Russlands Außenministerium erwartet Entschuldigung nach einem falschen Bericht von Euronews

Russlands Außenministerium erwartet Entschuldigung nach einem falschen Bericht von Euronews
Moskau erwartet vom Fernsehsender Euronews eine offizielle Entschuldigung für einen Bericht über die Aussiedlung der Krimtataren. Dies hat die Amtssprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärt.

Die Diplomatin wurde darauf aufmerksam, dass die Zahl der von der Schwarzmeerhalbinsel deportierten Krimtatarem im Vergleich zum russischen Text auf das 10-Fache erhöht worden war.

In der russischsprachigen Fassung des Berichtes heißt es: ʻMehr als 200.000 Krimtataren wurden zwischen dem 18. und 20. Mai 1944 von der Krim deportiert. Insgesamt wurden 20 ethnische Gruppen, darunter Krimtataren, Tschetschenen und Armenier, wegen einer vermutlichen Kollaboration mit den Deutschen der Zwangsverschickung ausgesetztʼ“, schrieb die Diplomatin auf Facebook.

Ein Priester hebt seine Hände auf einer Kundgebung im Zentrum von Simferopol am 28. März 1998. Damals lebten 271.000 Tataren auf der Krim.

Sacharowa zufolge habe der englischsprachige Text vorher anders ausgesehen - und zwar so: „Crimea’s Tatars are remembering their great national tragedy, the mass deportation by Stalin in May 1944 of more than two million men, women, and children.“

(„Die Krimtataren erinnern sich an ihre nationale Tragödie – die massenhafte Aussiedlung von mehr als zwei Millionen Männern, Frauen und Kindern durch Stalin im Mai 1944.“)

Inzwischen ist auf der Euronews-Webseite der korrigierte Text zu lesen.

Nach der Meinung der Außenamtssprecherin könne es sich dabei weder um einen Tippfehler noch um eine überflüssige Null handeln, weil die entsprechende Zahl mit den Buchstaben geschrieben worden sei. Außerdem hätten die Journalisten gesagt, dass die Gedenkveranstaltungen anlässlich des 72. Jahrestages der Deportation auf der „besetzen“ Krim verboten worden seien.

Lasst uns die Dinge beim Namen nennen. Das sind keine doppelten Standards bei Berichterstattung für unterschiedliche Zielgruppen, das ist keine Engagiertheit. Das ist eine Lüge“, schrieb Sacharowa.

Der Vizepräsident des Euronews-Aufsichtsrates, Pjotr Fjodorow sagte gegenüber RIA Nowosti, dass die Kritik von Maria Sacharowa begründet sei, und versprach, sich bei der Senderleitung zu beschweren.   

Als WGTRK-Vertreter bei dem Euronews-Aufsichtsrat werde ich heute unbedingt auf die Unzulässigkeit der Art von Berichterstattung hinweisen, wo man über die Gedenkzeremonie, die der Zwangsverschickung der Krimtataren gewidmet war, nur anhand von Bildern aus Kiew, und nicht aus der Krim, berichtet hat. Meines Erachtens ist das absoluter Unsinn und mangelnder Professionalismus. Euronews hatte alle Möglichkeiten, auch über die Gedenkveranstaltungen auf der Krim mit Bildern zu berichten“, erklärte Pjotr Fjodorow. 

Am Mittwoch hatten auf der Krim Trauerfeiern anlässlich des 72. Jahrestages der Deportation der Krimtataren und anderer Völker von der Krim stattgefunden. Die größte Gedenkzeremonie war am Mittag vor der Bahnstation Siren („Flieder“) im Bezirk Bachtschissaraj durchgeführt worden, von wo aus die mit Menschen gefüllten Züge 1944 nach außerhalb der Halbinsel abgefahren waren.