"Liebesgrüße aus Moskau" - Edward Snowden seit drei Jahren im Asyl in Russland

Edward Snowden mit seiner Freundin Lindsay Mills in einem Theater in Moskau.
Edward Snowden mit seiner Freundin Lindsay Mills in einem Theater in Moskau.
Der ehemalige US-Geheimdienstler und NSA-Enthüller, Edward Snowden, lebt seit drei Jahren als Asylant in Russland: Am 1. August 2013 erhielt er eine provisorische Aufenthaltsbefugnis. Ein Jahr später, am 1. August 2014, wurde ihm eine auf drei Jahre befristete Niederlassungserlaubnis gewährt. Eine Rückschau auf sein Leben in Russland.

Der Whistleblower Edward Snowden floh aus den USA nach Hongkong und traf am 23. Juni 2013 in Russland ein. Eine Zeit lang saß er im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest. Von dort aus bat er 21 Länder um Asyl.

Die westlichen Metropolen erreicht der Whistleblower Edward Snowden derzeit nur per Video-Schalte

Die US-Behörden klagen Edward Snowden in drei Punkten an: illegale Weitergabe von Geheiminformationen, bewusste Weitergabe von Aufklärungsinformationen und Diebstahl von Regierungseigentum. Für jeden dieser Anklagepunkte drohen dem NSA-Enthüller bis zu zehn Jahre Haft.     

Der Whistleblower begründete seinen Schritt damit, dass er seinen Arbeitgeber mehrmals auf die Bespitzelung von den US-Bürgern aufmerksam gemacht und seine Sorgen diesbezüglich zum Ausdruck gebracht habe. Die NSA habe aber nichts getan.

Moskau gewährte dem flüchtigen Geheimdienstler ein provisorisches, auf ein Jahr befristetes Asyl unter dem Vorbehalt, dass er seine gegen die Verneigten Staaten gerichtete Tätigkeit einstellen sollte. Sein Anwalt, Anatoli Kutscherena, teilte mit, dass sein Mandant mit keinem Geheimdienst der Welt zusammenarbeiten wolle.

„Ich kann sagen, dass Edward niemals von seinem Prinzip abgewichen ist, mit keinen Regierungen und deren Behörden, einschließlich mit denen der Russischen Föderation, zusammenzuarbeiten“, so Anatoli Kutscherena.

Quelle: RT

Ein Jahr später bekam Edward Snowden eine Niederlassungserlaubnis für drei Jahre, die ihm erlaubt, nicht nur in Russland sondern, sondern auch ins Ausland zu reisen.

Momentan mietet der Whistleblower eine normale Wohnung in der russischen Hauptstadt, fährt mit der U-Bahn, geht shoppen und einkaufen wie einfache Einwohner von Moskau. Dennoch wird sein genauer Wohnort aus Sicherheitsgründen nicht preisgegeben. Anatoli Kutscherena zufolge arbeite sein Mandant als IT-Berater in einer Firma.

„Bei mir ist alles in Ordnung, ich lebe ein normales Leben und fahre sogar mit der Moskauer Metro. Der einzige Unterschied von meinem früheren Leben ist, dass ich kein iPhone benutze“, sagte Edward Snowden in einem Interview.

Darüber hinaus bereiste der US-Bürger bereits einige Regionen Russlands und diese Tour beeindruckte ihn positiv.

In einem Interview für RIA Nowosti teilte Anatoli Kutscherena mit, dass sein Mandant täglich viele Einladungen und Angebote – seien es Auftritte, Interviews oder Vorlesungen – von überall her erhalte. 

„Er ist ein sehr gefragter Mensch. Man muss aber auch Rücksicht darauf nehmen, dass er sehr viel arbeitet und tatsächlich viel zu tun hat. Dabei schenkt er viel Aufmerksamkeit dem Schutz der Menschenrechte und anderen Fragen“, sagte Snowdens Anwalt.

In ständigem Kontakt mit Julian Assange: WikiLeaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison

In den USA ließ Snowden seine Eltern und seine Freundin zurück, die übrigens recht oft zu ihn nach Russland kommt. Snowdens Anwalt Anatoli Kutscherena zeigte sich sogar bereit, auch ihr mit dem Umzug nach Moskau zu helfen, sollte sie eine Niederlassungserlaubnis beantragen. Nicht ausgeschlossen ist auch ein Besuch der Eltern, zumal Snowden senior seinen Sohn bereits vor zwei Jahren besuchte.

In nächster Zeit will der ehemalige NSA-Mitarbeiter nicht in die Heimat, obwohl er Heimweh hat. In einem Interview erklärte er, er würde einer Auslieferung an die USA zustimmen, wenn die Behörden ihm ein unbefangenes Gerichtsverfahren versprechen würden.

„Ich habe der Regierung gesagt, ich werde zurückkehren, wenn man mir ein faires Gerichtsverfahren garantiert, wo ich die Interessen der Gesellschaft verteidigen darf und wo die Jury das Urteil fällen kann“, gab Edward Snowden in einem Fernsehinterview bekannt.

Anatoli Kutscherena zufolge sei mit einem objektiven Prozess in den USA nicht zu rechnen, solange Snowden in der Heimat politisch verfolgt werde.

Das Europäische Parlament rief inzwischen alle EU-Staaten auf, jede Verfolgung von Snowden einzustellen und ihm Schutz zu bieten. Als Anerkennung seiner Verdienste als Whistleblower.   

Nichtsdestoweniger erklärte der CIA-Direktor, John Brennan, am 14. Juli, dass Edward Snowden in die USA zurückkehren solle. Außerdem zeigte sich der CIA-Chef mit der Meinung des ehemaligen US-Generalstaatsanwalts, Eric Holder, nicht einverstanden, der die Tätigkeit des ehemaligen NSA-Mitarbeiters einen Gefallen an die Gesellschaft genannt hatte.

Die ganze Welt interessierte sich für das Schicksal des Whistleblowers so sehr, dass man ihm mehrere Auszeichnungen verlieh und ihn zum Filmprotagonisten machte. Inzwischen gibt es sogar eine Edward-Snowden-Prämie für Leistungen  im Bereich der Internet-Medien. Außerdem wird Oliver Stone die Snowden-Affäre in diesem Jahr auf die Leinwand bringen. Im Film des bekannten US-Regisseurs spielt Joseph Leonard Gordon-Levitt den Snowden und Shailene Woodley – seine Freundin. Der Streifen „Snowden“ gehöre Oliver Stone zufolge in die Kategorie „politischer Thriller“ und erzähle das Leben des Whistleblowers von dem Zeitpunkt an, als er noch kein NSA-Agent war, bis zum Skandal um die geleakten Informationen. Das Drehbuch basiert übrigens auf den Memoiren von Anatoli Kutscherena. Die erste Vorführung ist für den 15. September geplant.

In letzter Zeit kritisierte Edward Snowden scharf das jüngst von dem russischen Parlament angenommene und von dem Präsidenten unterzeichnete Paket von Anti-Terror-Gesetzen.

„Die Massenüberwachung funktioniert nicht. Dieses Gesetz wird jedem Bürger Russlands Geld und Freiheit wegnehmen, ohne die Sicherheit zu verbessern. Es darf nicht unterzeichnet werden“, schrieb Snowden auf Twitter.

Der Fernsehsender CNN berichtete, dass der Whistleblower gerade an einer Hülle für iPhone 6 bastelt, die das GPS-Signal vollkommen blockieren soll, damit die Geheimdienste den Benutzer nicht beschatten können. Die Technologie soll vor allem Journalisten und Menschenrechtler schützen.

Der Partner des Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, David Miranda, kündigte an, dass das Magazin Intercept demnächst neue Dokumente mit Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters veröffentlichen werde.  

„Ich glaube, dass sich diese Dokumente als eine große Überraschung für die ganze Welt entpuppen werden. Es gibt eine Unmenge von Dokumenten, die nie zuvor veröffentlicht worden sind“, teilte Miranda in einem RT-Interview mit.