Kreml zum Cyberangriff auf WADA: "Wir sind es nicht gewesen"

Der Name und das denkbare Motiv der Gruppe Fancy Bear deuten einen möglichen Bezug der WADA-Hacker zu Russland an. Die Regierung in Moskau weist jedoch jedwede Anschuldigung zurück, in den Angriff involviert zu sein. 
Bild: Cybergesellschaft
Der Name und das denkbare Motiv der Gruppe Fancy Bear deuten einen möglichen Bezug der WADA-Hacker zu Russland an. Die Regierung in Moskau weist jedoch jedwede Anschuldigung zurück, in den Angriff involviert zu sein. Bild: Cybergesellschaft
Am Dienstag hat die Hackergruppe Fancy Bear Dokumente aus der Datenbank der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) geleakt, die handfeste Beweise für systematisches Doping unter US-Sportlern liefern. Der Kreml dementiert jegliche Verwicklung in den Angriff.

"Russland ist keineswegs in den Cyberangriff auf die WADA verwickelt", trat Kreml-Sprecher Dmirti Peskow am Dienstag jedweden Vorwürfen entgegen, russische Regierungsstellen könnten hinter dem unerlaubten Eindringen in die Datennetze der Dopingagentur stecken.

Quod licet Iovi, non licet bovi. Während die Anti-Doping-Agentur WADA den russischen Sportverbänden einen vermeintlich systematischen Einsatz verbotener Präparate vorwarf, drückte man bei US-Athleten gerne mal beide Augen zu.

Wir können mit aller Sicherheit behaupten, dass die Verwicklung des Kremls, der Regierung oder der Geheimdienste in den Einbruch in die WADA-Datenbank nicht in Frage kommt. Absolut ausgeschlossen", teilte Dmitri Peskow Journalisten mit.

Die WADA hatte umgehend nach Bekanntwerden der Enthüllungen den Verdacht geäußert, die Spuren zu den Verantwortlichen für den Hack könnten in die Russische Föderation reichen. Auch westliche Medien witterten einen Racheakt für das Vorgehen der WADA gegen russische Sportler im Umfeld der jüngsten Olympiaveranstaltungen. Die russische Regierung sieht sich jedoch zu Unrecht einer vermeintlichen Mitwisserschaft verdächtigt.

Diese Beschuldigungen […] machen der Organisation wenig Ehre, so lange dafür keine stichhaltige Begründung angeführt wird", weist Kreml-Sprecher Peskow die WADA-Vorwürfe zurück. "Ich weiß nicht, ob diejenigen, die solche Beschuldigungen auf den Tisch werfen, ihre Aussagen mit etwas bekräftigen können", fügte er hinzu.

Dass es keinerlei belastbare Beweise für den Vorwurf eines russischen Hackerangriffs auf den Server der Demokratischen Nominierungsversammlung gibt, muss auch das Weiße Haus einräumen.

Am Dienstag war eine Hackergruppe, die sich Fancy Bear ("Schicker Bär") nannte, in die Datenbank der WADA ein und veröffentlichte unter anderem Zertifikate, die den Medikamentenkonsum US-amerikanischer Sportler genehmigten. Es gebe dabei keine ärztlichen Diagnosen, die den Medikamentenkonsum rechtfertigen könnten, hieß es vonseiten der Hacker. Wie sich herausstellte, nahmen unter anderem die Tennisspielerinnen Venus und Serena Williams seit langem die von der WADA verbotenen Präparate Oxycodon und Prednison ein. In diesen Fällen hatte die WADA die Einnahme der Präparate jedoch genehmigt. Die Sportlerinnen erklärten dazu, es habe eine medizinische Indikation für diese Ausnahmegenehmigung gegeben und sie hätten sich strikt an die Vorgaben gehalten.

Die WADA beschuldigte Russland, die Datenbank gehackt zu haben. Die westlichen Medien vermuten, dass Fancy Bear in Russland ansässig und möglicherweise auch für die jüngsten Cyberangriffe auf die DNC-Serversysteme und auf Wählerregister in Arizona und Illinois verantwortlich sei. Bis dato gibt es jedoch keine Hinweise auf ihre Herkunft und Identität.