Ruscoin: Russland plant nationale Kryptowährung

Ruscoin: Russland plant nationale Kryptowährung
Das Finanzministerium und die Zentralbank Russlands planen einem Medienbericht zufolge eine eigene Kryptowährung und entsprechende Gesetze. Restliche Kryptowährungen sollen dem Willen des Finanzministeriums nach weiterhin mit einem Verbot belegt werden, wogegen es jüngst allerdings Widerstand aus dem Justizministerium gab. Ob eine staatlich kontrollierte Kryptowährung die Nutzer überzeugen kann, bleibt abzuwarten.

Kaum eine Technologie entwickelt sich derzeit so schnell wie die sogenannte Blockchain-Technologie, auf der auch die Digitalwährung Bitcoin basiert. Mit dem Projekt Ethereum von dem in der Schweiz lebenden russischen Entwickler Vitalik Buterin und seinem Team wurde jüngst ein Quantensprung erzielt. Schon entstehen auf Basis der Technologie "dezentrale autonome Organisationen", "Smart Contracts" und weitere Anwendungen, die nicht nur das Geld sondern auch gleich die ganze Wirtschaft und Warenlogistik revolutionieren wollen.

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Nicht wenige Staaten tun sich schwer mit der Frage, wie mit den neuen Technologien umzugehen ist. Zuletzt planten russische Finanzbehörden ein generelles Verbot von Kryptowährungen. Die Initiative stieß allerdings auf Widerstand des russischen Justizministeriums. Auch gilt es, bei einer vielversprechenden Zukunftstechnologie durch Verbote nicht frühzeitig den Anschluss zu verlieren.

Die russischen Behörden erwägen so nun offenbar die Möglichkeit, eine nationale Kryptowährung in Umlauf zu bringen. Dies schreibt die Zeitung Kommersant: Die Emission der neuen digitalen Währung soll geregelt, ihr Emittent lizensiert, die Wechselregeln vorgeschrieben und die Zahlungsanonymität minimiert sein.

Laut der staatlichen Pläne sollen so die Risiken des Geldschattenumsatzes gesenkt, die Rechte von Nutzern geschützt und Transaktionskosten möglicherweise reduziert werden. Ein konkreter Gesetzentwurf ist noch nicht vorgelegt worden, aber die russische Finanzaufsichtsbehörde berät die Idee mit Bankenvertretern und auf den Treffen im Finanzministerium und der Zentralbank Russlands, wird Pawel Liwadny, stellvertretender Direktor der russischen Finanzaufsichtsbehörde, von der Zeitung zitiert.

Außerdem soll die nationale Kryptowährung nach Auffassung der Staatsbeamten nach etablierten Regeln auf eigens dafür eingerichteten Plattformen gewechselt werden. Käufer sollen einem Identifizierungsverfahren unterzogen werden, was Liwadny zufolge „anonyme Geldüberweisungen minimieren“ soll.

Ob ein derartiges Projekt mit den sich überschlagenden Entwicklungen in der Kryptoszene mithalten kann und genug Interessenten findet, bleibt jedoch abzuwarten.

Foto: Creative Commons by Images_of_Money.

Aus der russischen Finanzaufsichtsbehörde heißt es auch weiterhin, dass nach der Emission der staatlichen Kryptowährung alle weiteren Geldersatzmittel verboten werden sollten, wenngleich unklar ist, wie dies technisch umgesetzt werden soll.

Unklarheit gibt es auch darüber, wie bei einem Verbot Anwendungsbreiche der Blockchain-Technologie genutzt werden können, die über die des Alternativ-Zahlungsmittels hinaus gehen und eher im Bereich der Logistik angesiedelt sind.

Eine Begrenzung von Kryptowährungen wurde schon früher in Russland diskutiert. Im März 2015 legte das Finanzministerium Nachträge zum Zentralbank-Gesetz vor, durch die dem Gebrauch von digitalen Währungen in Russland Einhalt geboten werden sollte. Die Behörde beabsichtigte auch, die Geldstrafe für die Verwendung von Geldersatzmitteln von juristischen Personen auf fünf Millionen Rubel zu erhöhen.

Im Februar 2016  betonte der Chef des russischen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, dass der Gebrauch von digitalen Währungen strafrechtlich verfolgt werden soll, weil diese bei der Finanzierung der transnationalen Kriminalität und der Werbung der Kämpfer von verbotenen kriminellen Organisationen verwendet werden würden, was andere Stimmen jedoch anzweifeln.

Welchen Weg Russland im Umgang mit der neuen Technologie geht, bleibt weiter offen.