Tschetschenischer Präsident Kadyrow verkündet Ende seiner Amtszeit: "Meine Zeit ist abgelaufen"

Tschetschenischer Präsident Kadyrow verkündet Ende seiner Amtszeit: "Meine Zeit ist abgelaufen"
Der Präsident der tschetschenischen Kaukasus-Republik, Ramsan Kadyrow, hat am 27. Februar im russischen Fernsehen verkündet, dass er seine politische Karriere beenden möchte und für keine weitere Amtszeit kandidieren wird. Sein Wunsch sei es, in Zukunft „eine Schaufel oder ein Maschinengewehr in die Hand zu nehmen“.  Als vorübergehender Leiter der Republik wurde der Präsident der Republik Karatschai-Tscherkessien Rashid Temrezov ernannt.

Kadyrow verkündete in einem Interview bei dem russischen Sender HTB:

„Damit man mich, meinen Namen, nicht gegen mein Volk ausnutzt, halte ich es für angebracht, wenn die Regierung des Landes jemand anderes findet. Meine Zeit ist abgelaufen.“

Auch hat er jeden anderen politischen Posten auf Bundesebene in der Regierung ausgeschlossen. Seine weitere Zukunft sieht Kadyrow in den Studien des Islams, der Landwirtschaft oder an der Waffe.

Auch wenn diese Aussagen absolut klingen, bleibt zu bedenken, dass Kadyrow bereits zuvor mehrfach das Ende seiner politischen Karriere angekündigt hatte. Schon vor einem Jahr hat er verkündet:

„Ich wiederhole, mit Freunden habe ich 20 mal darum gebeten, dass man mich entlässt. Ich kralle mich nicht an die Macht. An der Spitze der Republik zu stehen, das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe vor Gott, vor dem Volk, vor dem Präsidenten. Ich habe nicht um diese Aufgabe gebeten. Ich habe nie um diese Aufgabe gebeten. Ich habe darum gebeten und bitte heute erneut um die Entlassung.“

Kadyrow ist seit 2007 Präsident der Tschetschenischen Republik. Seine zweite Amtszeit läuft am 5. April dieses Jahres aus. Die Wahlen zum neuen Präsidenten müssen bis zum 18. September abgehalten werden, solange wird ein Interim die Republik führen.

Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, erklärte, dass noch keine endgültige Entscheidung bezüglich eines neuen Staatschefs für die Republik Tschetscheniens vorliegt. Hierfür müsse erst noch das Ende der Amtszeit von Kadyrow abgewartet werden, sowie eine Einschätzung des Präsidenten Putin bezüglich der Situation. Eine destabilisierende Wirkung innerhalb der Region werde jedoch nicht erwartet.

Quelle: Ruptly

„Unterscheidet sich dort etwa die Situation von anderen Regionen? Dort existiert die gleiche Machtstruktur wie in der ganzen Russischen Föderation. Und lassen Sie uns nicht vergessen, dass es eine Region der Russischen Föderation ist, wo alle Gesetze der Russischen Föderation bestand haben“, so Peskow.

Russische Analysten spekulieren, dass sich die Äußerungen Kadyrows nicht an die Bürger Tschetscheniens richtet, sondern vielmehr an die russische Regierung. Bei den kommenden Wahlen wäre ein Wahlsieg Kadyrows äußerst wahrscheinlich.

„Im Gegenteil, er [Kadyrow –Anm. der Redaktion] ist sich absolut sicher, dass die Bevölkerung der Republik ihn unterstützt. Die Äußerung seines Wunsches zurückzutreten ist an den Kreml gerichtet, damit von dort eine Bitte erfolgt, er möge bleiben.“, sagte beispielsweise Alexej Malaschenko vom Carnegie-Zentrum Moskau gegenüber dem Kommersant.