Putin an das russische Olympia-Team: "Zeigt der Welt, dass wir fair siegen können"

Putin an das russische Olympia-Team: "Zeigt der Welt, dass wir fair siegen können"
Am Mittwoch traf sich russische Präsident Wladimir Putin mit der Olympia-Auswahl des Landes. Dabei sprach er auch die Probleme mit der Zulassung der Sportler zu den Spielen in Rio an. Er rief die Sportler auf, der Welt zu zeigen, dass russische Sportler fair siegen können. Putin versprach, dass die Behörden alles unternehmen werden, um den guten Ruf des russischen Sports zu schützen. Das russische Team ist auf dem Weg nach Brasilien.

Der russische Präsident, Wladimir Putin, traf sich im Kreml mit dem Olympia-Team. An der Zusammenkunft nahmen sowohl die Sportler teil, die für Rio zugelassen sind, als auch die, denen der Antritt bei den Olympischen Spielen verweigert wurde. Letztere „zählen aus unserer Sicht jedoch zur Nationalmannschaft“, so der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, im Vorfeld der Veranstaltung.

Dazu, dass eine Reihe von russischen Sportlern nicht zu den Olympischen Spielen zugelassen sind, sagte Putin, dass dadurch viele Athleten zu Unrecht geschädigt wurden. Sie seien nicht individuell des Dopings überführt worden. Dadurch dass die russischen Sportler suspendiert wurden, werde der Wettbewerb insgesamt an Qualität verlieren.

„Zu Unrecht sind nicht nur viele unserer Sportler zu Schaden gekommen, gegen die doch immer noch keine konkreten, ich will es betonen, keine konkreten und belegbaren Vorwürfe erhoben wurden. Praktisch unternimmt man einen Vorstoß gegen den ganzen Weltsport und die Olympischen Spiele“, erklärte Putin.

Es sei offensichtlich, dass die Abwesenheit der russischen Sportler, die in vielen Sportarten führend sind, die Schärfe des Kampfes und dadurch die Spektakularität des kommenden Wettbewerbs senken wird, fügte der Präsident hinzu. Putin unterstrich, dass in der Sportwelt viele der Meinung sind, dass ohne russische Sportler „die Qualität, die wirkliche Bedeutung ihrer Medaillen anders sein wird“.

„Die eine Sache ist es, gegen ebenbürtige, starke Rivalen zu gewinnen. Und eine andere ist es, mit denjenigen zu kämpfen, die auf einem deutlich niedrigerem Niveau sind. Ein derartiger Sieg hat einen ganz anderen Geschmack, oder vielleicht Abgeschmacktheit“, bemerkte Wladimir Putin.

Dem Präsidenten zufolge diskreditiert der Angriff auf russische Sportler die Prinzipien der Gleichheit, Gerechtigkeit und der gegenseitigen Achtung.

 „Die entstandene Situation verlässt nicht nur den rechtlichen Rahmen, sondern auch den gesunden Menschenverstand. Die organisierte Kampagne, deren Zielscheibe unsere Athleten wurden, hat sowohl die berüchtigten doppelten Standards. Wir erleben das mit dem Sport, aber auch mit Gerechtigkeit und elementaren Rechtsnormen unvereinbare Prinzip der kollektiven Bestrafung. Das heißt, man hat hier die Unschuldsvermutung ausgehebelt“, so der Staatschef.

Der russische Präsident lobte das Internationale Olympische Komitee dafür, dass es dem öffentlich ausgeübten Druck nicht nachgegeben habe. Die olympische Bewegung habe sich nicht spalten lassen, betonte Wladimir Putin.

Die Art, in der dieser Druck ausgeübt wurde, nannte Putin einen „Versuch, jene Regeln auf den internationalen Sport zu übertragen, die in der internationalen Politik bereits vorherrschen“.  

„Leider werden es nicht alle schaffen, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Die kurzsichtigen Politiker lassen auch den Sport nicht in Ruhe, obwohl eben der Sport bestehende Differenzen zwischen den Staaten ausgleichen sollte“, so Putin.

Einige der anwesenden Athleten zeigten sich bei der Rede des Präsidenten sehr gerührt. Die zweifache Olympiasiegerin im Stabhochsprung, Jelena Isinbajewa, brach in Tränen aus. Die Sportlerin, für die die Olympiade in Rio der letzte große Wettkampf hätte werden sollen, wurde durch die Sperre des russischen Leichtathletik-Teams nicht zugelassen, was sie persönlich stark getroffen hat.

Дорогие друзья! Огромное ВАМ всем СПАСИБО ( хотя спасибо это мало) за такую мощную поддержку, которую вы мне оказываете! Боже, я и подумать не могла, что ВЫ все со мной переживаете эту несправедливость. Спасибо за ваши инициативы, веру и доверие. Сегодня, на приёме у Президента, не смогла сдержать слёз от обиды, сильные девушки тоже иногда ломаются и поддаются эмоциям. Ну ничего, что нас не убивает делает ещё сильнее. Спасибо вам от души и сердца! Как мне сказали, "Елена, ты уже победила, потому что наши сердца с тобой". Это действительно дороже любой победы и медали. Спасибо большое за признание!!! P.S. завтра будет окончательно ясно, есть ли у меня шанс выступать в Рио или нет. Ещё 24 часа надежда живёт 😌 Dear friends! THANK YOU very-very much to all of you (but saying thank you is so little) for such an immense support that you give me! Oh my God, I could not even think that all of YOU are going through all this injustice with me. Thank you for your initiatives, faith and trust. Today at the reception with President I couldn’t hold back my tears because of offence; sometimes strong women also break down and get emotional. Oh well, what doesn’t kill us, makes us even stronger. Thank you from all my heart and soul! As I was told: “Yelena, you have already won because our hearts are with you”. It is truly more significant than any victory and medal. Thank you very much for recognition!!! P.S.: Tomorrow it will be finally clear whether I have a chance to perform in Rio or not. Hope lives for 24 more hours.😌

Фото опубликовано Yelena (@isinbaevayelena)

„Ich konnte wegen diese Beleidigung die Tränen nicht zurückhalten, starke Mädchen brechen auch manchmal zusammen und geben den Emotionen nach“, schrieb die Sportlerin.

Diejenigen ihrer Kollegen, die zur Olympiade fahren, rief Issinbajewa auf, „so anzutreten, dass die ganze Welt erschüttert wird und dass die russische Staatshymne bei den Wettbewerben in Rio ohne Pause erklingt“.

Jelena Isinbajewa gab bekannt, dass sie die Entscheidung des Internationalen Leichtathletikverbandes vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anfechten will.

Bei dem Treffen im Kreml unterstützte auch Patriarch Kyrill die Sportler.

„Russische Athleten können nicht nur hervorragende Leistungen im Sport erbringen, sondern auch moralisch siegen. … Je größer die Herausforderung, desto mehr Kraft“, sagte Kyrill.

Er versprach dafür zu beten, dass die Sportler dem auf sie ausgeübten Druck nicht nachgeben.

Am Flughafen Moskau-Scheremetjewo wurde die russische Olympia-Auswahl nach Rio de Janeiro verabschiedet. An der Zeremonie nahmen zahlreiche  Fans und die  IOK-Chefs sowie etwa 70 Sportler teil. Unter den Athleten, die gestern in einer Chartermaschine nach Rio abflogen, waren die Volleyball- und Handballmannschaft, die Tischtennisspieler, die Synchronschwimmerinnen, die Boxer und die Reiter.     

„Wir haben mit Ungeduld auf diesen Tag gewartet. Wir haben uns aufgeregt. Sie begreifen wohl, wie die Situation ist. Es ist höchste Zeit, alle Zweifel auszuräumen: Russlands Auswahl fliegt zur Olympiade. Das ganze Land wird doppelt so stark mitfiebern“, sagte der Präsident des Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow.

Das ganze Land unterstütze die Sportler, von denen nun alles abhängt.

„Alle Bürger des riesigen Landes werden mitfiebern und sich über die Siege freuen. Und wir werden siegen, ich bin sicher. Ich möchte sehr, dass die Sportler sich durch Provokationen und Beleidigungen nicht ablenken lassen, dass sie ihr Ziel verfolgen“, fügte Schukow hinzu.