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Droht Russland nach Heimquarantäne Scheidungswelle?

Droht Russland nach Heimquarantäne Scheidungswelle?
Ein Paar in Moskau
Wie auch im Rest der Welt sitzen derzeit viele Russen in den eigenen vier Wänden. Der Stresslevel wird höher, die Angst vor dem Ungewissen schaltet den Verstand aus. Die Corona-Krise bedeutet für viele Paare auch eine Beziehungskrise, finden Experten.

Die Folgen der Corona-Pandemie setzen die gesamte Welt unter Stress. Dies wird auch in den Familien spürbar. Als der russische Präsident Wladimir Putin einen arbeitsfreien Monat ankündigte, freuten sich viele noch auf eine Art Urlaub. Dass das familiäre Miteinander eine Herausforderung sein kann, wird vielen erst jetzt bewusst.

Alexander Isajew, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Professor an der Staatlichen Universität für Wirtschaft in Wladiwostok, sagte neulich eine spürbare Scheidungswelle nach dem Ende der Heimquarantäne voraus. Ihm zufolge bestehe für viele Paare nach der Quarantäne eine erhöhte Trennungsgefahr: 

Es gibt dieses Phänomen. Zum Beispiel, wenn der Ehemann und die Ehefrau mehrere Tage lang auf einem Floß verbringen und überleben müssen. Dann werden sie gerettet und trennen sich. In der Selbstisolation kommen viele negative Aspekte zum Vorschein, auf die die Ehepartner vorher nicht geachtet haben.

Eine ähnliche Meinung vertritt auch der Chefpsychiater des russischen Gesundheitsministeriums. Surab Kekelidse findet, dass viele Paare nach der Quarantäne getrennte Wege gehen werden. Er schließt jedoch nicht aus, dass einige später erneut zusammenkommen werden. Kekelidse empfahl den Bürgern, jedem Familienmitglied ein oder zwei Stunden Freizeit zu geben, damit jeder auch mal alleine sein kann. Er riet, Stress nicht mit Essen oder Alkohol abzubauen. Hilfreich seien Sportübungen, am besten gemeinsam mit der ganzen Familie, so der Psychiater. Für ältere Menschen sei die Lage derzeit besonders ernst. Deshalb sollte man sie immer wieder anrufen. "Kontakt ist wichtig für sie", sagte Kekelidse.

In der Corona-Krise holen sich Russen vermehrt psychiatrische Hilfe. Rund 30 bis 40 Prozent mehr Menschen rufen derzeit bei der Corona-Hotline an, um sich professionell beraten zu lassen. Die meisten Anrufer sind Männer. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren. Viele klagen, dass sie ihrem Partner oder ihrer Familie überdrüssig sind.

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