„Internationale Gefahren 2016“: Waldaj-Experten listen äußere Bedrohungen für Russland auf

Witaly Naumkin, Wissenschaftler am Institut für Orient-Wissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften und Mitarbeiter der Waldaj-Denkfabrik.
Witaly Naumkin, Wissenschaftler am Institut für Orient-Wissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften und Mitarbeiter der Waldaj-Denkfabrik.
Washingtons Aktivitäten stehen ganz oben auf der Liste der Herausforderungen und Gefahrenpotenziale für Russland, die die Mitglieder der russischen Denkfabrik „Waldaj“ aufgestellt haben. Danach folgt ein möglicher militärischer Konflikt mit der Türkei, in dessen Folge auch schon der russische Verteidigungsplan 2020 abgeändert wurde. In der Ukraine sehen die außenpolitischen Experten jedoch keine Gefahr mehr und führen diese unter der Kategorie "eingefrorene Konflikte".    

US-Fallschirmspringer bilden ukrainische Infanteristen im Rahmen des Programms

Die wichtigste internationale Herausforderung für Russland bleibt die US-Politik, die auf die Schwächung der Russischen Föderation ausgerichtet ist. Weitere Gefahren für Russland sind der Terrorismus und ein möglicher Konflikt mit der Türkei. Die Ukraine findet in dem Bericht „Internationale Gefahren 2016“ keine Erwähnung.   

Wie der Programmdirektor von „Waldaj“ und Mitautor des Berichtes Andrej Suschenzow erläutert, gebe es momentan zwei Herangehensweisen an die Einschätzung der US-Politik: Einige würden glauben, dass die USA bewusst auf eine Schwächung Russlands hinarbeiteten, während andere der Meinung seien, dass Amerika russische Interessen indirekt benachteilige, indem es eigene Ziele verfolge.   

Die Waldaj-Experten kommen in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass Moskau nach dem Erfolg der Militäroperation in Syrien eine andere Richtung in seinen Beziehungen zu dem Westen gefunden hat:

„Russland wird sich als führende Kraft im Nahen Osten etablieren, die außerdem fähig sein wird, effiziente Militärkampagnen durchzuführen.“

In der Analyse wird zudem ausgeführt, dass die Beteiligung Russlands an der Operation in Syrien zu einem Konflikt mit der Türkei führen könnte. „Der Verteidigungsplan Russlands bis 2020 wird abgeändert.

Eine Air Force B-1 startet zu einem Kampfeinsatz, January 2002, im Rahmen der

Es werden Übungen abgehalten, in denen man mögliche Szenarien eines Konfliktes mit der Türkei durcharbeitet. Auch die Türken führen Übungen und Einberufungen von Reservisten durch“, so Suschenzow.

Im Bericht wird auch die Terrorgefahr erwähnt. Diese werde sogar im Fall eines vollen Sieges über radikale Islamisten in Syrien weiterhin bestehen, weil sich die „wertvollsten“ Kämpfer und Truppen aus Syrien wahrscheinlich in andere Länder mit schwacher Staatsmacht, zum Beispiel Irak, Libyen, Mali, Afghanistan und Somalia, zurückziehen und dort ihre "verheerende Tätigkeit" fortsetzen würden.            

Abschließend wird in dem Bericht unter dem Bereich der internationalen Gefahren auch eine mögliche Eskalation der Lage im Fernen Osten und in Südostasien erwähnt, wo China den USA und ihren Verbündeten gegenübersteht. Die Ukraine, die 2015 noch auf der Liste der unmittelbaren Gefahren geführt wurde, wird dieses Jahr in der Kategorie der sogenannten eingefrorenen Konflikte geführt.