Augustputsch in Moskau: Das Ende der UdSSR vor 25 Jahren

RSFSR-Präsident Boris Jelzin vor dem Weißen Haus in Moskau
RSFSR-Präsident Boris Jelzin vor dem Weißen Haus in Moskau
Am 19. August 1991 um 6 Uhr Moskauer Zeit hat der Sowjetrundfunk über die Gründung des Staatskomitees für den Ausnahmezustand berichtet. So begann heute vor 25 Jahren der Augustputsch. Bis zum Zerfall der UdSSR blieben noch 129 Tage.

Während die Radio- und Fernsehmoderatoren die Erklärung der Sowjetführung verlasen, dass der UdSSR-Präsident Michail Gorbatschow erkrankt wäre und dass der UdSSR-Vizepräsident und Chef des Staatskomitees für den Ausnahmezustand, Gennadi Janajew, von da an seine Funktionen übernehmen würde, rollten in Moskau bereits Panzer auf.   

Gegen Mittag versammelten sich vor dem „Weißen Haus“ (Haus der Sowjets) einige Tausend von Protestlern. Zu der Menschenmenge kam der Präsident der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), Boris Jelzin, heraus und las eine Ansprache an die Bürger Russlands vor, wo er die Gründung des Staatskomitees für den Ausnahmezustand einen Staatsstreich nannte und seine Mitglieder zu Staatsverbrechern erklärte. Die russischen Bürger wurden aufgerufen, den Putschisten eine Abfuhr zu erteilen.         

Die Hochburg des Widerstandes war das Weiße Haus. Das Staatskomitee für den Ausnahmezustand hatte keine Chance: In Moskau und in Leningrad brachen massenhaft Unruhen aus, einige Militäreinheiten schlugen sich auf die Seite von Boris Jelzin. Am 21. August wurden die Putschisten verhaftet.

Danach waren die Tage des Riesenlandes gezählt: Es sollte innerhalb von vier Monaten zerbröckeln. Wegen des gescheiterten Putschversuchs wurde das neue Abkommen zwischen den Sowjetrepubliken nicht unterzeichnet. Die Folge war außerdem das Verbot der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Am 26. Dezember 1991 verschwand die Sowjetunion von der politischen Weltkarte.

25 Jahre danach    

Im Juli führte das Meinungsforschungsinstitut „Lewada-Zentrum“ eine Umfrage durch, die ergab, dass die Hälfte der mündigen Bevölkerung Russlands von den Ereignissen zwischen dem 19. und 21. August 1991 nichts weiß oder sich nicht an sie erinnern kann.

CIA-Veteran Ray McGovern bei einer Veranstaltung der Whistleblower-Gruppe ExposeFacts, April 2015.

Lediglich acht Prozent der Befragten bezeichneten die damaligen Ereignisse als „Sieg der demokratischen Revolution, der der KPdSU-Macht ein Ende gesetzt“ hätte. 30 Prozent fanden, dass damals tragische Ereignisse passiert wären, die verhängnisvolle Folgen für Land und Volk gehabt hätten. 35 Prozent nannten den Augustputsch einen gewöhnlichen „Machtkampf in der obersten Staatsführung“. Der Rest konnte die Frage nicht eindeutig beantworten.        

13 Prozent der Befragen erinnerten sich daran, im August 1991 auf der Seite der Gegner des Staatskomitees für den Ausnahmezustand gewesen zu sein. Lediglich acht Prozent gaben an, die Putschisten unterstützt zu haben. Der Rest teilte mit, keine Zeit gehabt zu haben, um die Situation nachzuvollziehen, oder einfach zu jung gewesen zu sein, um die Hintergründe zu verstehen.

Das „Lewada-Zentrum“ stellte außerdem fest, dass sich die Zahl der Menschen, die die Handlungen des Staatskomitees für den Ausnahmezustand negativ einschätzen, wesentlich (von 59 auf 36 Prozent) zurückgegangen war. Die Zahl der Befürworter blieb unverändert, während sich die Zahl der Unentschiedenen fast verdoppelt hatte.