Russland: Einweihung des neuen Kosmodroms Wostotschny mit erfolgreichem Raketenstart

Russland: Einweihung des neuen Kosmodroms Wostotschny mit erfolgreichem Raketenstart
Russlands neuer Weltraumbahnhof, das Kosmodrom Wostotschny, hat seinen ersten Raketenstart am Donnerstag Morgen durchgeführt. Eine Weltraumrakete vom Typ Sojus hat drei Wissenschafts- und Fernsicht-Satelliten in den Orbit geschossen.

Der Abschuss erfolgte um 5:01 Uhr Moskauer Zeit und nach einem Flug von 8 Minuten und 44 Sekunden dockte die Transportkapsel Wolga von ihrer Trägerrakete ab.

Alle drei Satelliten wurden erfolgreich in ihren vorhergesehenen Umlaufbahnen abgesetzt. Der Nanosatellit Samsat-218, der für wissenschaftliche Zwecke entwickelt wurde, trennte sich von seiner Transportkapsel um 7:07 Uhr Moskauer Zeit. Zehn Sekunden später wurden die Satelliten Lomonossow und Aist-1 abgesetzt.

Der Raketenstart wurde persönlich vom russischen Präsidenten, Wladimir Putin, in Augenschein genommen. „Ich möchte ihnen gratulieren. Es gibt vieles, worauf man stolz sein sollte“, teilte Putin der russischen Weltraumagentur, Roskosmos, im Anschluss an den erfolgreichen Raketenstart mit. Er bemerkte bezüglich erster Startschwierigkeiten:

„Der Start hätte eigentlich gestern stattfinden sollen, aber die Hardware hatte überreagiert. Der Start wurde kurzfristig abgebrochen. Das ist allerdings ein normaler Vorgang.“

„Am wichtigsten ist, dass der entwickelte Startkomplex einwandfrei arbeitet“, führte der russische Präsident aus. „Es gibt zwar noch eine ganze Menge an Arbeit, aber das war sicherlich ein sehr ernster und wichtiger Schritt in der weiteren Entwicklung der russischen Raumfahrt“.

Der historische Start hinkte einen Tag hinter dem eigentlichen Zeitplan hinterher. Der zunächst für Mittwoch angepeilte Start wurde in letzter Minute abgebrochen. Die Sicherheitssysteme gaben die Warnung aus, wonach ein Sensor nicht einwandfrei funktionierte.

„Der erste Start von einer neuen Plattform ist sowohl ein wichtiges als auch ein sensibles Ereignis. Dinge wie diese passieren. Wir werden ihnen nachgehen“, informierte Igor Komarow, der Vorsitzende der russischen Raumfahrtbehörde.

Vizepremierminister Dimitri Rogosin, der weithin als „Raumfahrt-Zar“ gilt, nahm ebenfalls am Raketenstart in der Amur-Region gut 100 Kilometer östlich der Grenze zu China zwischen den Städten Swobodni und Ziolkowski teil. Er wurde vom Chef der russischen Weltraumtruppen, Generalleutnant Alexander Golowko, begleitet. Mit dem Bau des Kosmodroms Wostotschny wurde 2012 begonnen.

Russland erkannte die Notwendigkeit, einen heimischen Startplatz für den Start von zivilen Raketen zu haben. Zwar weist Moskau zahlreiche Einrichtungen für den Start militärischer Raketen aus, etwa in Plesetsk und Kapustin Yar, im zivilen Bereich war man bislang aber vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan abhängig.

Ursprünglich sollte die Rakete vom Typ Sojus-2.1a bereits vom Kosmodrom Wostotschny im Dezember 2015 abheben. Der Start verschob sich, da die Startplattform noch nicht fertig errichtet wurde. Schätzungen zufolge soll es vom Kosmodrom in Ostrussland künftig bis zu zehn Raketenstarts im Jahr geben. Die erste bemannte russische Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) wird voraussichtlich 2023 stattfinden.

Auch wenn die Rolle des neuen russischen Weltraumbahnhofs für Moskau an Bedeutung gewinnen wird, beabsichtigt man weiterhin, Baikonur für Starts von eigenen Raketen zu nutzen. Der Leasingvertrag mit Kasachstan endet 2050.

Die Arbeit am Kosmodrom Wostotschny ist indessen noch nicht beendet. Es sollen weitere Raketenstartplattformen errichtet werde. Die Kosten für das ambitionierte Projekt liegen offiziellen Angaben zufolge bei 2,7 Milliarden US-Dollar. Während der Konstruktionshochzeit waren bis zu 8.000 Arbeiter und Fahrzeuge im Kosmodrom beschäftigt.