Insbesondere geht es um die Grundlage unserer Welt-Kultur. Ich denke, dass die kulturelle Sphäre im globalen Kontext sogar einflussreicher als die politische ist, weil sie auf gemeinsamen Positionen und nicht auf Differenzen aufgebaut ist. Wir freuen uns sehr, dass dieses Forum in Moskau - einer der am stärksten pulsierenden Städte der Gegenwart - stattfand. Dies ist ein weiterer Schritt, der uns hilft, unsere Länder trotz der Sanktionen näher zusammenzubringen. Man darf natürlich eine Isolation Russlands nicht zulassen, denn es ist unmöglich, sich die Weltkultur ohne Russland vorzustellen.

Noch deutlicher verurteilt Ana Méndez de Andés, die Beraterin der Stadt Madrid für Kultur und Sport, die antirussische Politik in den USA und der EU. Sie sieht das Ziel des Forums in einer Zusammenarbeit mit Russland:

Wie kamen absichtlich nach Moskau, vor allem, um Freundschaften zu erneuern, diese zu stärken und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Wir sollen zunächst einmal darüber nachdenken, wie wir zusammenkommen können. Es ist erforderlich, gemeinsame Ziele zu verfolgen und nicht auseinanderzudriften. Wir können in vielen Bereich Einfluss auf unsere Regierungen ausüben und wir sind für eine aktive Zusammenarbeit und Entwicklung der Beziehungen mit Russland.

Tom Finkelperl, New Yorks Beauftragter für Kultur, betonte, dass tiefe kulturelle Verbindungen den Ländern helfen werden, eine gemeinsame Sprache zu finden:

Die Fahrt auf der Rolltreppe der St. Petersburger U-Bahn dauert mehrere Minuten. Foto: Danilo Flores.

Wir haben nicht viel Einfluss auf die Legislative des Landes. Dennoch versuchen wir auf den uns zugänglichen Ebenen, die kulturellen Beziehungen zu reparieren. Wir führen gemeinsame Ausstellungen durch, verhelfen der Zusammenarbeit zwischen Museen und Galerien zu Erfolgen. Es ist ein langsamer Prozess, aber ich glaube, dass die Kultur an sich apolitisch sein muss, so dass die Politik auf unsere Aktivitäten und Vereinbarungen nicht einwirken kann.

Während des Forums wurden zahlreiche Vereinbarungen in Sachfragen erreicht und unterzeichnet. So gelang es den Teilnehmern, gemeinsame Kunst-Projekte zu planen, Ausstellungen zu realisieren und dadurch den Austausch von kulturellen Werten vorzubereiten. Der wichtigste Aspekt dabei ist, und auch darin stimmten die Teilnehmer überein, dass die kulturelle Kommunikation zwischen den Ländern trotz der politischen Ereignisse fortgesetzt wird.

Vladimir Philippov, der stellvertretende Leiter der Abteilung für Kultur der Stadt Moskau und Leiter des Organisationskomitees für die Ausrichtung des Forums, erklärte in einem Interview mit RT:

Kultur ist das, was uns verbindet und uns ermöglicht, das Unverständnis zu überwinden. Die Erkenntnis dessen ist ein weiteres wichtiges Ergebnis des Forums in Moskau.       

Das Kulturforum der Weltstädte ist eine internationale Veranstaltung auf höchstem Niveau, die im Jahr 2012 auf Initiative des Bürgermeisters der Stadt London ins Leben gerufen worden war. Die Einrichtung des Forums ließ ein führendes Netzwerk der Weltstädte entstehen, das die Bedeutung der Kultur für den Wohlstand und das Wohlergehen der Menschen in den Vordergrund stellt. Die bisherigen Schauplätze der jährlich stattfindenden Forumstreffen waren Istanbul, Amsterdam und London.