Flydubai-Absturz in Russland: Streit zwischen Piloten?

Flydubai-Absturz in Russland: Streit zwischen Piloten?
Die russische Zeitung „Kommersant“ hat unter Berufung geschrieben, dass die Absturzursache der „Flydubai“-Boeing im südrussischen Rostow am Don ein Missverständnis zwischen den Piloten sein könnte. Dabei sei die Crew uneins gewesen, was zu unternehmen sei, um den Jet beim zweiten Landeanflug aufzusetzen. Die beiden Flieger hätten jeweils nach eigenem Ermessen agiert und den Computer mit widersprüchlichen Befehlen „irritiert“.

Beim zweiten Landeanflug soll es im Cockpit zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen sein, schrieb die russische Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf eine informierte Quelle. Nachdem die Besatzung den Autopiloten abgeschaltet habe, hätte einer der Piloten versucht, die Maschine zu beschleunigen und die Triebwerke in den Startmodus versetzt. Sein Kollege habe gleichzeitig versucht, den Bug nach unten zu lenken. Die mangelnde Koordinierung habe schließlich die Katastrophe verursacht.

„Beim Versuch, die Maschine nach einem missglückten Landeanflug anzuheben, muss einer der Piloten den Bug zu sehr nach oben gelenkt und dadurch eine Abnahme an Geschwindigkeit und das Abkippen verursacht haben. Deswegen kam es im Cockpit zu einem Konflikt. Der andere Pilot rief dem Kollegen zu: ʻWo fliegst du denn hin? Halt!ʼ Seine Versuche, das Lenkrad unter seine Kontrolle zu bringen, verschlimmerten nur noch die Lage“, informierte das Blatt.

Als das Flugzeug in 270 Metern Höhe und in etwa 6 Kilometern vor der Start- und Landebahn gewesen sei, habe einer der Flieger den Knopf „TOGA“ (Take off. Go around) gedrückt, führte „Kommersant“ unter Berufung auf die Quelle an, die der Untersuchung nahe steht. Dieser gibt dem Computer an Bord den Befehl, mit einem neuen Landeanflug zu beginnen. Das führt dazu, dass die Piloten den Nickwinkel der Maschine per Hand bestimmen müssen. Die Besatzung muss dabei einige Eigenschaften der Boeing-737 außer Acht gelassen haben. „Wenn ein weiterer Landeanflug automatisch verläuft, ist es der Computer, der alle Ruder gleichmäßig manipuliert. Im manuellen Modus reißt dagegen der Pilot das Lenkrad instinktiv an sich und versetzt das Höhenruder und die Höhenflosse in den Höhengewinnmodus. Das Schwanzlastmoment wird durch die nach dem TOGA-Knopf-Druck einfahrenden Landeklappen erhöht. Im Ergebnis steigt die Boeing wie ein Jagdflugzeug in die Luft, anstatt gleichmäßig an Höhe zu gewinnen“, erläutert das Blatt.

Als die Geschwindigkeit zurückging, konnten sich die Flieger nicht darüber eins werden, wie sie agieren sollten. Einer der Piloten versuchte, die Geschwindigkeit zu erhöhen, indem er die Triebwerke beschleunigte. Der andere Flieger glaubte, dass man zu diesem Zweck den Bug nach unten richten musste. Er versuchte, seinen Kollegen zu hindern und den Höhengewinn zu stoppen, indem er das Lenkrad in den Boden drückte. Dadurch bekam der Computer widersprüchliche Signale von beiden Piloten. Eine Koordination der Handlungen kam zu spät.

„Bisher können die Experten dem Stimmenrekorder nicht entnehmen, wer von den Piloten den verhängnisvollen Fehler begangen hat, und wer versucht hat, ihn wiedergutzumachen. In ihrem letzten Dialog nennen die Piloten einander weder beim Namen noch beim Dienstgrad, während die Klangfarbe und Intonation ihrer Stimmen zum Verwechseln ähnlich sind“, so „Kommersant“. Um die Stimmen identifizieren zu können, müsste man wohl nach der Meinung der Experten dazu Angehörige oder Bekannte der Piloten heranziehen.

Der Flug FZ981 von Dubai nach Rostow am Don war am 19. März um 03:42 Moskauer Zeit beim zweiten Landeanflug abgestürzt. Zum Zeitpunkt der Unglücks herrschte am Zielflughafen schlechtes Wetter mit starkem Seitenwind und Regen. An Bord befanden sich 62 Menschen. Niemand überlebte die Katastrophe.

RT verfolgte von Beginn an die Untersuchung des Flugzeugabsturzes, den auch die Handlungen der „Flydubai“-Leitung herbeigeführt haben könnten: Einige Ex-Mitarbeiter der Gesellschaft teilten mit, dass die „Flydubai“-Piloten wegen einer großen Zahl an Flugeinsätzen ausgeschöpft seien und zu wenig Zeit zum Ausruhen hätten. Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, erzählte RT, dass der Co-Pilot und er während eines Fluges eingeschlafen seien und die Maschine für acht Minuten außer Kontrolle gelassen hätten. RT liegen auch hausinterne Dokumente von „Flydubai“ vor, die von ernsthaften Problemen mit der Flugsicherheit zeugen.

Nach der Veröffentlichung der Enthüllungen ließ die Transportaufsichtsbehörde Russlands alle heimischen Flughäfen die Kontrolle über die Maschinen und das Personal von „Flydubai“ verschärfen.