Vereitelte Terroranschläge auf der Krim: Ziel war die Tourismusbranche

Ein von FSB-Mitgliedern verhafteter ukrainischer Diversant
Ein von FSB-Mitgliedern verhafteter ukrainischer Diversant
Die Mitglieder der auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim verhafteten ukrainischen Diversionsgruppe sollen weder Mordanschläge auf Politiker noch Attentate auf Industrieobjekte geplant haben. Das Ziel sei die Tourismusbranche gewesen, schreibt die Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf eine Quelle im russischen Inlandsgeheimdienst FSB.

Die verhafteten Personen sollen nach Angaben des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands gestanden haben, für die Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine gearbeitet zu haben. Das entsprechende Training hätten sie beim ukrainischen Geheimdienst absolviert. Nach Angaben der Diversanten hätten sie in verschiedenen Urlaubsorten der Krim eine Serie von kleineren Explosionen ohne Opfer unter der Bevölkerung organisieren sollen, um Panik unter den Urlaubern zu sähen und somit den Tourismus auf der Halbinsel zum Erliegen zu bringen.

Am Mittwoch hatte der FSB bekanntgegeben, dass auf der Krim mehrere von dem ukrainischen Geheimdienst vorbereiteten Terrorakte vereitelt worden waren. Auf dem Territorium der Republik sei auch ein Agentenring der Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine zerschlagen worden. 

Beschlagnahmte Sprängsätze und Munition
Beschlagnahmte Sprängsätze und Munition

Die russischen Geheimdienstler hatten vor Ort 20 selbstgebaute Bomben mit einer Sprengkraft von 40 Kilogramm TNT, Munition, Antipersonen- und Magnetminen, aber auch Granaten und Sonderkampfgerät sichergestellt.

Der russische Präsident, Wladimir Putin, zeigte sich über die Handlungen der Ukraine besorgt und erklärte, dass Russland darüber nicht hinwegsehen werde. Ein Treffen der Normandie-Vier am Rande des G20-Gipfels in China sei in diesem Kontext sinnlos:

„Unter diesen Umständen hat das Treffen im Normandie-Format in China natürlich keinen Sinn. Auf der russischen Seite gibt es Verluste: Zwei Militärangehörige sind getötet worden. Wir werden zweifellos solche Sachen nicht durchgehen lassen. Ich möchte mich darüber hinaus an unsere Partner in den USA und in Europa wenden. Ich glaube, es ist schon allen klar, dass die heutige Führung in Kiew nach keiner Problemlösung durch Verhandlungen sucht, sondern zum Terror übergeht. Das ist sehr besorgniserregend“, so Wladimir Putin.

Die Generalstaatsanwältin der Republik Krim, Natalja Poklonskaja, gab bekannt, dass alle Sicherheitsbehörden der Krim in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden seien, damit die Einwohner und Gäste der Halbinsel sich sicher fühlen können.

„Momentan funktionieren alle Sicherheitsdienste und Rechtsschutzbehörden auf dem Territorium der Halbinsel in erhöhter Alarmbereitschaft, um Provokationen zu vereiteln. Denn die Führung der Ukraine hat gezeigt, dass sie dazu fähig ist, und dass sie sich gelinde gesagt in gewöhnliche Terroristen verwandelt hat, indem sie sich von den Grundsätzen eines demokratischen Rechtsstaates zu den Grundsätzen der kriminellen Welt verstiegen hat“, sagte Natalja Poklonskaja.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit seinem Generalstab.

Das Verteidigungsministerium der Ukraine wies jede Beteiligung seiner Kräfte an den geplanten Sabotageakten auf der Krim zurück.

Der ukrainische Präsident, Petro Poroschenko, leugnete die Vorbereitung der Terroranschläge auf der Krim und betonte, dass Kiew den Terrorismus in all seinen Formen verurteile.

„Die Ukraine verurteilt entschieden den Terrorismus in all seinen Formen und Prägungen und lehnt folgerichtig alle terroristischen Praktiken zur Deokkupierung der Krim ab“, kommentierte Petro Poroschenko.

Nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates ließ der ukrainische Präsident die an der Grenze zur Krim und im Donbass stationierten Truppen in erhöhte Kampfbereitschaft versetzen.

Der ständige Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen, Wladimir Jeltschenko, teilte im ukrainischen Fernsehen mit, dass Kiew bereit sei, eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates einzuberufen. Der Diplomat verglich die Situation mit den Ereignissen vom August 2008 in Georgien.     

Washington rief seinerseits Kiew und Moskau zu einem Dialog auf.

„Wir sind immer der Meinung, dass ein Dialog erforderlich ist“, erklärte Elizabeth Trudeau, Sprecherin des State Department, am Mittwoch.

Der US-Botschafter der Ukraine, Geoffrey Payatt, twitterte später, dass die USA über keine Beweise für einen ukrainischen Einfall auf der Krim verfügten.

„Die US-Regierung hat bislang nichts gesehen, was Russlands Behauptungen über einen ʻEinfall auf der Krimʼ bestätigen würde. Die Ukraine hat das entschieden zurückgewiesen.“

„Russland hat auch früher oft falsche Beschuldigungen gegen die Ukraine erhoben, um die Aufmerksamkeit von seinen eigenen illegalen Handlungen abzulenken.“

Die russische Zeitung „Kommersant“ veröffentlichte am Donnerstag weitere Details der Operation zur Vereitelung der geplanten Sabotageakten auf der Krim.

In der Nacht zum 7. August hatten sieben bewaffnete Personen in Uniform mit Schlauchboten auf die russische Seite der Perikopski-Bucht in der Nähe der Ortschaft Armjansk übergesetzt. Die Diversanten konnten zwar unbemerkt an den Grenzposten vorbeischleichen, wurden dennoch später einige Kilometer von der Küste entfernt von drei „Wympel“-Sondereinsatzkräften entdeckt. Da die FSB-Mitarbeiter zu wenig waren, baten sie den Grenzschutz um Unterstützung. Bevor die Unterstützung kam, entwickelte sich ein Schusswechsel zwischen den „Wympel“-Angehörigen und den ukrainischen Agenten einen Schusswechsel. Ein russischer Geheimdienstler erlitt dabei eine tödliche Schussverletzung. Auch zwei der ukrainischen Agenten wurden getötet. Die restlichen fünf wurden festgenommen.

Die Verhafteten erzählten, dass die zu einer von mehreren Gruppen gehörten, die der ukrainische Aufklärungsdienst auf die Krim geschickt hatte. Sie hätten eine Reihe von Explosionen in Kurorten der Halbinsel verüben sollen. Sprengstoff hätten sie von einer anderen Gruppe bekommen sollen, die auf die Krim über eine andere Route eingeschleust worden war.

Da die Informationen über den Schusswechsel an die örtlichen Medien gelangt waren, tauchte die andere Diversionsgruppe bis auf Weiteres unter. Die ukrainischen Agenten wurden erst in der Nacht zum 8. August auf dem Rückweg in die Ukraine entdeckt. Es kam wiederum zu einem Schusswechsel, indem beide Seite Verluste erlitten. Einige russische Fallschirmjäger wurden verletzt. Einer von ihnen erlitt eine tödliche Schusswunde am Hals direkt oberhalb der Panzerweste.